Genthin l „Ich freue mich, mal wieder hier zu sein“, sagte Willi Kraning, als er das Thomas-Morus-Haus betrat. Dort erwarteten ihn bereits die Mitarbeiter und zahlreiche Kinder und Jugendliche, die ein leckeres und zugleich gesundes Frühstück zubereitet hatten. Auch darüber freute sich der ehemalige Pfarrer. „Ihr wart noch nicht geboren, als ich hier gewirkt habe“, witzelte er mit den jungen Besuchern. Während der Mahlzeit ist Willi Kraning ausführlich mit ihnen ins Gespräch gekommen.

Entwicklung betrachten

„Als ich das Morushaus mit aufgebaut habe, gab es keine Unterstützung vom Bistum. Deshalb wollte ich mal schauen, wie sich das Morushaus entwickelt hat und versuchen, es dem Bistum näher zu bringen“, nannte er einen Grund für den Besuch der Einrichtung, die in katholischer Trägerschaft steht.

Jugendhausleiter Ronny Harzendorf erwähnte diesbezüglich, dass sich das Morushaus unter anderem an der 72-Stunden-Aktion „Euch schickt der Himmel“, beteiligt hat, die der Bund der Deutschen Katholischen Jugend initiiert hat. Dabei haben die Jugendlichen auch eine Messe besucht.

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Herz an das Haus verschenkt

Mit dabei war auch Bernd Neumann. Er hat das Morushaus von dessen Gründung 1994 bis 2014 geleitet und berichtete über die gegenseitigen Besuche mit dem Morushaus im nordrhein-westfälischen Düren. Der einstige Leiter fand viele lobende Worte für den Mitbegründer des Morushauses und ging unter anderem darauf ein, dass er die friedliche Revolution in Genthin angeschoben sowie die Kita Sonnenschein und eben das Jugendhaus mit aufgebaut hat. Willi Kraning revanchierte sich umgehend und lobte Bernd Neumann für sein langjähriges Engagement: „Er hat sein Herz an das Haus verschenkt.“

Der Pfarrer im Ruhestand stammt ursprünglich aus Hagen, ist 1955 in die DDR gekommen und hat von 1986 bis 1994 in Genthin gelebt, bis er nach Magdeburg gezogen ist. Bei seinem Besuch im Morushaus erzählte er über seine Zeit in Genthin und die Anfangszeit des Jugendhauses.

Erinnerungen an die Gründungszeit

„Da muss ich ein wenig ausholen“, begann er lachend. Die Idee für eine soziale Einrichtung für die Jugend der Stadt sei bereits 1992 aufgekommen. „Zwei Ordensfrauen wollten Jugendarbeit in der Stadt betreiben, was vom Sozialausschuss aber zunächst abgelehnt wurde“, erklärte er.

Deshalb habe er zunächst die Finger davon gelassen.„Warum lassen sie den Mut sinken?“, sei er daraufhin angesprochen worden. Das habe ihn zum Nachdenken angeregt, denn aufgeben wollte er nicht. Als die Ordensfrauen dann doch eine Busfahrt mit den Jugendlichen unternommen hatten, sei deutlich geworden, dass die jungen Menschen so etwas annehmen.

Viele Umbauten

Willi Kraning hat deshalb einen Ort für die Jugendarbeit in der Stadt gesucht und mit dem Gebäude in der ehemaligen Mühlenstraße, das einst eine katholische Schule war, den perfekten Ort gefunden. Er habe einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um das Gebäude von der Stadt zurückzubekommen. Das sei recht schnell gelungen unter der Auflage, dass es für soziale Zwecke genutzt werde. Und genau das war ja auch das Anliegen.

In der Folgezeit wurden zahlreiche Umbauten vorgenommen und das Haus 1994 schließlich der Bestimmung zugeführt, die es bis heute hat, nämlich Treffpunkt für die Kinder und Jugendlichen der Stadt zu sein.