Genthin l Für Romy Dake ist am vergangenen Sonnabend die Welt so richtig in Ordnung. An der Hand von Mama Dorit und Papa Robert geht sie den mit gelben Fußtapfen markierten Weg in die Aula der Grundschule Uhland in Genthin. Mit dabei ihre Zuckertüte, die sie jetzt natürlich noch nicht selbst tragen darf. Sie setzt sich auf den mittleren Stuhl einer der sorgsam mit Abstand aufgestellten 18 Dreiergruppen - für jedes Schulkind der neuen Klasse 1b gibt es eine. Papa rechts von ihr, die Mama links - so können Romy und auch alle anderen Jungs und Mädchen der neuen Klasse 1b diese Feier richtig genießen.

Schulleiterin Angelika Wiegmann und ihr Team haben aus der Corona-Not eine Tugend und die Einschulungszeremonie zu einer anrührend-intimen Veranstaltung werden lassen. Erst für Kinder und Eltern der Klasse 1a, danach für die der 1b.

Gut aufgehoben

Romys Eltern vertrauen dem Lehrer-Team der Uhland-Grundschule, dass ihre Tochter hier auch in Corona-Zeiten gut aufgehoben ist. Dabei spielt natürlich eine Rolle, dass sie die Schule und viele der Lehrerinnen schon kennen. Romys großer Bruder - heute 16 Jahre alt - hat hier einst auch Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Und: seine einstige Klassenlehrerin Angela Engel wird nun auch die von Romy.

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Weil daheim wegen eines Krankheitsfalls auch mehr als allgemein üblich bestimmte Hygieneregeln eingehalten werden müssen, fällt keinem aus der Familie die Einhaltung der Corona-Regeln in der Schule oder auch anderswo schwer. Klar, dass ab dem heutigen Montag auch Romy im Schulgebäude, wenn sie auf den Fluren unterwegs ist, einen Mund-Nase-Schutz tragen wird. Im Unterricht darf sie ihn wie alle anderen auch absetzen.

Familie Dake weiß zu schätzen, dass im Schulgebäude und vor allem auf dem Außengelände der Uhland-Grunschule vergleichsweise viel Platz vorhanden ist. So kann Schulleiterin Wiegmann die Kinder in den Pausen klassenstufenweise jeweils in den Verkehrsgarten, auf den Spielplatz, in den Schulgarten oder auf den Sportplatz schicken - ohne dass sich die Gruppen begegnen müssen oder gar mischen.

Alle zwanzig Minuten lüften

Sie bittet die Eltern, ihren Kindern ein Sweatshirt oder Jäckchen mitzugeben, damit kein Kind frieren muss, wenn alle zwanzig Minuten die Fenster zum Lüften aufgemacht werden. Für Angelika Wiegmann ist es die letzte Einschulungsfeier, die sie leitet. Nach 42 Jahren als Lehrerin im Schuldienst und seit der Wende als Schulleiterin geht sie im Februar kommenden Jahres in den Ruhestand. Sie weiß dabei ihr „Erbe“ in guten Händen. „Ich freue mich sehr darüber, dass die junge Leute, die zur Zeit als Referendare bei uns sind, den Lehrerberuf ergreifen wollen“, sagt sie der Volksstimme.

Zu den anrührendsten Momenten der Einschulungsfeier m Sonnabend gehören die Augenblicke, in denen Mama oder Papa ihren auf der Bühne stehenden Kindern die Zuckertüten in die Arme legen. Zuvor hat Angela Engel jedem ihrer neuen Schützlingen einen bunten Papier-Schmetterling als Begleiter für die Schulzeit mit auf den Weg gegeben und gesagt, dass es zwar ab heute ernst wird mit der Schule, aber ebenso auch der Spaß seinen Platz bekomme.

Romy Dake freut sich, dass aus ihrer Zuckertüte oben ein Baby-Einhorn aus Plüsch lugt. Das hatte sie sich gewünscht. Auch der Besuch des an der Schule angesiedelten Hortes macht ihr nach einem Schnupperbesuch keine Angst mehr. Wenn ihr neben den schulischen Pflichten Zeit bleibt, dann besucht sie „ihre“ Pferde im Stall oder auf der Koppel. Schon längst gehört für sie das Ausmisten wie selbstverständlich zu ihrer Pferdeleidenschaft dazu. Und ja, sie möchte auch gern ein eigenes Pferd haben. Jeden Cent Taschengeld will sie dafür sparen.