Burg/Scharteucke/Genthin l Manche Bilder wirken erschreckend: Etliche Birken neben dem Hauptweg im knapp 960 Hektar großen Stadtwald sind seit Wochen vertrocknet. Die Oberflächenwurzeln finden kein Wasser mehr. „Etwa einen Meter ist der Grundwasserspiegel gesunken“, sagt Wieland Günther, Grünflächen- und Waldexperte der Burger Stadtverwaltung. Am Rand eines vor Jahrzehnten angelegten Feuerlöschteiches ist die Markierung an den Wurzeln gut zu erkennen.

Trockenheit wie lange nicht

Auf dem Weg zu einer Anpflanzungsfläche knistert es unter den Füßen. Der Bestand ist so trocken wie lange nicht mehr. Wieland Günther muss nicht lange schauen: Die eineinhalb große Fläche wurde im vergangenen Jahr mit Lärchen und Fichten angepflanzt. „Die Hälfte ist tot“, sagt der Fachmann. Lediglich die winzig kleinen Kiefernpflänzchen, die sich von selbst ausgesät haben, sehen noch frisch aus.

„Sie bilden ganz schnell Pfahlwurzeln, die relativ tief in die Erde gelangen“, erläutert Wieland. „Zum Glück wächst die anspruchslose Kiefer hier auf unseren Böden noch gut.“ Ein dauerhafter Trost ist es dennoch nicht, weil die Stadt auf eine breite Mischung an Baumarten setzt. Günther ist sich sicher: „Die Forstwirtschaft wird sich den Wetterextremen immer mehr anpassen müssen.“ Auch deshalb, weil nicht nur Jungpflanzen „die Flügel hängen lassen“, sondern auch ältere vier- bis fünfjährige Bäume. Beispiele gibt es genug: Etwa hundert Meter weiter sind zahlreiche Lärchen, die schon fünf Jahre überstanden haben, abgestorben.

Bilder

Todesstoß für Insekten

Wie sehr dieser Sommer der Natur zusetzt, ist außerdem im Feuchtgebiet des Bürgerholzes, das als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, zu sehen. Hier, wo gewöhnlich die mächtigen Erlen im meterhohen Wasser stehen und zu dieser Jahreszeit die Mückenschwärme kreisen, ist der Boden trocken. „Das ist mehr als ungewöhnlich und für viele Kleinlebewesen und Insekten ein Todesstoß“, sagt Günther.

30 Kilometer weiter neben dem Redekiner Ortsteil Scharteucke stehen Wolfgang und Kai-Anja Klare in einem Douglasienbestand. Das Bild auf der Aufforstungsfläche spricht für sich. Auch hier droht bei den Neuanpflanzungen ein Totalausfall, weil die Dürre den Stresspegel immer weiter nach oben treibt. Junge Douglasien sterben ab und Buchen verlieren schon jetzt ihre Blätter.

Landeshilfe nötig

Auch manche Roteichen sind von der Trockenheit gezeichnet. Für Wolfgang Klare, der rund 400 Hektar bewirtschaft, ist die Situation als Privatunternehmer besonders arg: „Abgesehen davon, dass wir in Perioden denken und wirtschaften, sind die Folgeschäden für die Forstwirtschaft überhaupt noch nicht absehbar.“ Für ihn ist auch die Politik gefordert: „Wir sind wie die Landwirtschaft von der Trockenheit betroffen.

Und vor dem Hintergrund der verfallenen Preise am Holzmarkt ist es spannend, ob Ministerin Dalbert bei ihren Hilfsüberlegungen nur ein Auge für die Landwirte hat oder auch die Waldbauern mit berücksichtigt.“ Als Sofortmaßnahmen sollten die so genannten Grabengebühren vom Land übernommen werden, fordert Klare, der in diesem Zusammenhang von Irrationalität spricht: „Wir zahlen in der Trockenheit dafür, dass das Wasser abgegraben wird.“

Hinzu komme, dass die Waldbesitzer durch die vergangenen Stürme besonders gebeutelt waren und geplanter Holzeinschlag quasi über den Haufen geworden wurde. Das bestätigt auch Wieland Günther. Die Stürme übernahmen beispielsweise die gesamte Einschlagsmenge von 2017 – nur an Stellen, die nicht geplant waren und mit erheblichen Folgeschäden.