Schießsport

Jerichower Schützen feiern Geburtstag mit gebremstem Optimismus

Mit der Wiedervereinigung gründeten sich in den ostdeutschen Ländern viele Schützenvereine neu. Viele können in diesem Jahr ihren 30. Jahrestag feiern – auch die Schützengilde Jerichow. Die Freude ist gepaart mit Sorgen.

Von Thomas Skiba 12.05.2022, 11:00
Der neue amtierende Schützenkönig 2021, Mark Hannemann, wurde im Herbst 2021 in kleiner Runde aufgrund der Pandemielage gekrönt. Er war bereits Schützenkönig 2008 und 2017 und löste mit seinem Erfolg Holger Walner .
Der neue amtierende Schützenkönig 2021, Mark Hannemann, wurde im Herbst 2021 in kleiner Runde aufgrund der Pandemielage gekrönt. Er war bereits Schützenkönig 2008 und 2017 und löste mit seinem Erfolg Holger Walner . Fotos: Thomas Skiba

Jerichow/Steinitz - Die Freude war groß, als sich die Schützengilde vor 30 Jahren wiedergründen konnte. Inzwischen werden die Mitglieder wieder weniger, und auch an Nachwuchsschützen mangelt es. Einen Grund sehen die Mitglieder in den Gesetzen der Bundesrepublik.

Der Sommer wird gefühlt gesellig im Jerichower Ortsteil Steinitz, denn von ein paar Ausnahmen abgesehen, war es hier viel zu lange still. Am 18. Juni dreht sich alles in dem kleinen Straßendorf um den 30. Geburtstag der Schützengilde zu Jerichow von 1825, die sich hier niedergelassen und den Ort als ihr sportliches Zentrum auserkoren hat.

Schießwettkämpfe zum runden Geburtstag der Jerichower Schützengilde geplant

Dazu wird es, so Anke Hannemann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins, einen „Tag der offenen Tür“ geben, der mit verschiedenen Schießwettkämpfen für die Älteren sowie mit einem Laserwaffenschießen für Kinder den Status der Gilde, den Schießsport zu pflegen und am Leben zu erhalten, beim Wort nimmt. Zusätzlich soll für organisierte Schützenmitglieder aus nah und fern ein Gästekönigsschießen stattfinden. „Wir sind nicht mehr so viele Mitglieder wie noch vor Jahren“, sagt Hannemann, „Da führt so ein Jubiläum zu einem gewaltigen Kräfteaufwand, in dem jeder eingebunden ist.“

Damit die Präsentation des Vereins an diesem historischen Datum gelingt und die Besucher einen tieferen Einblick in die Facetten, den Ursprung und die Besonderheiten dieses, als Präzisionssport charakterisierten Sportschießens bekommen, müssen im Vorfeld die Aufgaben klar verteilt sein. „Wichtig für uns war auch: Was wollen wir – also die Konzeption“, so Sportschützin Hannemann. Noch vor zehn Jahren, beim 20. Jubiläum, richtete die Schützengilde ein Schützenfest aus, mit allem, was traditionell dazugehört: Festumzug, Musikanten vorneweg, anschließend Ermittlung des Schützenkönigs mit öffentlicher Ehrung. Davon kann heutzutage keine Rede mehr sein.

Schützengilde hält sicherheitstechnische Auflagen im Jugendbereich für zu hoch

Nicht nur, dass das Vereinsleben insgesamt gesellschaftlich in schwere Fahrwasser geraten ist, die Vereine überaltern zusehends und selbst engagierte Nachwuchsarbeit richtet kaum etwas dagegen aus. Gerade die Schützenvereine haben es noch schwerer, sagt Hannemann, die sich dabei auch auf den Erfahrungsaustausch mit befreundeten Vereinen stützt: „Wir haben viele sicherheitstechnische Auflagen, so dass erst ab dem Jugendalter Schießsport vollumfänglich möglich ist.“

Hannemann will die Auflagen nicht in Frage stellen, weist aber darauf hin, dass das Interesse für Hobbys bei Kindern weitaus früher ausgebildet wird, und „dann sind sie für den Schützenverein verloren“. So dürfen Kinder nur mit Ausnahmegenehmigung ab zehn Jahren am Luftgewehr trainieren, ab zwölf muss der Verein einen Jugendschießleiter stellen und ab 14 dürfen sie dann so wie die Älteren mit Luftdruckwaffen schießen. Die vollständige Freigabe für alle Schießarten gibt es ab 16 Jahren. „Eine Ausnahmegenehmigung besitzen wir nicht, genauso wenig wie einen Jugendschießleiter, das können wir mit unseren wenigen Vereinsmitgliedern nicht stemmen“, sagt Hannemann. Umso mehr zeigt sich der Verein stolz, wenn die wenigen Jugendlichen dann Titel holen, so wurde Mark Hannemann 2007 für Sachsen-Anhalt Landesjugendkönig und konnte den Pokal nach Jerichow führen.

Beim Geburtstagsfest können Jugendliche mit Lasertechnik schießen

Trotz aller Einschränkungen wollen die Schützenfreunde an dem Jubiläumstag im Juni auch den Jüngeren den Schießsport nahebringen und nutzen dafür die elektronische Alternative der Lasertechnik. Hier wird über Sensoren die Trefferquote ermittelt, ohne Abstriche an der Schießmethodik, dem Anvisieren über Kimme, Korn oder Fadenkreuz, machen zu müssen. „Vielleicht gelingt es uns ja so, Nachwuchs zu gewinnen“, so Hannemann.

Unabhängig von dieser Absicht, wollen sich die Mitglieder der Schützengilde anlässlich des Jubiläums der Wiedergründung vor 30 Jahren, als fester Bestandteil im Vereinsleben der Stadt Jerichow präsentieren und läuten mit ihrer Festveranstaltung den nächstfolgenden Höhepunkt ein: die Ersterwähnung von Steinitz vor 850 Jahren. Die soll im Juli ausgiebig gefeiert werden.

Im Visier: Auf der hochmodernen Anlage im Schützenhaus Steinitz darf mit Luftdruckwaffen geschossen werden. Für Kleinkaliberwettkämpfe nutzen die Schützenfreunde die Anlage in Altenklitsche.
Im Visier: Auf der hochmodernen Anlage im Schützenhaus Steinitz darf mit Luftdruckwaffen geschossen werden. Für Kleinkaliberwettkämpfe nutzen die Schützenfreunde die Anlage in Altenklitsche.
Thomas Skiba
Solche Scheiben zieren die Häusergiebel in Jerichow, sie sind mittlerweile in der Region selten geworden.
Solche Scheiben zieren die Häusergiebel in Jerichow, sie sind mittlerweile in der Region selten geworden.
Thomas Skiba