Genthin l Wer am Dienstag in der ehemaligen Lehrküche am Stadtkulturhaus die Augen schloss, fühlte sich ein bisschen wie im Urlaub. Arabische Klänge dringen aus dem Speisesaal, Gespräche auf Deutsch, Englisch, Arabisch und in anderen Sprachen erfüllen den Raum, und ein leicht scharf-würziger Duft steigt den gut 120 Gästen aus den großen Metalltöpfen in die Nase.

Viele Flüchtlinge aus Arabien, darunter ein großer Schwung Familien, sind gekommen, um gemeinsam mit den Genthiner Ehrenamtlern und den Mitgliedern vom Jugendforum aus Genthin, Elbe-Parey und Jerichow beim Kochen dabei zu sein. Für die Neu-Genthiner eine Möglichkeit, für einen Abend ein bisschen gute Heimaterinnerungen zu erleben und mit ihren neuen Nachbarn ins Gespräch zu kommen.

„Geplant hatten wir zuletzt mit etwa 30 bis 40 Teilnehmern“, sagt Willi Bernicke, Inhaber eines Nudel-Restaurants in der Genthiner Innenstadt. Deshalb wurden kurzfristig noch einmal kräftig Zutaten nachgekauft, erzählt er, während er nebenbei mit den Kochkollegen die letzten Handgriffe für die Salate erledigt. Trotz der fast doppelt so hohen Anzahl an Besuchern ist die Küche nicht überfüllt, jeder hat seinen Platz gefunden und scheint genau zu wissen, was er zu tun hat. Gesellig geht es derweil im Essenssaal zu, wo sich die Flüchtlinge gemeinsam mit den Genthinern mit Brettspielen, Schach, Malen oder einer meist zweisprachigen Unterhaltung die Zeit vertreiben, bis die Hauptgänge auf den Tisch kommen.

An der letzten Tafel sitzt Massoud. Er stammt aus dem syrischen Teil Kurdistans und erzählt seinem Gegenüber Gordon Heringshausen von seiner deutschen Verlobten, die in Mühlheim auf ihn wartet. Sie ist ein Grund, warum er mit seinem Deutsch inzwischen einen Smalltalk locker meistert. „Geplant hatten wir zuletzt mit etwa 30 bis 40 Teilnehmern“, sagt Willi Bernicke, Inhaber eines Nudel-Restaurants in der Genthiner Innenstadt. Deshalb wurden kurzfristig noch einmal kräftig Zutaten nachgekauft, erzählt er, während er nebenbei mit den Kochkollegen die letzten Handgriffe für die Salate erledigt. Trotz der fast doppelt so hohen Anzahl an Besuchern ist die Küche nicht überfüllt, jeder hat seinen Platz gefunden und scheint genau zu wissen, was er zu tun hat. Gesellig geht es derweil im Essenssaal zu, wo sich die Flüchtlinge gemeinsam mit den Genthinern mit Brettspielen, Schach, Malen oder einer meist zweisprachigen Unterhaltung die Zeit vertreiben, bis die Hauptgänge auf den Tisch kommen.

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Drei Hauptgerichte

Heimlicher Chef in der Küche ist Mohamed Rakan Abbara. Gerade noch Praktikant im Restaurant von Nudellounge-Besitzer Willi Bernicke, wird er am Wochenende sein eigenes Domizil in den Räumen des Bahnhofsgebäudes eröffnen. Während er sich mit Englisch- und Arabischlehrer Mark Najjar unterhält, kommen die anderen Hobbyköche immer wieder an seine Seite und erfragen den nächsten Schritt für die Zubereitung der drei Hauptgerichte. „Wir machen heute Maqluba, Falafel und Kuba“, sagt der künftige Chef des arabischen Spezialitätengeschäftes. Dazu gibt es einen einfachen Salat. Die Gerichte sind unkompliziert herzustellen und in der Schärfe auch für den deutschen Gaumen nicht zu würzig. Dafür werden Huhn, Gemüse und Co. vorbereitet. Mark und Mohamed möchten zum Kochabend auch mit Vorurteilen gegenüber ihrer Kultur aufräumen, die immer wieder in den Medien kursieren. „Wir möchten zeigen, dass wir freundliche Menschen sind. Denn die Genthiner sind auch sehr freundlich zu uns“, sagt Lehrer Najjar, der seit Mai in der Kanalstadt ist.

In arabischen Ländern sind es meist die Frauen, die für die Familien kochen. Die Männer kommen jedoch gern zu Hilfe. In der ehemaligen Lehrküche herrscht heute ein leichter Männerüberschuss. Vielleicht auch, weil sie sich bei den Frauen einmal revanchieren wollen. Während in der Küche die Teller zum Servieren vorbereitet werden, erklärt Sozialarbeiterin Petra Schiele vom Jugendhaus Thomas Morus einem jungen Flüchtling die Farben der Spielkarten. Der Junge wiederholt nicht nur prompt fehlerfrei das deutsche Wort, sondern bietet der Spielpartnerin auch gleich die arabische Version zum Tausch an. Stück für Stück werden so die Regeln klarer und die Kartenrunde kann gestartet werden.

 

Es sind die ersten Minuten der Ruhe für Schiele. Hatte sie doch zuvor mit den Mitgliedern des Jugendforums und den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern gemeinsam zig Vorlagen zum Ausmalen an die Jüngsten im Raum verteilt. Die Zeichenblätter zeigen eine Friedenstaube, die nun mit Buntstiften zum Leben erweckt werden. Stolz präsentieren die kleinen Jungen und Mädchen die fertigen Exemplare immer wieder ihren Eltern, die bei einer Partie Schach oder Mensch-ärgere dich-nicht zusammensitzen. „Das Wichtigste ist, dass die Menschen zueinander finden“, sagt Schiele. Dass der Kochabend dafür eine super Idee ist, zeigt das große Interesse auf beiden Seiten der Tafeln.