Genthin l „Mit dem offensichtlichen Abriss des ehemaligen Krankenhauses geht wieder ein Stückchen Genthin verloren“, beklagte Gordon Heringshausen, Vorsitzender des Bildungs-, Kultur- und Sozialausschusses, zum Abschluss der Sitzung am Mittwochabend. Ironie der Geschehnisse: Gerade dieser städtische Fachausschuss hatte sich immer wieder den Erhalt des Krankenhauses auf die Agenda gesetzt. Erfolglos.

Die jüngsten Aktionen im und um das geschlossene Krankenhaus würden die Genthiner emotional sehr bewegen, sagte Heringshausen. Dabei hieß es noch im Januar dieses Jahres, als im Gebäude Arbeiten durchgeführt wurden, dass kein Abriss erfolge. Es entspreche auch nicht den Tatsachen, dass das Gebäude entkernt werde. Die Rede war seinerzeit lediglich davon, das Gebäude werde winterfest gemacht. Es ist anders gekommen.

„Im Moment wird ausgeräumt. Es erfolgt die Entsorgung von nicht mehr verwendbaren Einrichtungen und Einbauten“, teilte Claudia Klupsch, Pressesprecherin der Johanniter-Krankenhaus Genthin-Stendal gGmbH, mit. Das Krankenhaus führt in seiner Firmierung immer noch Genthin. Es war angekündigt worden, dass dies auf unbestimmte Zeit auch noch so bleiben wird.

Gelände wird baureif gemacht

Das Gelände wird nach Auskunft der Pressesprecherin „baureif“ gemacht. Im Klartext: Um zu einem späteren Zeitpunkt neue Gebäude zu errichten, müssten alle alten Gebäude abgerissen werden. Das betrifft sowohl den alten, historischen Teil des Komplexes, aber auch die nach der Wende mit Fördermitteln im Millionenbereich gebaute Rettungsstelle einschließlich OP‘s.

Der gesamte Komplex des ehemaligen Krankenhauses wird während der Arbeiten durch einen Bauzaun gesichert. Wie Pressesprecherin Claudia Klupsch sagte, werde dieser Zaun ständig von Eindringlingen beschädigt. Zudem hätten sich Personen illegal Zugang zum Gelände verschafft, um Fotos aufzunehmen. Die Pressprecherin kündigte an, dass das Krankenhaus darauf reagieren werde. „Das können wir aus Haftungsgründen nicht hinnehmen – unsere Anwaltskanzlei prüft momentan eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs“, sagte sie am Donnerstag gegenüber der Volksstimme.

Johanniter-Quartier

Ende April gaben die Johanniter bekannt, dass auf dem ehemaligen Krankenhausgelände ein sogenanntes Johanniter-Quartier entstehen soll. Die Johanniter beabsichtigen hier die Kopplung ambulanter und stationärer Altenpflege mit Angeboten für Tagespflege, betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften für Senioren.

Fast 150 Jahre Geschichte

Dazu gibt es nach Auskunft von Regina Doerr, Leiterin Kommunikation der Johanniter GmbH, keinen neuen Stand. Aktuell liefen die Planungen. Mit der Schließung endete eine fast 150-jährige Geschichte Genthins als Krankenhausstandort. Am 15. Juli 1868 war das Krankenhaus mit zunächst 30 Betten von den Johannitern eröffnet worden. Ende der 1930er Jahre lag die Kapazität bei 170 Betten. Zuletzt waren es noch 60 Betten.