Abfallverwertung

Herzstück des neuen Genthiner Wertstoffhofes ist die komfortable Entladerampe

2017 wurde in Genthin mit dem Errichten eines neuen Wertstoffhofes im Gewerbegebiet Süd begonnen. Jetzt ist auch der zweite Bauabschnitt, der unter laufenden Betrieb stattfand, offiziell beendet.

Von Susanne Christmann
Komfortabel: Mit dem Transporter fährt man die Rampe hoch, hält an der Bucht mit dem entsprechenden Container heran und entsorgt aus dem Wagen heraus den Sperrmüll.
Komfortabel: Mit dem Transporter fährt man die Rampe hoch, hält an der Bucht mit dem entsprechenden Container heran und entsorgt aus dem Wagen heraus den Sperrmüll. Fotos (2): Susanne Christmann

Genthin

Wer schon einmal größere Mengen Grünschnitt, Bauschutt oder Altreifen zu entsorgen hatte, weiß eine komfortable Entladerampe im Wertstoffhof sehr zu schätzen. Eine solche ist das Herzstück des neuen Wertstoffhofes im Genthiner Gewerbegebiet Süd. Hier fährt jeder mit seinem Transportfahrzeug die Auffahrt hoch bis zur entsprechenden Bucht dicht an den Container heran, lädt aus und wirft, was er loswerden will, von oben hinein. Allerdings über ein Geländer, aber das müsse einfach sein wegen der Absturzgefahr.

Danach gehts die Abfahrt herab und auf markierten Wegen zum nächsten Ziel. Das kann durchaus noch die großzügig bemessene Grünschnittablagebox mit Anschubwand sein. Denn daneben lockt ein großer Haufen Kompost bester Qualität. „Der ist frisch, sortenrein und garantiert frei von Fremdpartikeln“, sagt Dr. Henning Gehm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaftsgesellschaft Jerichower Land mbH, die den Hof betreibt, beim offiziellen Termin zur Beendigung des zweiten Bauabschnittes. Die Genthiner wüssten das zu schätzen, denn der hofeigene Kompost gehe weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Weder Lärm- noch Geruchsbelästigung

Kompostierbare Abfälle, so ist aus der Wertstoffhof-Statistik zu entnehmen, waren denn auch mit insgesamt 2174 Tonnen im vergangenen Jahr mit Abstand der größte Posten an hier entgegengenommenen Abfällen, gefolgt von 407 Tonnen Gemischen aus Beton und Ziegel sowie Sperrmüll mit 568 Tonnen. Landrat Steffen Burchhardt zeigt sich beim Vor-Ort-Termin beeindruckt von der Größe des Geländes, begrüßt die gute Lage abseits von Wohnhäusern, so dass weder Lärm- noch Geruchsbelästigungen zu fürchten seien.

Burchhardt lässt sich von Gehm die Arbeitsweise und Vorzüge des Wertstoffhofes erläutern. In etwa die Hälfte aller hier abgegebenen Abfälle und Wertstoffe käme wieder in den Kreislauf, so Gehm, werde direkt verwertet. Bestes Beispiel: die kompostierbaren Abfälle. Mehr Nachhaltigkeit gehe kaum: das Kompostierbare geben die Genthiner hier ab und in der Regel nehmen sie auch gleich frischen Kompost gegen ein Entgelt wieder mit. So bliebe nur ein Minimum an Transportwegen. Auch Bauschutt bleibe in der Region, habe hier seine Abnehmer. Was schließlich doch verbrannt werden müsse, sei trotzdem größtenteils nicht nutzlos. Altreifen zu Beispiel bringe man als Ersatzbrennstoff in Zementwerke. Thermische Verwertung wird das heutzutage genannt.

Abgegeben werden kann im Genthiner Wertstoffhof so ziemlich alles an Abfällen. Außer deklarierte Schadstoffe, so der Vorstand für Bau, Umwelt und Soziales es Landkreises, Stefan Dreßler. Dafür sei das Schadstoffmobil da, das nach einem ausgeklügelten Plan durch den Landkreis tourt (Tourenplan auf der Homepage des Landkreises unter https://www.ajl-mbh.de/abfallkalender/schadstoffmobil). Zu den Schadstoffen gehören: Farb- und Klebemittel, Verdünnungen, Benzin, Batterien, öl- und fetthaltige Abfälle, Säuren, Laugen, Fotochemikalien, Haushaltsreiniger, Medikamente, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, Spraydosen und Quecksilber.

Insgesamt 1,1 Millionen Euro investiert

Illegal in der Landschaft bräuchte angesichts dieser Möglichkeiten eigentlich keiner mehr irgendetwas „entsorgen“, so Burchhardt, Dreßler und Gehm unisono. Auch deshalb habe man für den neuen Wertstoffhof insgesamt immerhin knapp 1,1 Millionen Euro investiert. Damit wurden seit 2017 zunächst befestigte Wege und Stellflächen für jede Art notwendiger Container, eine Fahrzeugwaage für die In- und Outputabfälle, ein Betriebsgebäude als Fertigteil-Containeranlage, Schranken sowie erste Teile der Licht- und Beleuchtungsanlage gebaut.

Im zweiten Bauabschnitt wurden die bestehenden Stellflächen und der Bereich für die Grünschnittlagerung erweitert. Es kamen ein Unterstand für Elektroschrott, die besagte Entladerampe für Kleinanlieferfahrzeuge, ein Stellplatz für das mobile Entsorgungsfahrzeug sowie die Beleuchtungstechnik für das Gelände hinzu. Insgesamt entstanden 3900 Quadratmeter Stellflächen in Asphaltbauweise für Großcontainer, 300 Quadratmeter gepflasterte Betriebsflächen, der Stellplatz für das Schadstoffmobil, 160 Quadratmeter für den Elektroschrott-Unterstand und 65 Quadratmeter für die Lagerbox am Grünschnittplatz.

Im gesamten Landkreis gibt es damit nun 17 Grünschnittabfallsammelplätze und vier große und moderne Wertstoffhöfe in Genthin, Burg, Theeßen und Gommern. An allen vier Hofstandorten gibt es inzwischen eine verbesserte Verkehrsführung und einen übersichtlichen Anlieferbereich, ist einer Pressemitteilung des Landkreises zu entnehmen.