Turnen im Gasthof-Saal

Heimatfotorätsel mit Gasthof „Zur Linde“ diesmal Heimspiel für Gladauer

Nicht ganz so einfach wiederzuerkennen war das Foto, dass wir aktuell für die Heimatfotorätsel-Aktion ausgesucht haben. Nicht so für die Gladauer. Diese erkannten den einstigen Gasthof mit wechselnden Besitzern trotz Umbauten wieder.

Von Susanne Christmann
So sieht das Gebäude des einstigen Gasthofes "Zur Linde" in Glaudau heute aus. Den Anbau mit dem großen Saal rechts daneben gibt es nicht mehr.
So sieht das Gebäude des einstigen Gasthofes "Zur Linde" in Glaudau heute aus. Den Anbau mit dem großen Saal rechts daneben gibt es nicht mehr. Foto: Susanne Christmann

Genthin - Wo das gesuchte Gebäude genau steht, war auch diesmal nicht ganz so leicht zu erkennen. Denn heute sieht das Haus des einstigen Gasthofes „Zur Linde“ in Glaudau (heute Friedensstraße 7) anders aus. Auch den Anbau rechts mit dem großen Saal gibt es nicht mehr. Aber die Gladauer kennen ihre Ortsgeschichte, weshalb das Heimatfotorätsel diesmal für sie zum echten Heimspiel geriet.

Die Postkarte aus der Sammlung Horst Weber wurde nach 1912 vom damaligen Besitzer Edmund Diekmann herausgegeben. 1839 wurde hier der Gladauer Turnverein gegründet. Im Saal wurde dann am Reck, Barren und Pferd trainiert. 1938 ist ein Erwin Bludau als Besitzer des Anwesens bekannt.

Falk-Holger Schmidt aus Dretzel ist im Bilde. „Das heutige Heimaträtsel führt uns nach Gladau. Wir sehen den alten Gasthof "Zur Linde" in der heutigen Friedensstraße. Besitzer war Edmund Diekmann, später Familie Bludau. Als Gasthof dient das Gebäude heute nicht mehr“, schreibt er. Worüber wir uns besonders freuen: Er hat uns eine historische Postkarten-Ansicht gesandt, die wir demnächst gern für die Heimatfotorätsel-Reihe verwenden werden.

Gastwirte Stübing und Bludau sind ein Begriff

Heimatforscher Dieter Rohr hat akribisch seine Unterlagen - insgesamt 220 Ordner - durchforstet, vor allem die in seinem Besitz befindlichen alten Adressbücher. Ihm ist das abgebildete Gebäude in Gladau als Gasthof mit dem Wirt namens Bludau bekannt und zwar von 1936 bis 1950. 1914/15 hätte ein Gastwirt Stübing das Haus geführt. 1926 tauche für diese Adresse auch noch der Name Stübing für eine Altsitzerin auf, also für eine ältere Dame, die hier auf dem Altenteil ihre letzten Lebensjahre verbringt. Dieter Rohr kennt das Gebäude vom persönlichen Anblick her, denn Großmutter und Großvater, der einst hier Lehrer war, lebten in Gladau.

Gabriele Schmidt ausGladau weiß die Adresse des gesuchten Gebäudes genau: Friedensstraße 7. Denn sie wohnt genau daneben, im Haus Friedensstraße 8. Sie weiß vom Gastwirt Bludau und der Familie Geue, die das Haus geführt hätten. In den 1960-er Jahren sei der Anbau rechts mit dem großen Saal eingefallen und danach ganz abgerissen worden. Das Gasthof-Gebäude sei später - wohl um die 1980-er Jahre herum - um eine Etage aufgestockt und dann nicht mehr als Gaststätte, sondern zum Wohnhaus umgenutzt worden. Als solches wird es ja bis heute genutzt.

Auch Erwin Zwahr erkennt den Gasthof in Gladau. Ihm ist der Gastwirt Bludau bekannt. „Das Gebäude steht noch, aber der Saal rechts existiert nicht mehr“, sagt er am Telefon. Ebenso Achim Fritze aus Gladau. Der wohnt in der Friedensstraße und sagt richtig am Telefon, dass das abgebildete Gebäude der Gasthof „Zur Linde“ sei und der damalige Besitzer Edmund Diekmann hieß. Später habe der Wirt Bludau geheißen.

Gasthof-Saal beherbergt Kriegsgefangene

Der hochbetagte Heinz Kundruweit erkennt den Gasthof „Zur Linde“ in Gladau ebenfalls sofort. Der sei stets ein beliebter Treffpunkt der Leute aus dem Ort gewesen, weiß er. Und erzählt am Telefon folgende Geschichte. Im Anbau rechts mit dem großen Saal seien zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges Kriegsgefangene untergebracht gewesen. Früh raus hätten sie gemusst, um bei den Bauern ringsum zu arbeiten. Abends wären sie wieder in den Saal gekommen - immer unter Bewachung. Vor den Fenstern des Saales seien Gitter gewesen. Heinz Kundruweit kannte jemanden, bei denen hätten belgische Kriegsgefangene auf dem Hof gearbeitet. Die Hofleute hätten vom Deutschen Roten Kreuz ein Care-Paket bekommen, von dessen Inhalt sie den Kriegsgefangenen etwas abgegeben hätten.