Volkspark

Gestaltung wird zum Zankapfel

Jahrelang wurde der Genthiner Volkspark stiefmütterlich behandelt. Nun stehen Fördermittel in Aussicht.

Von Simone Pötschke

Genthin l Auch das Gutachten zum Zustand des Volksparkes, für das die Stadt Genthin eine Förderung über Leader in Höhe von 20 000 Euro in Anspruch nimmt, kommt in die Corona-Warteschleife. Eine Berliner Gartenarchitektin hatte in den vergangenen Monaten in einer Bestandsaufnahme den Ist-Zustand der Anlage mit dem Baum- und Gehölzbestand sowie die historische Substanz erfasst. Dieses Gutachten bildet den Grundstock zur Neugestaltung des Volksparkes. Dabei sollte die Entwurfsplanung – für jedermann einsehbar – schon längst öffentlich ausgelegt gewesen sein. Die bietet den Genthinern die Möglichkeit, ihre Ideen in das Projekt einzubringen.

Coronabedingt muss die Stadt dafür in die Verlängerung gehen, hieß es in der vergangenen Woche. Als neuer Termin ist nun der April im Gespräch. Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) ist erklärtermaßen ein „lupenreiner Ablauf dieses Verfahrens“ wichtig, um Transparenz herzustellen und aufzuzeigen, „in welche Richtung sich der Park entwickeln wird“. Es sei ein Austausch „auf Augenhöhe“ notwendig, „fair und ohne Bevorzugung“. Günther schwebt ein „spezielles Beteiligungsmodell“ vor, das eine „bestmögliche Einbeziehung der Bürger“ garantiere, ohne darauf näher einzugehen. Ihm ist dabei allerdings auch eine deutliche Abgrenzung von einem kleinen engagierten Kreis von Stadträten und Mitgliedern des Fördervereins Thomas-Morus-Haus wichtig. Er spricht davon, dass unter den interessierten Bürgern jetzt „keine Dominanz einer Gruppe“ entstehen dürfe. Günther hebt damit auf einen Personenkreis um Thomas Dietert und Sebastian Kroll vom Förderverein des Thomas-Morus-Hauses sowie die Stadträte Sebastian Hahn (Pro Genthin) und Lutz Nitz (Grüne) ab.

Die Gruppe hatte die Zukunfts-Diskussion um den Volkspark überhaupt erst angekurbelt, lange bevor die Stadt und der Bürgermeister sie auf ihre Agenda setzte.

Nachdem es 2018/19 massive Bürgerbeschwerden und Kritiken am Zustand des Volksparkes in den Sitzungen der Fachausschüssen des Stadtrates hagelte, setzte sich diese Gruppe mit dem Thema Volkspark sehr intensiv auseinander. Thomas Dietert legte ein sehr umfängliches, erstes Papier zur weiteren Gestaltung des Volksparkes vor, über das in den Ausschusssitzungen bereits leidenschaftlich diskutiert und gestritten wurde. Kritik kam besonders von den Anliegern des Volksparkes.

Günther sagte zur Volksstimme, dass ihm zwar einzelne Aktivitäten dieser Gruppe bekannt seien, aber ihm nichts Schriftliches vorliege.

Lutz Nitz reagierte dagegen mit Verwunderung auf die Äußerungen von Matthias Günther: „Es ist ohne Frage absolut richtig, alle Genthiner in die Planung zum Volkspark einzubeziehen. Ich verstehe allerdings nicht, warum der Bürgermeister unsere bisherigen Aktivitäten als dominant abqualifiziert und damit sogar die Gefahr einer Bevorzugung gegenüber andere Interessengruppen suggeriert. Das ist nicht hilfreich. Ich weiß nicht, welches Verständnis er vom bürgerschaftlichen Engagement hat.“

Die Ideengeber um Thomas Dietert hatten bisher auch im Blick, dass neben der Überarbeitung mit modernen Elementen auch der historische Kern des Parks im Blick behalten werden muss.

Um 1840 wurde der Gutspark der Familie von Pieschel in Altenplathow umgestaltet. Vermutlich lag dem ein Entwurf von Peter Joseph Lenné (1789 bis 1866) zugrunde. Aber: Es fehlt die Signierung auf dem Stück in der Plansammlung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt äußert in seiner Denkmalbegründung deshalb auch Unklarheit, wer den Park entworfen hat. Namhafte Gartenbauexperten erkennen wiederum den Kern der Lennéschen Gestaltung und Pflanzung im heutigen Zustand des Volksparkes wieder. Die Stadt versuchte über Jahrzehnte, die Grundstruktur des heutigen Volksparkes mit den Altbaumbeständen und den Wegebeziehungen weitestgehend zu erhalten. Trotzdem präsentiert er sich heute in einem beklagenswertem Zustand. Bemühungen der letzten Jahre, die von den Linken und den Grünen ausgingen, liefen allerdings ins Leere.