Genthin l Dem Genthiner Wasserturm ging es in dieser Woche „an den Kragen“. Turnusgemäß, in einem Abstand von zwei bis drei Jahren, wurde das Schutznetz, das abgesprengte Putz- und Betonteilchen auffängt, in Genthin auch die Halskrause genannt, ausgetauscht.

Für die Industriekletterer aus der Altmark, die deutschlandweit unterwegs sind, war dies kein besonders schwieriger oder komplizierter Auftrag. Auch der Regen hinderte sie nicht daran, den Netzwechsel zügig abzuarbeiten. Das Team um Geschäftsführer Mewes Groschopp ist ohnehin bestens mit den Gegebenheiten des Wasserturms vertraut und konnte sich damit gut auf seinen Einsatz vorbereiten. Seit 2006 hat es bereits die Schutznetze regelmäßig gewechselt und entleert.

Beruflicher Alltag

„Es ist schön, mal wieder einen Auftrag fast in unserer Heimat zu erledigen zu können“, freute sich Mewes Groschopp dennoch auf den Einsatz in Genthin. Für die Industriekletterer aus der Altmark gehört die Montage von Netzen zum beruflichen Alltag.

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Trotzdem macht der Genthiner Wasserturm eine Ausnahme und besticht durch die besondere Form seines Netzes. Es ist eine ringförmige Sonderanfertigung aus Polypropylen, einem Kunststoff, der besonders steif und fest ist und den eine große Oberflächenhärte auszeichnet. Diese Sonderanfertigung, ihr äußerer Durchmesser beträgt 15,50 Meter und der innere 9,50 Meter, wurde dem Turm wie geplant in einer Zwei-Tages-Aktion erneut „um den Hals“ gelegt.

Der Wechsel des alten Netzes sei nach dringend notwendig gewesen, sagte Mewes Groschopp im Gespräch mit der Volksstimme. Ein wichtiges Indiz dafür sei ein etwa fußballgroßes Loch in der Auffang-Vorrichtung gewesen, dass er bei einer Inaugenscheinnahme vor gut vier Wochen ausgemacht habe. Seine Befürchtung, bei den aktuellen Arbeiten aufgrund des zunehmend sanierungsbedürftigen Zustandes des Wasserturms mehr Putz- und Beton-Absprengteilchen im Netz vorzufinden als sonst, habe sich bestätigt.

Schutznetz dringend notwendig

Etwa einen halben Kubikmeter Beton- und Putzteilchen hätten die Industriekletterer aus dem Auffangnetz geholt. Wobei das schwerste geborgene Teil 25 Kilogramm wog. Nicht auszudenken, welchen Schaden es hätte anrichten können, wenn es ohne Netz ungebremst zu Boden gefallen wäre, meint Mewes Groschopp.

Bereits seit 14 Jahren gehört das Schutznetz zum Erscheinungsbild des Wasserturms, für den vor 85 Jahren der erste Spatenstich vollzogen wurde.

Mit der Montage des neuen Auffangnetzes wird der Stadt Genthin eine weitere zwei- bis dreijährige Verschnaufpause verschafft, um die dringende Sanierung des Wasserturms voranzutreiben. Gerade die ist in der Kanalstadt derzeit ein hoch sensibles Thema.

Förderbedingungen haben sich verändert

Das Bauvorhaben rückte vor gut drei Jahren zunächst nach der Zusage des Landes über eine 100-prozentige Förderung in greifbare Nähe. Dann erhöhten sich aufgrund der Marktlage in der Baubranche die veranschlagten Kosten von 1,2 Millionen auf zwei Millionen Euro. Schließlich änderten sich auch Förderbedingungen, was unglücklicherweise durch Stadträte und nicht über die Verwaltung bekannt wurde. Gefördert wird demnach dennoch, aber für bestimmte Arbeiten muss jetzt die Stadt aufkommen.

Die ganze Problematik wird bei der Sitzung des zuständigen Fachausschusses am Montag nächster Woche erörtert. Unter Teilen des Stadtrates ist die Sorge groß, dass die Verwaltung weiterführende Termine versäumt. Deshalb soll die Sanierung des Wasserturms auch Gegenstand einer Sondersitzung des Stadtrates am 26. November 2020 sein.