Genthin l „Der Genthiner Bahnhof ist wirklich kein Glanzstück. Hier müsste ein bisschen mehr Leben einziehen“, gibt Hilmar Ganzert von der Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft mbH ohne viel herumzureden zu. Das Unternehmen hatte das schmucklose Gebäude von der hessischen Investment- und Immobilienfirma Main Asset Management, die in Genthin glücklos agierte, erworben.

Seitdem sind zwei Jahre vergangen und auf einen ersten Blick hat sich am Bahnhof seitdem auch noch nicht sehr viel getan.

Ganzert, der im Unternehmen für Konzept und Vermarktung verantwortlich zeichnet, hielt sich seinerzeit auch mit großen Versprechungen zurück.

Es müssten Standortbedingungen geklärt werden, ließ er wissen. Vorerst wollte der neue Eigentümer auf die langfristige Vermietung von Wohnungen setzen. Diesbezüglich kann er sich jetzt beim Wort nehmen lassen.

Erst kürzlich ist die Wohnung in der zweiten Etage des Bahnhofes grundhaft saniert und erweitert worden, für die es inzwischen auch einen Mieter gibt.

Ganzert räumte ein, dass aktuell ernsthafte Bemühungen seitens der Aedificia unternommen würden, um im Bahnhof Gastronomie zu etablieren. Das wäre möglich in den Räumlichkeiten der ehemaligen Mitropa, die nach jahrelangem Leerstand zu einem Teak-won-Do-Studio umgebaut wurden, das inzwischen auch wieder ausgezogen ist.

Zuschnitt für Jugendliche

„Wir sind vorerst allerdings nur in Gesprächen“. Die ganze Angelegenheit sei noch nicht in Sack und Tüten, wollte sich Hilmar Ganzert vorerst nicht genau festlegen.

Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos), der vor gut zwei Wochen mit Ganzert im Gespräch war, zeigte sich hier redseliger. Auf eine Anfrage der Redaktion deutete er an, dass es Überlegungen gebe, im Bahnhofsgebäude eine Gastronomie speziell für Jugendliche, beispielsweise eine „Burger Bar“, zu entwickeln.

Vorschläge aus der Politik

Dass der Zustand des Bahnhofes in den letzten Wochen wieder verstärkt in der Öffentlichkeit thematisiert wurde, geht eigentlich auf das Konto der aktuellen Kommunalpolitik. Denn auf der Suche nach einer neuen Bleibe für das nunmehr geschlossene Henkelmuseum kam aus den Reihen der Stadtratsmitglieder der Vorschlag, es möglicherweise mit der Touristinformation in den Bahnhof zu integrieren und dafür vielleicht über das Fördermittelprogramm Revita zu nutzen.

Das Land Sachsen-Anhalt hat seit 2008 über dieses Bahnhofsprogramm knapp zwölf Millionen Euro für elf Projekte zur Verfügung gestellt.

Diese Bauprojekte wurden von Kommunen, von Genossenschaften oder von privaten Investoren getragen.

Hilmar Ganzert kennt inzwischen diese Wünsche und Vorschläge der Kommunalpolitiker, nachdem sie der Genthiner Bürgermeister an ihn herangetragen hat. Seine ersten Reaktionen darauf sind jedoch eher verhalten bis vorsichtig. „Wir müssen erst das in Rede stehende Förderprogramm prüfen, ob es für uns überhaupt passt“, sagte Hilmar Ganzert gegenüber der Volksstimme.

Die Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft mbH bewirtschaftet etwa 40 Bahnhöfe in Niedersachsen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.

Die Förderbedingungen und -voraussetzungen unterschieden sich von Bundesland zu Bundesland, da müsse man sich erst genau kundig machen, lehnte sich Hilmar Ganzert zunächst einmal nicht zu weit aus dem Fenster.