Erinnerungen

Genthiner reisten zu DDR-Zeiten vom Bahnhof an die Ostsee oder in den Harz

„Urlaub früher“ - unter diesem Motto stand ein Besuch von Kreismuseumsleiterin Antonia Beran im Johanniterhaus Genthin-Wald. Sie präsentierte Exponate aus dem „mobilen Museumskoffer“.

Von Mike Fleske
Antonia Beran vom Kreismuseum präsentiert Exponate aus dem  Museumskoffer.
Antonia Beran vom Kreismuseum präsentiert Exponate aus dem Museumskoffer. Foto: Mike Fleske

Genthin - „Welche Frage stellte man sich früher vor dem Urlaub?“, wollte Kreismuseumsleiterin Antonia Beran wissen und gab die Antwort gleich selbst: „Berge oder Ostsee.“ Denn danach habe sich die ganze weitere Urlaubsplanung ausgerichtet. Mit Blick auf die damals noch existierende DDR meinte sie scherzhaft: „Die halbe Republik fuhr an die Ostsee, die andere Hälfte nach Thüringen oder in den Harz.“

Fahrkarten für nationale und internationale Reisen

Und tatsächlich, die Bewohner des Johanniterhauses hatten einige Erinnerungen etwa an Urlaub auf dem Bauernhof, der lange vorher angemeldet werden musste, oder an den Ferienaufenthalt in Bad Doberan an der Küste. Viele Reisen in den Urlaub hätten früher am Genthiner Bahnhof begonnen, berichtete Antonia Beran.

Dort gab es, ähnlich wie heute, zwei Richtungen, einmal nach Berlin und einmal nach Magdeburg. Aber es gab auch etwas kurios anmutendes: einen Fahrkartenschalter „National“ und einen Schalter „International“. An dem einen seien Fahrkarten für Reisen innerhalb der DDR und an dem anderen für Reisen ins Ausland verkauft worden. Wobei mit Auslandsreisen zumeist Länder in Osteuropa wie Ungarn, Bulgarien oder die Tschechoslowakei gemeint waren. Denn ins westliche Ausland ging es für die Allermeisten nicht oder nur sehr schwer.

An etwas erinnerten sich die Senioren noch: „Während der Zugfahrt wurden die Fahrkarten geknipst.“ Heute entwertet der Zugbegleiter die Tickets mit einem Stempel, seinerzeit wurde ein kleines Loch in die Fahrkarte gestanzt. Und die habe sich mancher als Urlaubserinnerung aufgehoben. Genau wie Urlaubsfotos. Dort konnte es aber böse Überraschungen geben, wenn man nämlich wie in Nina Hagens berühmtem Lied den „Farbfilm vergessen“ hatte. „Auf Hiddensee gab es nämlich oft keine Farbfilme zu kaufen und man musste mit Schwarzweiß-Aufnahmen vorlieb nehmen“, berichtete die Museumsleiterin.

Urlaub mit dem Feriendienst oder individuell

Der DDR-Urlaub sei zudem von zwei weiteren Besonderheiten geprägt gewesen. Entweder durch die Reisen mit dem FDGB-Feriendienst, durch den subventionierte Urlaubsreisen im Inland im Ferienheim ermöglicht wurden und der Individualurlaub im Campingzelt und Wohnwagen. Gerade zu Letzterem hatte Antonia Beran einige Exponate im „mobilen Museumskoffer“. So präsentierte sie nicht nur ein historisches Kofferradio, eine Thermoskanne und einen Tauchsieder aus DDR-Produktion, sondern auch eine Propangaslampe. Viele dieser Dinge habe es damals im Sportwagengeschäft, kurz „SPOWA“ gegeben.

Auch im Gepäck: die berühmte Florena Hautcreme. In Ermangelung von Sonnencreme habe man häufig diese verwendet. „Über Hautkrebs hat man sich damals wenig Gedanken gemacht“. Da das Zelten damals beliebt gewesen sei, waren die Campingplätze oft überfüllt. Wer damals im Ferienheim Urlaub machte, hatte das Glück morgens ein Frühstück mit Kaffee, Brötchen und Ei zu bekommen, mittags gab es die sogenannte „zentrale Versorgung“ für die Urlauber, die so gestärkt auf Tour gehen konnten.

Wanderer sammeln im Urlaub Stocknägel

Wer im Thüringer Wald etwa am Rennsteig, im Erzgebirge oder im Harz auf Wanderschaft ging, hatte oft einen Wanderstock, an dem sich mit der Zeit kleine Pins, sogenannte Stocknägel sammelten. Diese waren Belege für die besuchten Orte auf der Tour. „Heute gibt es etwas ähnliches mit Stempeln im Wanderheft.“

Wer damals an der Ostseeküste Urlaub machte, habe sich am Abend mit den Urlaubsbekanntschaften zu Karten- oder Würfelspielen getroffen. Auf Hiddensee habe es zudem im Sommer ein Zeltkino gegeben, wo etwa Filme mit Louis de Funes gezeigt wurden. Irgendwann kam dann die Zeit des Urlaubsendes. Wer mit dem Auto unterwegs war, fuhr oft voll beladen wieder heim. Entweder weil einige Reiseandenken dazugekommen waren oder weil die Bekleidung nicht mehr so schön wie auf der Hinreise gefaltet war und nicht mehr in den Koffer passte.

„Wer mit der Bahn fuhr, hatte oft für die Hinfahrt Plätze gebucht und für die Rücktour nicht“, erläuterte Antonia Beran. So habe die Familie dann oft lange mit Sack und Pack stehen müssen. Doch irgendwann seien alle wieder zu Haus gewesen und hätten fast unmittelbar danach begonnen, den nächsten Urlaub zu planen.

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