Unkraut oder wertvolle Pflanze?

Holunderbüsche am Mühlengraben in Genthin sind wohl einfach vertrocknet

Seit 1963 wohnt Maria Beck in Genthin. Seitdem begleiten die Holunderbüsche am Mühlengraben ihr Leben. Urplötzlich waren jetzt die meisten Büsche verschwunden. Mit der Frage nach dem Warum wandte sie sich an die Volksstimme.

Von Susanne Christmann
Maria Beck zeigt die Stellen am Mühlengraben, an denen die Holunderbüsche stets reichlich Blüten und Früchte trugen. Sie findet viel totes Holz vor.
Maria Beck zeigt die Stellen am Mühlengraben, an denen die Holunderbüsche stets reichlich Blüten und Früchte trugen. Sie findet viel totes Holz vor. Foto: Susanne Christmann

Genthin - Was für den einen einfach ein schnell wachsendes Unkraut ist, ist für den anderen höchst wertvoll. Für die Genthinerin Maria Beck ist das keine Frage. „Sehr, sehr wertvoll“, so sagt sie der Volksstimme in einem Gespräch, seien diese Gewächse für sie. Und eben nicht nur, weil sie sich Jahr für Jahr von den am Mühlengraben wachsenden Holunder-Sträuchern die Blütenstände und die schwarzen Beeren holt, um daraus Gelee zu machen. Die Holundersträucher sind für sie eine Verbindung zu ihrer Heimat, dem Riesengebirge, aus der die Familie einst weg musste. Dort ist Maria Beck jedenfalls mit Holunder aufgewachsen, den alle als eine ganz wertvolle Pflanze angesehen haben. Wegen des Gelees, das aus Blütenständen und Beeren gemacht wurde und der Heilwirkungen, die dem Holunder seit jeher zugeschrieben werden. Der Holunder müsse es auch gewesen sein, der der jungen Maria das Einleben in Genthin damals erleichtert hat. Jedenfalls begleiten die Holunderbüsche am Mühlengraben sie seitdem in ihrem Leben.

Als die meisten der Holunder-Sträucher am Mühlgraben aber vor ein paar Wochen für Maria Beck urplötzlich verschwunden waren, versetzte das die heute hochbetagte, aber sehr agile Dame in helle Aufregung. „Was könnte da passiert sein“, fragte sie erst sich und dann die Volksstimme. Wir ziehen einen Experten hinzu, von dem wir annehmen, dass er das wissen könnte: Peter Staats, gelernter Gärtner, Baumgutachter und anerkannter Fachberater im Stadtverband der Gartenfreunde Genthin und Umgebung. Er sieht sich die Situation vor Ort gemeinsam mit der Volksstimme an und befindet: „Es sieht so aus, als wären die Holunderbüsche hier offensichtlich abgestorben und das tote Holz dann entfernt worden.“ Das Entfernen sei auch deshalb notwendig, damit das tote Holz nicht in den Mühlgraben gelangt und dort möglicherweise die Fließgeschwindigkeit behindere.

Irgendwer hat das tote Holz entfernt

Als mögliche Ursache dafür, dass die Holunderbüsche abgestorben sind, kann sich Staats folgendes Szenario vorstellen. Weil es in den vergangenen Wochen so viel geregnet habe, wuchs alles, was wachsen konnte unter den großen Bäumen nicht nur prächtig, sondern stand irgendwann auch in Konkurrenz zueinander. Die Holunderbüsche hätten sozusagen das Nachsehen gehabt und seien schließlich vertrocknet. Irgendwer müsse das tote Holz dann entfernt haben, das beim Vor-Ort-Termin mit Maria Beck noch überall anzutreffen war.

Wer das genau war, ließ sich nicht herausfinden. Die Stadt antwortete auf die Nachfrage der Volksstimme: Gräben und Gewässerunterhaltung seien an den Unterhaltungsverband (UHV) übertragen worden, wobei dazu eine Klassifizierung der Gräben zu beachten sei. „Bei dem Mühlengraben handelt  es sich nicht um ein Gewässer, welches in der Verantwortung der Stadt steht. Unsere Recherchen hinsichtlich möglicher Schnittarbeiten haben zu keinem Ergebnis geführt. Im Auftrag der Stadt sind keine Strauchschnittarbeiten durchgeführt worden und auch der UHV hat keine Schnittarbeiten bestätigt“.

Maria Beck wird wohl auch in Zukunft Gelee aus Blütenständen und schwarzen Beeren der Holunderbüsche am Mühlgraben machen können. Denn ein paar Zweige haben es an einigen Stellen entlang des Ufers doch geschafft und sind nicht vertrocknet. Da Holunder vergleichsweise schnell wächst, wird er wohl auch entlang des Mühlgrabens wieder so viele Zweige mit Schirmrispen - Maria Beck sagt Teller dazu - entwickeln, dass genügend Blüten und Beeren für den Beck'schen Gelee heranwachsen können.

Fachberater Peter Staats am Mühlgraben. Er vermutet, dass die Holunderbüsche ausgetrocknet, abgestorben und dann entfernt worden sind.
Fachberater Peter Staats am Mühlgraben. Er vermutet, dass die Holunderbüsche ausgetrocknet, abgestorben und dann entfernt worden sind.
Foto: Susanne Christmann