Schopsdorf l Die Hoffnung ist groß: Grüner Strom, der nicht sofort gebraucht wird, soll gespeichert werden – indem er in Wasserstoff umgewandelt und ins Gasnetz eingespeist wird. Das Verfahren gibt es bereits. Der Energieversorger Avacon will aber zeigen, dass statt bisher zehn, auch 20 Prozent Wasserstoff im Erdgasnetz gepackt werden können. Getestet werden soll dieses Verfahren in einem Pilotprojekt des Energieunternehmens im Fläming.

In dieser Woche hatte Avacon dazu die Gaskunden in Magdeburgerforth, Reesdorf, Drewitz, Dörnitz, Lübars, Ringelsdorf und Schopsdorf informiert. „Wir sind dankbar, dass der Fläming als Pilotprojekt ausgesucht wurde. Das Projekt hat eine Vorbildfunktion für ganz Deutschland“, machte Johannes Eickmann von der Avacon deutlich. Für das Pilotprojekt wird in Schopsdorf eine Wasserstoff-Erdgas-Mischanlage errichtet, in der der Wasserstoff dem Erdgas beigemischt wird. Diese Umwandlung und Speicherung gilt als Verfahren mit großem Potenzial für eine effiziente Nutzung von erneuerbaren Energien und für eine Co2-freie Energieversorgung. „Von den Gasnetzen aus könne das grüne Gas dann zur klimaneutralen Gasversorgung genutzt werden“, heißt es seitens des Energieversorgers. Projektpartner sind die DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut in Karlsruhe sowie das Gas- und Wärme-Institut in Essen. Erneuerbare Energien gibt es schon im Avacon-Netz. In den zurückliegenden zehn Jahren konnte laut Unternehmen eine Grünstromquote von mehr als 150 Prozent erzielt werden. „90 Prozent aller Ökostromanleger sind an Verteilernetze angeschlossen“, sagte Angela Brandes während der Gesprächsrunde. Der Grünstromüberschuss müsse aber eben abtransportiert werden. Der Bereich Fläming wurde ausgewählt, da hier laut Avacon typische Netzstrukturen mit einer 35-Kilometer langen Leitung bestehen. Die Kundenzahl sei mit 340 überschaubar und die genutzten Geräte hätten unterschiedliche Nutzungszeiten. An dieser Stelle wurde bei den Gesprächsrunden besonders von den Besuchern nachgehakt. „Was passiert, wenn zu viele Geräte ungeeignet sind, wer zahlt, wenn Geräte durch das Pilotprojekt Schaden nehmen?“, waren zwei der dringendsten Fragen.

Die Experten konnten hier zum Teil die Befürchtungen nehmen. Vor dem eigentlichen Beginn des Projektes werde es ab Oktober 2020 eine Erfassung der Kundengeräte in Vor-Ort-Terminen geben. Bis Februar 2021 erfolge eine kostenfreie Prüfung der Anlagen mit Erdgas sowie mit Prüfgas. Danach würden die Ergebnisse ausgewertet. „Wir gehen davon aus, dass die überwiegende Mehrzahl der genutzten Geräte für das Projekt geeignet ist“, hieß es seitens der Experten. Sollte sich herausstellen, dass man eine große Zahl der Geräte nicht nutzen könne, sei nach der Prüfung auch ein Stopp des Projektes möglich. Davon gehe man aber nicht aus. Wie verfahren werde, wenn Geräte kaputtgehen, müsse sich nach einer entsprechenden Überprüfung zeigen. Im Voraus ließen sich solche Einzelfälle nicht umfassend klären, hieß es seitens der Avacon. Derzeit wird so geplant, dass der Ausbau der Einspeiseanlage im Oktober 2021 abgeschlossen ist. Bis zum ersten Quartal 2023 wird die stufenweise Steigerung der Wasserstoffbeimischung angestrebt. Angela Brandes: „Es werden keine Veränderungen an den Gasthermen vorgenommen. Die Gasanschlusskunden erhalten einen Wartungsgutschein in Höhe von 100 Euro.“

Prüfgas kommt zum Einsatz

Der Monteur wird beim Vor-Ort-Termin eine Sichtkontrolle an den Gasleitungen vornehmen und die Gasgeräte erfassen. Dazu kommen eine Dichtheitsprüfung der Gasinstallation sowie die Prüfung des Gerätes mit dem Gas aus dem Versorgungsnetz und einem Prüfgas. Letzteres enthält bereits Wasserstoff. Im besten Fall bemerken die Gaskunden während des Projektes keinen Unterschied an der Energieversorgung.

Wer die Bürgertermine verpasst hat, kann morgen das Avacon-Infomobil in Magdeburgerforth besuchen. Zwischen 15 und 18 Uhr macht es vor der Feuerwehr Station.