Waldbrände

Ist in Genthin jetzt wieder ein Feuerteufel am Werk?

In jüngster Vergangenheit brannte es mehrmals in den Wäldern in Altenplathow. Die Polizei ermittelt wegen mutmaßlicher Brandstiftung. Feuerteufel gab es in Genthin in der Vergangenheit öfter. Nun hofft die Feuerwehr, dass sich das aktuelle Geschehen nicht zu einer regelrechten Serie ausweitet.

Von Susanne Christmann 01.07.2021, 15:40 • Aktualisiert: 01.07.2021, 16:59
Die Einsteinstraße in Genthin war 2015 in Einsatzort für die Ortswehren bei Kellerbrändenn.
Die Einsteinstraße in Genthin war 2015 in Einsatzort für die Ortswehren bei Kellerbrändenn. Archivfoto: Kristin Schulze

Genthin - Ist wieder ein Feuerteufel in Genthin unterwegs? Diese Frage stellen sich derzeit Genthiner Feuerwehrleute und die Polizei. Denn in der jüngsten Vergangenheit sind sie mehrmals zum Löschen von sogenannten Bodenlauffeuern und Vegetationsbränden gerufen worden. Vorzugsweise in Altenplathow und vorzugsweise in der Nacht. Das können keine Zufälle sein. Denn auch wenn einem Laien bei der jüngsten Hitzewelle die achtlos im Wald weggeworfene Zigarettenkippe oder die Glasscherbe als Brandursache einfallen - sehr wahrscheinlich sei das nicht. Will Holger Meseberg vom Revierkommissariat Genthin an dieser Stelle einmal mit alten Mythen aufräumen.

„Da muss schon sehr viel zusammenkommen, damit eine Kippe oder Glas als Brandauslöser in Frage kommen“, sagt der erfahrene Brandermittler in einem Gespräch mit der Volksstimme. Weshalb die Polizei inzwischen bei Ödland- oder Vegetationsbränden grundsätzlich wegen Brandstiftungen ermittele. Christian Sewina, Sprecher des Polizeireviers Jerichower Land, bestätigt die aktuellen Ermittlungen. „Nach dem jetzigen Stand sind in der jüngsten Vergangenheit vermehrt Brandstiftungen erfolgt. Dabei handelt es sich meistens um kleinere Feuer mit geringem Schaden, meist an den Wochenenden,“ schreibt er. Ermittlungsverfahren seien eingeleitet, Brandermittlungen würden durchgeführt.

Glimmstängel mit geringer Zündneigung

Auch Achim Schmechtig, Stadtwehrleiter der Genthiner Feuerwehr, sagt, dass 80 bis 90 Prozent aller Wald- und Vegetationsbrände definitiv gelegt oder mindestens fahrlässig verursacht seien. Aber weder durch Kippen noch durch Glas(scherben). Gemeinsam mit einem Fernsehsender gab es 2012 mal ein Experiment dazu. Bei höchster Waldbrandwarnstufe wurde versucht, mittels einer Zigarettenkippe, die auf einem Berg von trockenem Gras im Wald bei Hüttermühle landete, einen Brand zu verursachen. Über eine Stunde lang rauchte der junge Feuerwehrmann immer wieder eine Zigarette bis zur Kippenlänge. Einen Brand damit auszulösen ist nicht gelungen. Wohl auch deswegen, weil Hersteller laut einer EU-Verordnung seit 2011 nur noch Zigaretten mit geringerer Zündneigung auf den Markt bringen dürfen. Diese Glimmstängel gehen von selbst aus, wenn kurz mal keiner an ihnen zieht.

Weshalb auch 2008/2009 eine Zigarettenkippe als Brandursache nicht in Frage kam. Immer wieder hatte es da in Mützel und Genthin Süd Vegetations- und Bodenlauffeuer gegeben. Im August 2009 habe einer dieser Waldbrände die Feuerwehrleute Tage in Gang gehalten. 80 Feuerwehrleute kamen dabei an den Rand ihrer Kräfte. Wer als freiwilliger Feuerwehrmann mehr als 12 Stunden im Einsatz sei, einem Job nachgehe und Familie habe, der sei fast übermenschlich belastet, auch psychisch, so Schmechtig. Besonders, wenn er immer wieder in der Nacht aus dem Schlaf gerissen werde.

Bei Kellerbränden ist die Rauchentwicklung am gefährlichsten

2016 ging rund um die Genthiner Einsteinstraße ein Feuerteufel um. Dreimal in gut drei Wochen, vermerkte die Volksstimme damals, waren dort Brandstifter am Werk, eine Ermittlungsgruppe „Kellerbrand“ wurde eingesetzt. Verdächtige wurden ermittelt, erinnert sich Holger Meseberg. Aber: der eine habe sich selbst das Leben genommen, der andere sei an einer Herzkrankheit gestorben. Was Kellerbrände so gefährlich mache, so Achim Schmechtig, sei die Rauchentwicklung. Die gefährde die Bewohner der jeweiligen Hauseingänge. Und zwar vor allem in der Zeit am meisten, die es braucht, bis die Feuerwehr eintrifft. Deshalb habe Schmechtig damals mobile Rauchverschlüsse angschafft, die in die Wohnungstüren gehangen werden und wie ein Vorhang verhindern, das giftiger Rauch in die Wohnungen gelangt. Über das Treppenhaus der Gefahr zu entkommen sei in solchen Fällen, so der Stadtwehrleiter, das denkbar schlechteste, was man tun könne. Mit Rauchvergiftungen sei nicht zu spaßen.

2017 - Zu einem Bodenlauffeuer im Wald zwischen Mützel und Hüttermühle wurden 2017 die 15 Kameraden der Mützeler und der Genthiner Freiwilligen Feuerwehr gerufen.
2017 - Zu einem Bodenlauffeuer im Wald zwischen Mützel und Hüttermühle wurden 2017 die 15 Kameraden der Mützeler und der Genthiner Freiwilligen Feuerwehr gerufen.
Archivfoto: Katharina Richter