Gardelegen l Geplant war es ursprünglich nicht, aber Henri Schulz, geschäftsführender Vorstand der Gardeleger Wohnungsgenossenschaft, lud die Teilnehmer des ersten Gardeleger Stadtspazierganges ganz spontan zur Besichtigung der sanierten Wohnungen in der Immanuel-Kant-Straße ein. Und das Angebot wurde gern angenommen. Schmucke kleine Wohnungen mit großzügigen Wohnküchen, Balkonen und ganz modernen Bädern – viele Besucher waren erstaunt, was aus den Wohnblöcken, vor Jahrzehnten erbaut, geworden ist.

Das Förderprogramm Stadtumbau Ost und die damit verbundene Fortschreibung des Integrierten gemeindlichen Entwicklungskonzeptes (IGEK)für das Quartier OdF-Straße, Bertolt-Brecht-Straße war Anlass für den ersten Gardeleger Stadtspaziergang am Dienstagabend. Denn in die weitere Entwicklung des Quartieres sollten auch die Bürger mit eingezogen werden. Zu Gast war Holger Schmidt vom Büro für Siedlungserneuerung Dessau, das die Stadt mit der Fortschreibung des IGEK beauftragt hat. Seit Anfang der 2000-er Jahre betreut das Büro den Stadtumbau Ost in Gardelegen.

Profitiert von diesem Förderprogramm haben auch die Gardeleger Vermieterunternehmen, die Wohnungsgenossenschaft (WGG) und die Wohnungsbaugesellschaft (Wobau). Beim Stadtspaziergang informierten beide Geschäftsführer, Henri Schulz von der WGG und Wolfgang Oelze von der Wobau, über die Verwendung der Fördermittel, über Sanierungsprojekte und über Zukunftspläne.

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Wobau und WGG als gute Nachbarn

Im Fokus stand vor allem die WGG, die eine Erfolgsgeschichte präsentieren konnte. Anfang der 2000-er Jahre habe der Wohnungsleerstand bei der WGG bei knapp 50 Prozent gelegen, heute seien es noch sechs Prozent. Existenzbedrohend sei das damals gewesen. Die Wobau als große kommunale Vermietergesellschaft hätte die kleine WGG problemlos schlucken können. „Wir hatten aber faire Partner“, betonte Schulz mit Blick auf die Wobau. Beide Vermieter würden sehr gut zusammenarbeiten.

„Wir haben die gleichen Probleme und Sorgen. Wir leben in einer guten Nachbarschaft“, sagte Schulz. Und das auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn die zusammenhängenden Wohnblöcke in der Immanuel-Kant-Straße 3 bis 5 werden von beiden Unternehmen vermietet. Sechs Wohnungen hat dort die Wobau und zwölf die WGG. Die Komplett-Sanierung der Blöcke steht kurz vor dem Abschluss. Am 1. September – so der Plan – können die Mieter einziehen. Bis auf zwei Wohnungen im Block 3 seien alle anderen Wohnungen schon vermietet.

Über das Stadtumbau-Ost-Programm seien auch Wohnblöcke „vom Markt genommen“, also abgerissen, worden. Unter anderem ein Block an der Bertolt-Brecht-Straße mit 72 Wohneinheiten. Dafür habe die WGG 400 000 Euro Fördergeld von der Stadt über das Programm erhalten. Im Quartier an der OdF-Straße habe die WGG noch 234 Wohnungen. Insgesamt sind es 502 Wohnungen. „Wir hatten mal 1036“, so Schulz.

Geplant sind noch weitere Sanierungsprojekte. Dazu gehören die Blöcke an der Brecht-Straße 5 bis 7. Dort soll unter anderem die Fassade erneuert werden. Außerdem soll die Stendaler Straße 91 bis 93 komplett saniert werden. Ursprünglich sollte das schon vor der Immanuel-Kant-Straße passieren. Der Block allerdings sei noch nicht leergezogen. Die WGG führe eine Komplettsanierung, wo quasi nur noch die Hülle der Blöcke stehen bleibe, nur dann aus, wenn keine Mieter mehr in den Blöcken wohnen würden. Damit habe die Genossenschaft gute Erfahrungen gemacht, so Schulz.

Ein weiteres Großprojekt wird der Wohnblock an der Isenschnibber Straße sein. „Dort rechnen wir mit zwei Millionen Euro“, sagte Schulz. Das sei für eine kleine Vermietergenossenschaft viel Geld. Mit der komplexen Aufwertung der Bestände der Wohnungsgenossenschaft soll das Vermieterunternehmen für die Zukunft wettbewerbsfähig gemacht werden, betonte Schulz.