Genthin l Der Name „Helmecke“ zieht in Genthin die Kulturinteressierten an. Bestens besucht war die Stadt- und Kreisbibliothek in der vergangenen Woche zur Vorstellung der neuesten Veröffentlichung des Schriftstellerpaares. Die Bibliotheksmitarbeiter hatten in der unteren Etage die Buchregale beiseite gerückt und damit Raum für die zahlreichen Zuhörer von Monika und Manfred Helmecke geschaffen. Beide sind durch ihr schriftstellerisches Werk in der Kanalstadt bekannt.

Mit dem Buch „Türkei - Zwischen Faszination und Vorurteil“ kommt ein weiterer Reisebericht hinzu, in dem die Autoren manch neue Betrachtungsweisen über ein Land zulassen, das derzeit in aller Munde ist. „Als wir dort waren, war weder die Flüchtlingskrise, noch Jan Böhmermann ein Thema“, meinte Monika Helmecke. Rund 8 000 Kilometer legte das Ehepaar im Auto zurück, bereiste so fast das ganze Land und nutzte die östlichsten noch nutzbaren Straßen, um auch das Ursprüngliche der Türkei fernab der Touristenrouten zu erkunden.

Auszüge aus dem Buch präsentierten Monika und Manfred Helmecke in einer wechselseitigen Lesung, der dem Vortrag eine besondere Abwechslung gab. Sie beschränkten sich auf die Passagen des Buches, die auf der Strecke zwischen Marmarameer und Südostanatolien spielten. Jeden Abend wurde ein Quartier gesucht.

„Ich hatte vorher Bedenken“, gab Monika Helmecke zu, denn schließlich hatte jeder aus dem Umfeld des Paares gute Ratschläge zu Kleidung und Verhalten, damit man nicht den Unmut der Einheimischen errege. Doch es kam ganz anders. „Männer wie Frauen traten mir offen und freundlich gegenüber und waren immer hilfsbereit.“ Das Buch lebt von den Beschreibungen der Begegnungen. Helmeckes lassen die Menschen zu Wort kommen, mit denen sie während ihrer Reise ins Gespräch kamen.

Viele Eindrücke

Ein türkischer Pensionswirt steht mit seiner Sicht über die Regierung Erdogan (er hätte ein funktionierendes Steuersystem durchgesetzt, aber viele Türken würden ihm glauben, ohne selbst nachzudenken) für eine in der Bevölkerung vorhandene differenzierte Meinung. Aber natürlich waren Helmeckes auch Touristen, die die historischen Stätten wie Troja, Ephesus oder Milet bewunderten. Den Besuch Ankaras nutzten Helmeckes für eine Beschreibung der Türkei als Exilheimat für bekannte Deutsche wie den Politiker Ernst Reuter oder den Komponisten Paul Hindemith.

Auch Lebensdaten des türkischen Staatsgründers Kemal Atatürk finden sich in der Reisebeschreibung. Jedoch überwiegt das Anliegen der Autoren, den Leser nachdenken zu lassen über Vorurteile, über festgefahrene Meinungen, die wir allzu oft über das Land am Bosporus hegen und pflegen. Wer die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der türkischen Menschen kennengelernt hat wie das Ehepaar Helmecke, sieht die Türkei mit einem anderen Blick.