Genthin l Die Zirkusfamilie Scholl steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach dem Verkauf des ehemaligen Baumarktgeländes an der Berliner Chaussee sind die Artisten vom neuen Besitzer aufgefordert worden, das Gelände zu verlassen. Eine Katastrophe für die Betreiber des Circus Danny Busch.

„Es gibt keinen Zweifel, der neue Besitzer hat das Recht über das Gelände zu verfügen, daran gibt es nichts zu rütteln, aber wir stehen vor großen Problemen“, sagt Zirkuschef Alexander Scholl. Gemeinsam mit seiner Frau Yvette und seinen Kindern, allesamt Artisten, lebt er seit drei Jahren auf dem Gelände des früheren Baumarktes. Was eigentlich nur als Zwischenquartier gedacht war, wurde im Laufe der Zeit eine dauerhafte Lösung. „Wir müssen nun bis Anfang September eine neue Bleibe finden“, erklärt Scholl mit sorgenvoller Miene.

Lagerung des Zeltes problematisch

Problem ist nicht nur die Unterbringung der vier Wohnwagen der Familie, sondern auch die Lagerung des Zirkus-Equipments, zu dem nicht nur Zirkuswagen gehören, sondern auch das gefaltete Zelt. „Das muss in einer großen Halle untergebracht werden.“ Auch wenn dem aufgestellten Zelt Hitze und Feuchtigkeit nicht viel ausmachen, würde es zusammengelegt im Freien schnell zu Schimmelstellen kommen, das Material Schaden nehmen. Daher müsse das wichtigste Utensil pfleglich behandelt werden.

Bilder

In ihrer Not hat die Familie bereits bei Bürgermeister Matthias Günther vorgesprochen. Er sagt: „Wir versuchen der Familie zu helfen und sind bereits innerhalb der Verwaltung im Gespräch.“ Allerdings: Eine Halle von rund 25 Metern Länge und einer ausreichenden Höhe habe auch die Stadt nicht einfach verfügbar. Größtes Problem für die Zirkusfamilie: Durch die Corona-Beschränkungen gibt es keine Auftrittsmöglichkeiten. „Wir haben keine Einnahmen und daher auch kaum Möglichkeiten, hohe Mieten zu zahlen“, berichtet Yvette Scholl. Daher könne etwa das Gelände am leerstehenden ehemaligen Rewe-Markt in der Friedenstraße nicht genutzt werden.

Corona-Beihilfen habe ihr Betrieb nicht bekommen, berichten Scholls, sie würden nicht als Kulturstätte gesehen, sondern als Gewerbe.

Keine Hoffnung auf Gastspiele

Dabei sei doch Zirkus ein Teil der Kultur im Veranstaltungsplan vieler Städte. Jedoch Hoffnung auf Gastspiele gäbe es derzeit nicht. „Ich glaube nicht, dass es den Winterzirkus in Brandenburg in diesem Jahr geben kann und wenn, dann nur unter großen Auflagen.“ Dann stelle sich die Frage, ob man solche Veranstaltungen überhaupt wirtschaftlich umsetzen könne.

Mittlerweile würden sie Hilfe vom Amt bekommen. Allerdings sei das zur Verfügung stehende Geld so gering, dass der Fuhrpark abgemeldet und die Fahrzeuge nicht mehr aufgetankt seien, da dafür einfach kein Geld mehr da sei.

„Wir müssen auch Finanzen aufwenden, um die in Niedersachsen untergebrachten Tiere zu versorgen und haben uns daher selbst sehr eingeschränkt“, beschreibt Alexander Scholl. Der 53-Jährige hängt mit Herz und Seele an seinem Betrieb. Schließlich habe sein Zirkus eine lange Tradition, in siebenter Generation sei er Artist. Der Circus Busch sei nach der Wende aus dem ehemaligen Staatszirkus der DDR hervorgegangen.

Um auf andere Gedanken zu kommen, kümmert sich die Familie um den Erhalt der Wagen. Hier und da wird Farbe aufgetragen, werden schadhafte Stellen ausgebessert. Aber fest steht, dass die Zirkusfamilie in wenigen Tagen das Gelände verlassen muss. Letzte Hoffnung sind Hinweise oder Unterstützung aus der Bevölkerung. Zu erreichen ist der Zirkus unter der Telefonnummer: 015 73/67 32 027.