Genthin l Es war kurz nach 22 Uhr, als das Klicken zahlreicher Kameras durch die Bebelstraße hallte. Zur anbrechenden blauen Stunde hatten sich am Montagabend rund zwei Dutzend Schaulustige aufgemacht, die sich das rot angestrahlte Gebäude der früheren Motormühle nicht entgehen lassen wollten. „Ich habe in der Zeitung von der Aktion gelesen und wollte mir anschauen, wie das Gebäude in rotem Licht aussieht“, sprach eine Anwohnerin aus der Nachbarschaft für viele Besucher. Hinter der Aktion steckte der Genthiner Veranstaltungsservice (GVS) von Yvonne Wilke und Marcel Ballerstein, die sich gemeinsam mit dem Genthiner Veranstalter Dirk Ballarin damit an der „Night of Light“ beteiligten. Damit wurde in der Nacht zu Dienstag darauf aufmerksam gemacht, dass viele Betriebe der Veranstaltungsbranche die nächsten 100 Tage nicht überleben werden, wenn die Politik keine Lösung anbietet.

Rote Lichter auf dem Vordach

Das frühere Genthiner Mühlengebäude, heute im Besitz der Familie Ballerstein/Wilke, war nur ein Gebäude von mehreren tausend in Deutschland, das beleuchtet wurde. „Wir haben einigen Aufwand getrieben und rote Lichter auf dem Vordach installiert, außerdem strahlen wir auch die Nebengebäude mit rotem Licht an“, erläuterte Marcel Ballerstein die Technik.

Existenzielle Not

„Wir setzen damit ein Signal für unsere Branche, die durch zahlreiche coronabedingte Absagen seit März in existenzielle Not geraten ist“, erklärte Yvonne Wilke. So extrem ist GVS nicht betroffen, aber fehlende Aufträge in der Region und überregional machen sich dennoch auf der Einnahmenseite bemerkbar. „Wir hatten in diesem Jahr auf größere Aufträge quer durch Deutschland gebaut, es ist extrem frustrierend, wenn man alle Verträge unterschrieben hat, alle Unterlagen eingeholt hat, und dann wird alles abgesagt“, berichtet Ralf Ballerstein vom GVS. „Wir können die Sorgen und den Frust nachempfinden und sind durchaus aus Solidarität vor Ort“, berichteten die Genthiner Kinobetreiber Lars Hoffmann und Claudia Kaßler. Auch das Union-Kino ist seit Beginn der Corona-Pandemie geschlossen. Vorsichtig würden derzeit Pläne zur Wiedereröffnung eruiert. „Niemand, der im Kunst- und Kulturbereich tätig ist, ist von dieser Krise unberührt geblieben, die meisten wollen gern wieder öffnen oder Veranstaltungen anbieten, müssen sich dabei aber auch fragen, ob Aufwand und Nutzen in Einklang stehen.“

Bilder

Grünen-Stadtrat Lutz Nitz schaute aus Verbundenheit zur Familie Ballerstein vorbei, wollte aber auch ein Zeichen setzen: „Natürlich ist es ein Signal, wenn ein Stadtrat bei solch einer Aktion vorbeischaut und natürlich beschäftigen auch uns die Nöte der Veranstaltungsbranche.“ Diese seien mit einer solchen Aktion nicht zu beheben, aber man könne damit ein Bewusstsein schaffen.

Und das sei durchaus in der Bevölkerung angekommen. „Wir sind in der Stadt auf die Aktion angesprochen worden, einige Leute haben sich mit unserem Anliegen beschäftigt“, sagt Yvonne Wilke. „Es ist auch so, dass sich Veranstaltungsbetriebe insbesondere bei Facebook ausgetauscht haben und man dadurch sehr stark in Kontakt über die aktuelle Situation getreten ist“, berichtet der Genthiner Veranstalter Dirk Ballarin, der sich der Aktion in der Bebelstraße angeschlossen hatte und diese im Bild festhielt.

Beleuchtet bis bis 1 Uhr

Dabei gab es wechselnde Motive. Denn der GVS nutzte den Abend, um auf seine technischen Möglichkeiten hinzuweisen. So gab es am rot angeleuchteten Gebäude auch Laserschriftzüge mit dem Firmenemblem, dem Logo von Dirk Ballarins Band „The Pax“ oder Hinweisen auf die Aktion. Bis 1 Uhr blieb das historische Gebäude in Genthin beleuchtet.

Mehr als 8000 Kulturschaffende in ganz Deutschland hatten 8800 Gebäude mit rotem Licht angestrahlt.