Jerichow l Die Leute, die zur Bäckerei Rode kommen, wunderten sich. „Was ist denn da in der Schule passiert?“ Diese Frage bewegte die Gemüter. Doch es gab einen ungefährlichen Grund, warum die Drehleiter der Jerichower Wehr hoch über dem Schulgebäude schwebte, für viele in der Stadt sichtbar.

Für den Ernstfall

Stadtwehrleiter Ralf Braunschweig hatte zum Atemschutztraining eingeladen. Einmal im Jahr findet es statt. Als wichtiger Partner agiert hier die Jerichower Grundschule. Es ist noch nicht lange her, da übten die Schüler mit Leiterin Gabriela Nieß in der Einrichtung den Ernstfall. Nun waren die Feuerwehrleute selbst gefragt. Zum Atemschutztraining erschienen 16 Feuerwehrleute. Sie kamen aus Kade, Karow, Schlagenthin, Roßdorf, Brettin, Kleinwulkow, Scharteucke, Nielebock und Jerichow. Elf Ausbilder waren mit vor Ort.

„Wir sind froh, dass wir die Schule hier als öffentliche Einrichtung nutzen können. Hier ist alles vorhanden, was wir zum Training brauchen, das Gebäude, der Platz und einen Keller“, sagt der Stadtwehrleiter.

Die Fachzeitschriften der Feuerwehr beschreiben immer wieder die Gefahren beim Umgang mit dem Atemschutzgerät. Denn grundsätzlich gilt: Die korrekt angelegte Feuerwehrbekleidung, die persönliche Schutzausrüstung ist lebenswichtig für Atemschutzgeräteträger bei Einsätzen. Trotzdem werden immer wieder Fehler gemacht – durch Nachlässigkeit, Hektik und mangelnde Praxis. Auch wenn das Ausrüsten zum Atemschutzgeräteträger eigentlich selbstverständlich ist, würden immer wieder Dinge falsch gemacht, weiß Ralf Braunschweig.

Im Eifer des Gefechts

Dazu gehört, dass die Schutzkleidung nicht richtig angelegt wird. Vor jedem Gebrauch muss eine Kurzprüfung, dazu gehören Sichtprüfung, Flaschenfülldruckkontrolle, Dichtprüfung, Funktionsprüfung des Lungenautomaten und Funktionsprüfung der Restdruckwarneinrichtung, an dem Pressluftatmer durchgeführt werden. Oder aber das Flaschenventil ist nicht richtig geöffnet. Im Eifer des Gefechts wird der Leib- oder auch Beckengurt des Atemschutzgerätes nicht geschlossen oder der Gurt nicht strammgezogen. Weiterhin sorgt eine zu lose Begurtung für unerwünschte Beweglichkeit des Gerätes auf dem Rücken. Auch diese Rüttelbewegungen können sehr unangenehm für den Träger sein. Gleiches gilt für eine zu stramme Begurtung. Daher sollte ein handfestes Mittelmaß gewählt werden.

Eine weitere Gefahrenquelle ist, dass die Atemschutzmaske schief sitzt. Nach dem Aufsetzen der Atemschutzmaske und dem Festziehen der Bebänderung muss der dichte Sitz der Maske kontrolliert werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Maske auch wirklich dicht abschließt.

All das muss nun eingeübt werden. Denn natürlich ist beim Ernstfall der psychische Druck auf die Feuerwehrleute noch größer.

An einer Station wurde so der Löschangriff auf eine geschlossene Tür mit Atemmaske geübt. An einer weiteren Station wurde das Anlegen eines Chemikalienschutzanzugs geübt. „Da wir ja in der Nähe einer Bundesstraße liegen, kann es schon mal sein, dass es zu Gefahrgutunfällen kommt und wir erste Hilfe vor Ort leisten, bis die Spezialeinheiten anrücken“, erklärt Braunschweig.

Simulierte Rauchentwicklung

Im Keller simulierte eine Nebelmaschine Rauchentwicklung. „Da sieht man fast nichts mehr und muss sich mit Atemschutzmaske bewegen lernen“, sagt Ausbilder Daniel Schünicke.

An der Drehleiter steht der stellvertretende Stadtwehrleiter Patrick Hegewald. Er hilft den Feuerwehrleuten dabei, richtig auf die Drehleiter aufzusteigen – natürlich mit Atemschutzgerät.

Dabei plaudert er über seinen Werdegang bei der Feuerwehr. Der 33-Jährige ist seit 1997 dabei. Zuerst im Jugendbereich. Mit 16 Jahren absolvierte er die Grundausbildung. Seit 2016 ist er nun Stellvertretender Stadtwehrleiter.

Unvergesslich bleibt für ihn der Stallbrand in Kleindemsin. Aber auch an das Hochwasser von 2013 denkt er oft. Die Waldbrandserie bei Jerichow gehört mit zu den aufregenden Erlebnissen. Bisher sei der Täter immer noch nicht gefasst. Hier freut er sich nun auf die Dankeschönfeier, zu der Landrat Steffen Burchhardt eingeladen hat.