Restaurierung

Altar in der Schinkelkirche Kleinwusterwitz saniert

Endlich erstrahlt er wieder in seiner ganzen Pracht – der Flügelaltar in der Schinkelkirche Kleinwusterwitz. Letzte Woche trafen sich alle Mitwirkenden unter der Leitung von Heidrun Fleege vom Architektenbüro Fleege & Oeser aus Brandenburg, zur Abnahme des restaurierten Kleinods. Im Mittelpunkt stand, neben dem Flügelaltar, Restauratorin Franziska Schott.

Von Thomas Skiba
Anna selbdritt – die Mutter Marias und Großmutter Jesu. Der Vorname Anna erfreute  sich am Ende des Mittelalters  großer Beliebtheit, ebenso wie der Vorname Joachim, des Ehemanns der heiligen Anna.
Anna selbdritt – die Mutter Marias und Großmutter Jesu. Der Vorname Anna erfreute sich am Ende des Mittelalters großer Beliebtheit, ebenso wie der Vorname Joachim, des Ehemanns der heiligen Anna. Foto: Thomas Skiba

Jerichow - „Insgesamt ein halbes Jahr habe ich an dem Schrein gearbeitet, einschließlich der Figuren“, so die Diplomrestauratorin für Gemälde und polychrome Ausstattungsobjekte, letzteres bedeutet, dass sie mit dem Erhalt einer großen Vielfalt von Formen und Materialien vertraut ist. Der Altar war deutlich beschädigt, diverse Stellen mehr schlecht als recht repariert und teilweise wurde im Laufe der Jahrhunderte die originale Farbschicht durch bis zu zehn Deckschichten übertüncht.

Eine Herausforderung, die Schott annahm und bravourös meisterte, folgt man den anerkennen Worten von Heidrun Fleege als auch Heike Staschull, die Vereinsvorsitzende des Förderverein Schinkelkirche Kleinwusterwitz. Hier musste Schott den Schritt der sogenannten Entrestaurierung gehen, also schlechte oder gar schädliche Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen vergangener Jahrzehnte erkennen und zurücksetzen. Erst dann kann man das Kunstwerk und seine Geschichte wieder in seiner Ursprünglichkeit lesen.

Patina macht Charme aus

„Dazu kommt, dass genau diese Alterspatina den Charme und auch den Wert eines Kunstwerkes ausmacht“, betont Schott und sagt, „egal, ob es sich dabei um ein Gemälde, einen Altar, eine geschnitzte und gefasste Skulptur oder ein Wandbild handelt.“ Jedes Kunstwerk ist nicht nur in seiner materiellen Zusammensetzung und optischen Erscheinung einzigartig, auch seine Geschichte ist es, schreibt Franziska Schott auf ihrer Webseite und sie weiß, wovon sie spricht.

Jedes einzelne Wort find bei der Konservierung und Aufarbeitung der Altarfiguren als auch des Flügelaltars in der Schinkelkirche Kleinwusterwitz seine Bestätigung. Schott erläutert: Die mittlere Figur, die „Maria Septe“, befestigte Schott und sicherte sie gegen ein eventuelles Herunterfallen. Alle anderen Heiligenfiguren durften Franziska Schott in ihr Atelier in Halle begleiten und wurden dort von ihr nach und nach wiederhergestellt, kleine Beschädigungen ausgebessert und neu bemalt.

Um den Altar mit seinem Inhalt wiederherzustellen und für die Zukunft zu erhalten, entnahm die Restauratorin Proben von Farben und Holz. Schließlich galt es, das sakrale Kunstwerk authentisch und unverfälscht zu sanieren. „Dazu holte ich mir auch externe Fachleute dazu, etwa für Holzschnitzereien“, merkt Schott an. Wichtig für die Konservierung war die Entfernung von Holzwürmern, dazu setze Schott Gas ein: „Manche Stellen waren stark befallen und tut man nichts dagegen, ist die ganze Arbeit umsonst.“

Reinigung der Figuren vor zwei Jahren

Letztes Jahr, kurz vor Weihnachten stellte die Restauratorin gemeinsam mit Ortsbürgermeister Jürgen Staschull die Figuren auf ihren angestammten Platz im Flügelaltar. Ab März 2021 befasste sich Franziska Schott mit der Wiederherstellung des Schreins vor Ort. Alles fing einmal mit der Sanierung und Restaurierung dieser „ganz besonderen“ Kirche an.

Nach den Wand- und Deckenarbeiten konnten die ersten Restaurationsarbeiten am Altar vor zwei Jahren abgeschlossen werden. Damals mussten sich die Kleinwusterwitzer noch mit Erhaltungsmaßnahmen begnügen: Die Figuren am Altar wurden gereinigt und der Ist-Zustand wurde gefestigt.

„Bis wir die Heiligenfiguren komplett restaurieren konnten, mussten wir noch etwas Geld ansparen“, so Staschull im Rückblick. Eine Idee galt es unter die Leute zu bringen: „Werden Sie Paten für die Heiligenfiguren“ – so das Angebot und es funktionierte. Innerhalb der letzten zwei Jahre seit dem Aufruf konnten die benötigten Gelder eingeworben werden.

Ermöglicht durch Spenden und Zuschüssen

Dazu kamen Spenden und Zuschüsse der Landeskirche und der ostdeutschen Sparkassenstiftung. Leicht machten es den Mitgliedern die Heiligenfiguren selbst, denn jede der Figuren hat einen Namen mit einem besonderen Klang. Da gibt es den Petrus als Patron der Fischer und Schiffer, zudem auch Helfer gegen Fieber.

Bei Elisabeth von Thüringen handelt es sich um eine kirchengeschichtlich interessante Gestalt. Sie ist die Patronin der Kranken, Witwen, Waisen und Bäcker. Von frühester Jugend an der Gottes- und Nächstenliebe hingegeben gab sie ihre Existenz am thüringischen Hof zugunsten eines am franziskanischen Armutsideal ausgerichteten Lebens auf.

Andere Heiligenfiguren von Ottilie, Georg, Andreas, Urban, Raimund und Mauritius sind auch noch vorhanden.

Restauratorin Franziska Schott erläutert Architektin Heidrun Fleege (re.) Einzelheiten der Restaurierung.
Restauratorin Franziska Schott erläutert Architektin Heidrun Fleege (re.) Einzelheiten der Restaurierung.
Foto: Thomas Skiba
Ute Lichtenberg, Heike und Jürgen Staschull im Gespräch mit Franziska Schott (v.li.).
Ute Lichtenberg, Heike und Jürgen Staschull im Gespräch mit Franziska Schott (v.li.).
Foto: Thomas Skiba