Genthin l „Bitte Platz nehmen. Nase oder Rachen. Was ist Ihnen lieber?“ Zügig und sicher, zugleich mit freundlicher Bestimmtheit arbeitet Oberstabsgefreiter Christian Lübeck den Corona-Schnelltest ab.

Das kleine Testlabor hat im Arztzimmer der Johanniterheimes eine provisorische Bleibe gefunden. Geschickt hantiert Christian Lübeck mit Abstrichtupfer, Testkassetten, Röhrchen und Reagenzienhalter. Er und sein Kamerad, Hauptgefreiter Christian Schoon, sind seit Ende vergangener Woche in das Johanniterheim Genthin-Wald als „Schnelltester“ eigens für Besucher abkommandiert. An ihnen kommt derzeit kein Besucher im Johanniterheim Genthin vorbei.

Schoon und Lübeck bilden eines von insgesamt sechs Teams aus der 2. Kompanie des Versorgungsbataillons 142 Torgelow (Mecklenburg), deren Dienstplan durch den Corona-Einsatz im Jerichower Land von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt wurde. Vorerst für drei Wochen, sehr wahrscheinlich aber bis Ostern, sind ein gutes Dutzend Bundeswehrsoldaten unter anderem in Friedensau, Biederitz, Burg, Genthin-Wald und Genthin im Einsatz.

Nachfrage ist groß

In einem zweieinhalbstündigen Kurs in Regie des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) wurden sie in Magdeburg in der Handhabung des Schnelltests fit gemacht.

Mit Stand Dienstag dieser Woche waren solche Schnelltest-Teams mit insgesamt 84 Soldaten in zehn Landkreisen und kreisfreien Städten Sachsen-Anhalts im Einsatz. Tendenz steigend.

Auf externe Helfer dringend angewiesen

Denn Pflegeeinrichtungen wie das Johanniterheim Genthin-Wald sind dringend auf externe Helfer wie die Bundeswehrsoldaten angewiesen.

Bis zu ihrem Eintreffen in der vergangenen Woche schulterten die Mitarbeiter des Hauses die Schnelltests für Besucher selbst. Ein logistischer Kraftakt: Denn darüber hinaus musste das Johanniterheim aus eigener Kraft alle 55 Mitarbeiter des Hauses dreimal und die 84 Bewohner einmal wöchentlich einem Corona-Test unterziehen.

Mittlerweile wieder coronafrei

Die ohnehin angespannte personelle Situation hatte sich dramatisch zugespitzt, als Ende des Jahres im Haus 20 Corona-Infektionsfälle, davon waren auch fünf Mitarbeiter betroffen, nachgewiesen wurden. Mittlerweile ist die Pflegeeinrichtung wieder coronafrei. Die Infizierten zeigten nur leichte Symptome, schwere Fälle blieben aus.

Mit dieser Vorgeschichte ist bei Einrichtungsleiterin Claudia Tritt die Erleichterung riesengroß, dass dem Heim mit Christian Lübeck und Christian Schoon „gute Geister in Uniform“ montags bis sonntags uneingeschränkt zur Seite stehen. „Ihr Einsatz ist wirklich sehr hilfreich“, sagt sie nach den stressreichen Wochen.

Besuchszeiten erweitert

Die Einrichtungsleiterin hatte am 30. Januar einen Antrag beim Gesundheitsamt des Landkreises auf Unterstützung durch Bundeswehrangehörige gestellt. Mit für sie nicht erwartetem Erfolg: Zwischen Absenden des Antrages bis zur Bewilligung vergingen nur drei Tage. „Es haben alle rasant und schnell gearbeitet, so dass die Hilfe schnell vor Ort sein konnte“, sagt auch Oberstleutnant d. R. Joachim Friedrich von Witten, Leiter Kreisverbindungskommando (KVK) Jerichower Land, der sich am Montag in Genthin-Wald von der Situation vor Ort ein Bild machte. „Wir spüren, wie dankbar uns die Mitarbeiter des Pflegeheimes sind. Sie können endlich wieder ihrer Hauptaufgabe, der Pflege, voll und ganz nachkommen.“ „Unsere Hilfe funktioniert reibungslos und unkompliziert. Wir sind hier super aufgenommen worden“, resümiert Feldwebel Sophie Böhlecke, der die Einsatzleitung vor Ort obliegt, die ersten Tage des Einsatzes.

Durch Einsatz der Bundeswehrsoldaten konnten im Johanniterheim ab sofort die Angehörigen-Besuchszeiten für die Bewohner erweitert werden.

Täglich 15 Besucher bei Schnelltests

Waren bisher logistisch Besuche nur zu den vollen Nachmittagsstunden möglich, können die Besuchszeiten nun auch auf den Vormittag ausgeweitet werden. Wobei ein Heimbewohner jeweils zur vollen Stunde von einem Besucher aufgesucht werden kann. „Ohne den Einsatz der Bundeswehrsoldaten könnten wir uns das nicht leisten“, sagt Einrichtungsleiterin Claudia Tritt.

Bisher wurden täglich von den Mitarbeitern etwa 15 Besucher einem Schnelltest unterzogen.

Bundeswehrsoldaten sind bundesweit in Impfzentren, Test- und Fieberzentren sowie zur Verstärkung in Gesundheits- und Sozialämtern im Einsatz.