Genthin l Die Ambitionen von Lars Bonitz auf den Bürgermeistersessel stoßen nicht gerade auf Gegenliebe. Die Reaktionen auf seine Bewerbung zeigen ein Stimmungsbild zwischen Zurückhaltung bis Ablehnung.

Wählerschaft wird zerrissen

Der von der Genthiner CDU gewählte Kandidat Andreas Buchheister wurde deutlich. „Ich finde es ärgerlich“, meinte er in einer ersten Stellungnahme.

„Die Wählerschaft wird zerrissen, wenn zwei Kandidaten aus dem gleichen Lager antreten“, meinte Buchheister mit Blick auf die Bürgermeisterwahl in Burg 2010 oder der Landratswahl 2014.

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In Burg traten 2010 Lutz-Georg Berkling und Gerhard Ritz, die damals beide in der CDU waren, sowie Jörg Rehbaum und Reinbern Erben (beide SPD) an. Bei der Landratswahl 2014 kämpften erneut Gerhard Ritz und Lutz-Georg Berkling um die Wählergunst.

Keine Stellungnahme aus Burg

Keine Stellungnahme in der Causa Lars Bonitz wollte CDU-Kreisvorsitzende Andrea Gottschalk aus Burg abgeben.

Dem Kreisverband liege keine offizielle Information vor, deshalb könne sie den Vorgang auch nicht kommentieren, begründete die Kreisvorsitzende ihre Zurückhaltung. Informationen könne ausschließlich der Genthiner Stadtverband geben. Dessen Vorsitzender Klaus Voth bestätigte, zwischzeitlich mit Lars Bonitz Kontakt aufgenommen zu haben, was bis Sonntagmittag noch nicht geschehen war.

Der CDU-Ortsvorstand werde im Verlaufe der Woche zusammenkommen und die Kandidatur von Lars Bonitz thematisieren. Das bestätigte Klaus Voth.

Ratsmitglied: Schädlich

Norbert Müller zählt neben Gerd Mangelsdorf zu den dienstältesten Mitgliedern der CDU-Fraktion im Stadtrat. Seit 1990 sitzt er mit einem CDU-Mandat im Stadtrat. Sein Statement wird von Enttäuschung getragen. „Ich bedaure die Entscheidung von Lars Bonitz, da er bei der Nominierung versichert hatte, den Kandidaten, der sich in der Abstimmung durchsetzt, zu akzeptieren.

Nach seiner Niederlage sagte er Andreas Buchheister seine Unterstützung zu.“ Im Urteil Müllers sei die Entscheidung von Lars Bonitz für die Genthiner CDU schädlich, da damit das Wählerpotential gesplittet werde. In Genthin sei es seit 1990 das erste Mal, dass zwei CDU-Kandidaten bei einer Bürgermeisterwahl antreten. Davon gehe für Stadtratsfraktion der CDU ist ein schlechtes Zeichen aus, meint Norbet Müller, der mit der Zweitbewerbung auch den Zusammenhalt in der Fraktion gefährdet sieht.

Junge Union: Stimmprobleme

Alexander Otto, Junge Union-Kreischef, sieht bei den beiden Bewerbern aus der CDU das Problem der „Stimmverteilung“. Beispielhaft führt er die Stadtratswahl im Jahr 2014 an, als die CDU-Liste mit diversen engagierten jungen Kandidaten aus Altenplathow ein beachtliches Ergebnis ziehen konnte.

Ein großes Stimmpotential sei mobilisiert worden, welches sich dann aber statistisch verteilt habe. Dieser Umstand, führt Otto aus, habe bereits bei vier Bürgermeister-Bewerbern bestanden, es werde nun aber mit einem weiteren Bewerber noch deutlicher. Namentlich äußerte sich Alexander Otto über keinen der beiden Bürgermeisterkandidaten, weder über den offiziellen CDU-Bürgermeister-Kandidaten, noch über den, der ohne den Rückenwind der Partei antritt.

Der Kreis-Chef der Jungen Union geht davon aus, dass es nicht bei den bisherigen fünf Kandidaten bleiben werde. Zwei weitere Bewerber würden noch in den Startlöchern stehen, hieß es auch aus anderen, nicht bestätigten Quellen.

Urgestein: Nicht festlegen

Hermann Meyer, erst DBD- und nach der Wende CDU-Mitglied, gehört mit einer fast 47-jähriger Parteimitgliedschaft zum Urgestein des Stadtverbands. „Ich möchte mich in der Öffentlichkeit nicht auf einen der beiden Bewerber festlegen“, will er sich bewusst den Aufgeregtheiten der gegenwärtigen Diskussion entziehen. „Wer auch immer Bürgermeister wird, soll sich um die Belange der Menschen kümmern. Das ist mir wichtig“, sagt er.