Gardelegen l In den Supermärkten leeren sich die Regale. Toilettenpapier ist nicht mehr zu haben. Unterdessen werden auch die Tempotaschentücher knapp. Haltbare Lebensmittel werden gehamstert, ebenso Kosmetikartikel und vieles mehr. Die Menschen sind verunsichert. Keiner weiß, was auf die Nation noch zukommt. Werden die Menschen quasi unter Hausarrest gestellt, wie schon in Frankreich und Italien? Gibt es auch morgen noch ausreichend Lebensmittel? Was wird mit der täglichen Arbeit, um Lohn und Brot zu verdienen? Diese Fragen stellen sich natürlich auch die beruflich Selbstständigen im Einzelhandel und im Dienstleistungsbereich. Wie genau in der aktuellen Corona-Krise zu handeln ist, das regelt seit Montag eine Vereinbarung der Bundesregierung mit den Regierungschefs der Bundesländer. Auf deren Grundlage hat das Landeskabinett gestern eine entsprechende Verordnung für Sachsen-Anhalt vorgestellt (Bericht auf Volksstimme-Seite 1). Die Gardelegener Volksstimme-Redaktion fragt in Innenstadtgeschäften und bei einigen Dienstleistungsanbietern zur aktuellen Lage nach.

Im Friseursalon „Figaro 2000“ sind schon die Stühle leer. Entweder sagen die Kunden ab oder sie kommen spontan vorbei, weil sie fürchten, dass die Friseure schließen, erzählt Ina Mertens, Inhaberin des Salons, im Volksstimme-Gespräch. „Wir sind zurzeit ziemlich in der Bredouille“, beklagt Mertens die Situation. Weil der Friseurberuf auch ohne Corona gewisse hygienische Standards einhalten müsse, gebe es keine großen Extra-Maßnahmen, meint die Chefin. Der Salon reinige regelmäßig die Oberflächen, und für die Kunden gebe es Handdesinfektionsmittel. Zudem verzichte der Betrieb auf den Handschlag. Mertens vermutet, dass es in Zukunft auf Kurzarbeit und kürzere Öffnungszeiten hinauslaufen wird.

Auch Thanh Vu, Inhaberin des Nagelstudios am Rathausplatz, arbeitet generell nach strengen hygienischen Standards. „Ich lüfte viel und mache nach jedem Kunden die Türklinke sauber“, sagt sie. Auch Vu hat schon einige Terminabsagen hinnehmen müssen.

Der Inhaber des „Coiffeur Creativ“, Fritz Schröder, desinfiziert ohnehin regelmäßig die Oberflächen seines Salons, betont er. „Handtücher und Umhänge werden ja eh nach jedem Kunden ausgewechselt und gewaschen“, macht Schröder deutlich.

Desinfektionsspender für Kunden

Antje Bischoff, Inhaberin des Friseursalons „Lieblingsplatz“, rät, auch wenn es ihr schwer falle, Kunden, die krank sind, doch bitte ihre Termine abzusagen. Sie und ihre Mitarbeiterin würden allgemein die Kundensitzplätze und ihre eigenen Hände desinfizieren. Für die Kunden haben sie auch einen Desinfektionsspender an der Kasse aufgestellt.

Bischoff hofft auf eine klare bundesweite Regelung zur Öffnung beziehungsweise Schließung der Salons. „Viele Kunden rufen bei uns an und fragen, ob wir geöffnet haben“, erzählt sie. Sie sei gespannt, wie sich die Situation noch entwickeln wird, sagt Antje Bischoff.

Einzelhandel soll unterstützt werden

Susann Bollinger, Inhaberin der „City Boutique Bollinger“, wird laut Verordnung ab heute ihr Geschäft schließen müssen. „So etwas hatten wir noch nie“, zeigt sich Bollinger im Volksstimme-Gespräch erschüttert. Sie hofft, dass der Staat den Einzelhandel unbürokratisch und unkompliziert unterstützt. Sie bittet außerdem die Kunden darum, dass nicht alle nun online einkaufen, sondern nach der Krisenzeit den Einzelhandel wieder aufsuchen.

Die Buchhandlung Albrecht weist schon an der Eingangstür auf hygienische Maßnahmen hin. Auch im Geschäft selbst verordnet die Chefin, Claudia Steffens, zwei Meter Abstand der Kunden vor der Kasse. Einerseits sei sie froh, dass sie erstmal nicht schließen müsse, aber andererseits wisse auch sie nicht, was noch bevorstehe, was da noch auf die Menschen zukomme. Gerade jetzt zur Schulschließung sei der Bedarf und die Nachfrage an schulischem Material sehr hoch, sagt sie.

Das Café „Am Rathaus“ behalte erstmal seinen Restaurant- und Hotelbetrieb aufrecht. Das Restaurant im Hotel Reutterhaus wurde zwar geschlossen, aber der Hotelbetrieb laufe dort weiter, informiert Tobias Schönemann, stellvertretender Geschäftsführer des Reutterhauses und des Cafés am Rathaus. Die Tische seien im Café – so wie es die Verordnung vorsehe – zwei Meter auseinander gestellt. Ab sofort dürfen sich noch maximal 50 Personen im Café aufhalten. „Es gehen viel weniger Leute essen. Wir haben mehr Außerhauslieferungen“, hat Schönemann festgestellt.

Viele Gastwirte bieten unterdessen einen Bestell- und Lieferservice an.