Genthin l Die LFD-Holding (Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland) hat Ernst mit ihrer Ankündigung gemacht, das Unternehmen nach einer millionenschweren Grundaufsanierung im Paket zu verkaufen. Medien und die Branche reagierten am Wochenende darauf noch nicht weiter.

2015 hatte die LFD-Holding das Imperium des niederländischen Schweinezüchters Adrianus Straathof mit insgesamt 22 Standorten in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt, übernommen. Zuvor war Europas größter Schweinezüchter Straathof in einem Präzedenzfall nach zahlreichen Verstößen gegen das Tierhaltungsverbot durch den Landkreis mit einem nationalen Berufsverbot belegt worden.

Vorverkaufsgespräche seit 2018

Das Unternehmen wurde seither von Banken gehalten und treuhänderisch verwaltet. Die LFD kam mit der Ansage, sich vom schlechten Straathof -Image klar abzugrenzen und investierte sowohl in Tier- und Umweltmaßnahmen als auch in die Modernisierung von Anlagen. Starke Vorbehalte gegenüber der Massentierhaltung konnte dies freilich nicht entkräften.

Dass die LFD Verkaufsgespräche mit Investoren führt, war spätestens seit 2018 bekannt. Im März 2018 hatte LFD-Geschäftsführer Jörn-Frederik Göbert gegenüber der Volksstimme erklärt, dass die LFD, die ihren Hauptsitz in Genthin hat, einen „guten dreistelligen Millionen-Erlös“ bringen solle. Zunächst war die Rede davon, dass der Verkauf bis Anfang vergangenen Jahres abgewickelt sein sollte.

Keine offiziellen Angaben zum Kaufpreis

Treuhänder Christian Graf Brockdorff von der überörtlichen Sozietät BBL&Partner aus Potsdam machte am Freitag keine Angaben darüber, wieviel die Schweizer, die Terra Grundwerte AG, für den Kauf der LFD-Holding auf den Tisch gelegt haben.

top agrar online, eine Internetplattform der Landwirtschaft-Branche, spekulierte nach Bekanntwerden des Verkaufs, dass der Kaufpreis für die LFD im mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen soll. Dafür gibt es allerdings keine offizielle Quelle.

4000 Ferkel pro Tag

Lukrativ wird das Geschäft jedoch ohnehin sein: Die LFD Holding gilt mit einer täglichen Produktion von 4000 Ferkeln als Marktführer in Deutschland.

Die Ferkel-Jahresproduktion der LFD-Holding liegt bei 1,3 Millionen. Allein in den LFD-Ställen Sachsen-Anhalts sollen knapp die Hälfte ihrer insgesamt 50 000 Sauen stehen.

Gerade die Schweinezuchtanlage in Gladau, für die der Genthiner Stadtrat gegen die Widerstände der Gladauer im September vergangenen Jahres über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan den Weg für eine Kapazitätserweiterung freigemacht hat, gilt als ein Schwergewicht in der LFD-Gruppe. Sie erbrachte bisher 20 Prozent der Umsätze der LFD-Gruppe.

Dass ein monatelang schwelender Konflikt mit der Stadt Genthin um Kapazitätserweiterungen aus der Straathof-Ära in Gladau der Grund für den sich um gut ein Jahr hinausgezögerten Verkauf gewesen sein könnte, dementierte die LFD-Holding auf Anfrage der Volkssstimme.

Derzeit gibt es noch keine Aussagen darüber, ob der neue Eigentümer, die Terra Grundwerte AG, am bisherigen LFD-Firmensitz Genthin festhalten wird. Die komplette Belegschaft, dabei handelt es sich um 380 Mitarbeiter, werde übernommen, ließ der Treuhänder bereits bei der Erstmeldung verlautbaren.

Berater aus Niedersachsen

In Sachsen-Anhalt ist der neue Eigentümer, die Terra Grundwerte AG, Recherchen der Genthiner Volkstimme zufolge bisher noch nicht nennenswert öffentlich in Erscheinung getreten. Auf seiner Internetpräsentation weist sich das Unternehmen unter anderem mit Investitionen in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, aber auch in vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweigen aus.

Treuhänder Christian Graf Brockdorff versicherte in der offiziellen Pressemitteilung, dass die neue Eigentümerin den von der LFD eingeschlagenen Kurs fortsetzen werde. Die Schweizer würden gegenwärtig beraten und unterstützt durch die im Agrarsektor erfahrene Lindhorst Gruppe aus Winsen an der Aller (Niedersachsen).