Genthin l „Das wird ein langer Tag, aber es ist mir ein Anliegen“, sagt Ernst-Adolf Kampe, Landwirt aus Parchen über die Agrardemo am Brandenburger Tor in Berlin. „Bei der Demo geht es auch um uns kleine Landwirtschaftsbetriebe, die überleben sollen“, sagt Ernst-Adolf Kampe, der zum ersten Mal in Berlin dabei ist.

„Wir kleinen Landwirtschaftsbetriebe tragen viel zum Erhalt des dörflichen Lebens bei und deshalb machen wir die Forderung auf, dass wir unterstützt werden.“ Für Kampe ist die Demonstration eine besondere Herzensangelegenheit. „Seit fünf Jahren wollte ich das machen, in diesem Jahr muss ich“, meint er. Denn 2020 habe er die eine Hälfte seines Lebens im Sozialismus und die andere Hälfte im Kapitalismus verbracht. „Früher beherrschte die Partei alles, heute das Kapital“, meint er und möchte die Möglichkeiten der Meinungsäußerung nutzen.

Um 4.45 Uhr losfahren

Dafür nimmt er eine wahre Mammuttour auf sich. Um 4.45 Uhr gehe es los. „Dann fahre ich mit dem Trecker nach Berlin“, verrät Kampe während er vor der großen Fahrt letzte Hand an sein Fahrzeug anlegt. Um 10 Uhr werden die Treckerkolonnen auf der Straße des 17. Juni zusammengeführt. Angeführt vom Traktor-Konvoi ziehen die Demonstranten dann mit kreativen Schildern, Tierkostümen und Kochtöpfen in der Hand vom Brandenburger Tor durch das Berliner Regierungsviertel.

Auch soll bei der gleichzeitig stattfindenden Agrarministerkonferenz eine Protestnote übergeben werden. Am Nachmittag findet die Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor statt. Seit 2011 geht die Gruppe „Wir haben es satt!“ zum Auftakt der „Grünen Woche“ für bäuerliche Betriebe und eine ökologischere Landwirtschaft in Berlin auf die Straße. Zu ihr gehören Bio- und konventionelle Bauern, aber auch Natur-, Umwelt- und Tierschützer. „Statt die Kosten der verfehlten Agrarpolitik auf die Höfe abzuwälzen, muss die Bundesregierung jetzt die Agrarwende finanzieren“, fordert Christian Rollmann, Pressesprecher der Aktion „Wir haben es satt“. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner müsse während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft 2020 für eine enkeltaugliche EU-Agrarreform sorgen. „Mit den rund 60 Milliarden Euro an Subventionen im Jahr ist mehr Klima-, Umwelt-und Tierschutz in Europa machbar“, sagt Rollmann.

Ökologische Landwirtschaft ist schon da

Am Sonnabend Berlin, am Freitag Sachsen-Anhalt. In Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau gibt es Sternfahrten der Bauernbewegung „Land schafft Verbindung“. Peter Deumelandt, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Jerichower Land. Mit Blick auf eine Demonstration, die am Freitag in Sachsen-Anhalt mit einer Sternfahrt stattfindet, sagt er: „Die Demonstration ist aus dem Berufsstand heraus organisiert, weil es trotz Zusagen der Politik sehr wahrscheinlich keine Änderungen im Agrarpaket oder auch den geplanten Verschärfungen in der Düngeverordnung geben wird.“

Viele Landwirte würden sich fragen, wie es in Deutschland mit der Landwirtschaft weiter gehen soll, wie Betriebe erhalten und Arbeitsplätze im ländlichen Raum langfristig gesichert werden sollen. „Und es wird eingefordert, dass die geplanten Änderungen auch mit dem Berufsstand besprochen werden und eine Zukunftsperspektive für die Landwirte aufgezeigt wird.“ Dagegen sieht Deumelandt am Sonnabend hauptsächlich Umwelt- und Naturschutzverbänden am Zug: „Ich denke auf dieser Demonstration wird oft die reale Lage im Land ausgeblendet.

Man demonstriert für eine ökologische Landwirtschaft, die wir ja schon im Land haben, aber die der Verbraucher anscheinend nicht möchte. Wir produzieren mittlerweile auf neun Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland ökologisch, aber bei den Produkten greifen die Verbraucher nur zu fünf Prozent zu den ökologischen produzierten. Wir leben in einer Marktwirtschaft und das bedeutet, wenn eine Nachfrage da ist, bildet sich immer ein Angebot und dies wird leider verkannt. Dennoch fordert der Verbandsvertreter, die Interessen der Landwirte zu bündeln und gegenüber Verwaltung und Politik zu kommunizieren. „Gerade im ländlichen Sachsen-Anhalt ist die Landwirtschaft ein wichtiger Partner und hat eine hohe Relevanz für die Zukunft der ländlichen Räume.“