Redekin l Eine Perle in der Dorfmitte von Redekin im Auge zu behalten, damit sie mit ihrer herben Schönheit andere erfreut – das hat sich Hans-Joachim Streubel zur Aufgabe gemacht und erfüllt sie mit Pflichtbewusstsein und Hingabe. „Ich konnte nie Nein sagen“ sagt er zu diesem Amt.

Der Dorfkirche verschrieben

Als Küster ehrenhalber verschrieb sich Hans-Joachim Streubel schon lange vor seiner Pensionärszeit der Redekiner Dorfkirche und öffnet sie außerhalb der Gottesdienste für Besucher. Streubel gilt im Ort als Hüter der Kirche und deren Schlüsselwächter. Mit einem ungewöhnlich großen schmiedeeisernen Schlüssel, dem man den seine Jahre, ja Jahrhunderte ansieht, öffnet der ehemalige Tierarzt die Pforte zum Kirchenschiff und hat gleich mehrere Anekdoten parat: „Einmal war eine Familie aus Brasilien da, und im Gespräch stellte sich heraus, dass es Nachfahren der Familie von Randow waren.“

Streubel erweist sich als Kenner der Redekiner Historie und erklärt, dass sich das Gut Redekin von 1327 bis 1763 im Besitz dieser Familie befand. Ein Abkömmling der schlesischen Randows. Adolph wanderte Mitte des 19. Jahrhunderts mit drei Söhnen nach Brasilien aus und begründete damit einen sehr großen brasilianischen Familienzweig, der heute etwa viermal so viele Namensträger zählt wie die europäischen Randows.

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Glocken läuten zu besonderen Anlässen

Zu Streubels Aufgaben zählen weiterhin das Läuten der Glocken zu besonderen Anlässen. Besonders die Geschichten zu dem Geläut und die damit eng verbundene Familie von Alvensleben lässt Streubel in die Historie des Dorfes eintauchen. Das Gut Redekin befand sich von 1780 bis 1945 in deren Besitz, das einst berühmte wie seltene Rokoko-Schloss ist längst verschwunden. So wurden die beiden Glocken jahrhundertelang von dem Küster per Hand geläutet – eine schwere und präzise auszuführende Tätigkeit.

Mit der politischen Wende 1989/90 dachte der Gemeindekirchenrat schon über ein elektrisch betriebenes Geläut nach, allein für die Finanzierung musste noch ein Weg gefunden werden. Unerwartet verunglückten zwei Mitglieder derer von Alvensleben tödlich und die Nachkommen, so berichtet Streubel, stellten die Beerdigungs-Kollekte für die Elektrifizierung des Geläuts zu Verfügung.

Glockenjoch erneuert

Die Installation geschah in aller Stille, und als eines Sonntags die Glocken erklangen, „schauten wir erstaunt zum Kirchturm“. Erika Bentsch, Streubels Schwester und rechte Hand, erinnert sich: „Wir guckten uns alle an und wunderten uns, wer da am Strick zog.“ Damit war die Überraschung geglückt und seitdem erschallen die beiden Glocken wieder in schönem Klang und vor allem pünktlich. Jetzt läutet Hans-Joachim Streubel die über 550 Jahre alten Bronzeglocken nur noch zum Jahreswechsel und zu Beerdigungen von Hand.

Die angestammte adlige Familie war es auch, so Streubel, die sich um die Instandsetzung der Aufhängung kümmerten. „Das alte Glockenjoch war defekt und ließ sich nur noch schwer bewegen. Auch hier unterstützten die von Alvensleben großzügig.“ Einzig die Turmuhr konnte sich bisher der Elektrifizierung entziehen, schmunzelt Streubel: „Das muss Michael Pieper immer noch von Hand durchführen.“ Das sei hier in der Region einmalig, denn entweder stehen die Zeiger der Turmuhr still oder werden elektrisch bewegt.