Redekin l Sie gilt als eine der Perlen unter den Kirchen im Elbe-Havel-Gebiet und ist dem Abbild der Klosterkirche Jerichow nachempfunden: die Dorfkirche Redekin. „Und dennoch sticht unser Gotteshaus hervor“, weiß Marie-Luise Streubel zu berichten. Nicht nur wegen des unverfälschten romanischen Backsteinbaus und der seit dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) unveränderten Inneneinrichtung, nein, auch wegen der Redekiner Bürger, die sich für „ihre“ Kirche mit dem dazugehörigen Friedhof verantwortlich fühlen.

„Wir sind zumeist sieben“, sagt Marie-Luise Streubel. Gemeinsam werden die Wiese, aus der die Grabstätten wie Blumeninseln herausragen, gemäht, Wege von Unkraut befreit und die neu gepflanzten Rotdornbäume gegossen oder Rosen geschnitten. „Wir sind eine eingeschworene Truppe“, betont die Kirchenaktivistin.

Ab und zu unterstützen Bürger aus Redekin und Jerichow die Arbeiten zum Erhalt des Friedhofgeländes. „Hier geht es um Arbeiten, die für uns Frauen zu schwer sind“, weiß die Redekinerin Streubel.

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In erster Linie fasse ihr Ehemann Hans-Joachim Streubel mit zu. Der gilt auch als Hüter der Kirche und deren Schlüsselwächter. Mit einem ungewöhnlich großen, schmiedeeisernen Schlüssel öffnet der ehemalige Tierarzt die Pforte zum Kirchenschiff und hat gleich mehrere Anekdoten parat. Besonders das Geläut und die Geschichten um die Familie von Alvensleben, in deren Besitz das Gut Redekin von 1780 bis 1945 war, lassen aufhorchen.

So wurden die beiden Glocken Jahrhunderte lang von dem Küster per Hand geläutet – eine schwere und präzise auszuführende Tätigkeit. Nach der politischen Wende 1990 dachte der Gemeindekirchenrat über ein elektrisch betriebenes Geläut nach, allein für die Finanzierung musste noch ein Weg gefunden werden. Dann verunglückten zwei Mitglieder derer von Alvensleben tödlich und die Nachkommen, so berichtet Streubel, stellten die Beerdigungs-Kollekte für die Elektrifizierung des Geläuts zu Verfügung. Die Installation geschah in aller Stille, und als eines Sonntags die über 500 Jahre alten Glocken erklangen, „schauten wir erstaunt zum Kirchturm“.

Silvia Großmann, eine der fleißigen Helfer, erinnert sich: „Wir guckten uns alle an und wunderten uns, wer da am Strick zog.“ Damit war die Überraschung geglückt, und seitdem erschallen die Glocken wieder in schönem Klang und vor allem pünktlich. Marie-Luise Streubel weiß zum Geläut zu berichten, dass es immer eine enge Verbindung zur Familie von Alvensleben gab und sie ihre Kirche mit dem Glockenklang auch fernab immer als Heimat betrachteten.

So zeichneten die Redekiner Frauen mit dem Handy das Glockenläuten auf und sendeten es einer Schwester derer von Alvensleben. „Sie war fast 90 Jahre und wollte unbedingt nochmal die Glocken von Redekin hören“, so Streubel. Und es berührt die Redekinerin noch heute. Denn mit den wohlbekannten Klängen aus Kindertagen schlief die alte Dame ein paar Tage später seelenruhig ein...

Die angestammte adlige Familie war es auch, so Streubel, die sich um die Instandsetzung der Aufhängung kümmerte. „Das alte Glockenjoch war defekt und ließ sich nur noch schwer bewegen. Auch hier unterstützten die von Alvensleben großzügig.“

Doch nicht nur große Namen sind es, die sich dafür einsetzen, dass die Redekiner Kirche mit ihrem Friedhof ein Kleinod im Elbe-Havel-Winkel bleibt. Frei nach dem Dichter Berthold Brecht, der bei Cäsar und seinen Eroberungen fragte, ob er denn nicht wenigstens einen Koch dabei hatte, fühlen sich viele Bürger verantwortlich und bringen sich mit ihren Fähigkeiten ein.

„Um die Pumpe kümmert sich immer Helmut Großmann und den anfallenden Kompost bringt Franz Bolle weg“, erläutert Marie-Luise Streubel.

Doch die herausforderndste Aufgabe bewerkstelligt Michael Pieper. Der muss einmal in der Woche die Kirchturm-Uhr aufziehen – mechanisch mit einer Kurbel. Das ist noch echte Handarbeit, denn die Uhr ist noch nicht elektrifiziert.