Geschichte als Datensammlung

Heimatautor Berndt Franke legt dem Genthiner Bürgermeister seine neuesten Publikationen vor

Von Susanne Christmann
Genthin-Heimatforscher Berndt Franke übergibt Bürgermeister Matthias  Günther seine neuesten Werke: einen weiteren Band zur Heimatgeschichte und eine chronologische Datensammlung zur Geschichte Genthins von der ersten Besiedlung bis heute.
Genthin-Heimatforscher Berndt Franke übergibt Bürgermeister Matthias Günther seine neuesten Werke: einen weiteren Band zur Heimatgeschichte und eine chronologische Datensammlung zur Geschichte Genthins von der ersten Besiedlung bis heute. Foto: Susanne Christmann

Genthin

Berndt Franke ist einer jener Menschen, die machen, wenn sie davon überzeugt sind, dass etwas gemacht werden sollte. Nach Möglichkeit macht der studierte Ingenieur es dann auch gleich selbst. So ist es auch bei der für ihn zur Lebensaufgabe gewordenen Sichtbarmachung der Geschichte Genthins. Er hat nie darauf gewartet, dass sich irgendjemand findet, der seine Heimatgeschichten für den Druck aufbereitet und drucken lässt. Das macht er im Selbstverlag, der sinnigerweise „Wir machen Druck“ heißt.

Natürlich, so der Genthinkenner bei einem Termin im Büro des Bürgermeisters, achte er darauf, dass er die Kosten, die ihm entstehen, auch wieder reinkommen und er keine Miese mache, aber Geld verdiene er damit nicht. Er recherchiert im Vorhinein, wer Interesse am käuflichen Erwerb des jeweiligen neuen Werkes hätte. So bewegen sich die Auflagen seiner Werke in der Regel immer um die 50 Stück herum. Wenn das Interesse größer ist, dann lässt er halt die nächste Auflage drucken. Beim Band „Viele Wege führen nach Genthin“ ist er auf diese Weise bereits bei der 6. Auflage angelangt.

Auch wenn Berndt Franke immer wieder betont, dass er sich nicht als Heimatforscher oder Wissenschaftler begreife, sondern mehr als jemand, der Geschichten zur Heimatgeschichte populär aufbereite, ist auf das, was er zu diesem Thema publiziert, Verlass. Denn er prüft die Quellenlage sehr genau und verlässt sich nach Möglichkeit nie auf nur eine einzige. Beim heimatgeschichtsinteressierten Genthiner Bürgermeister Matthias Günther stößt er dabei auf offene Ohren. Ihm präsentierte Franke kürzlich seine neuesten Publikationen. Einmal den Hartcover-Band „Heimatgeschichte“ mit Kapiteln zum Beispiel über die Werkküche der Zuckerfabrik, das Pieschelsche Herrenhaus in Altenplathow oder die Apotheken in Genthin (die Volksstimme berichtete). Ein echtes Arbeitsinstrument könnte die druckfrisch vorliegende Broschüre „Genthin. Eine chronologische Datensammlung“ werden. Auch wenn sie, wie Franke betont, quasi nebenbei bei der Arbeit an den Büchern „abgefallen“ sei. Von den ersten Besiedlungsspuren elbgermanischer Stämme im Elb-Havel-Winkel im 1. Jahrhundert über das erste Lehrerseminar, das 1823 von Magdeburg nach Genthin verlegt wurde, bis hin zum 850. Geburtstag von Genthin im Jahre 2021 sind praktisch alle Daten, die für Genthin relevant sind, hier in Faktenform aufbereitet. Was in blauer Form hervorgehoben ist, weist auf eine besondere Bedeutung für die Stadt Genthin hin.

Eigentlich wollte Berndt Franke ursprünglich lediglich ein Buch über die Genthiner Zuckerfabrik schreiben, um dieser „großen Fabrik ein kleines Denkmal zu setzen“, wie er im Editorial dazu schreibt. Das ist ihm mit dem Erscheinen 2016 gelungen. „Zuckerbude“ heißt es und beleuchtet die Entwicklung der Zuckerfabrik von 1901 bis zur Schließung am 31. 12. 1990. Für dieses Buch hatte Franke, der 1978 als junger Ingenieur in der Investitionsabteilung des Werkes begonnen hatte zu arbeiten und das dann 13 Jahre lang tat, aber sehr viel mehr Material zusammengetragen, als letztlich in dieses Buch passte.

So ergibt seitdem eine Publikation die andere und die Genthiner können davon ausgehen, dass die beiden jüngsten Werke nicht die letzten aus der Feder von Berndt Franke sein werden.

Berndt Frankes Publikationen sind erhältlich in der Stadt- und Kreisbibliothek, bei Lotto am NP-Markt, Lotto am Markt und beim Buchautor Franke, An der Buchenhecke 3.