Genthin l „Es ist schon eine merkwürdige Ruhe“, meint Doreen Giese mit einem Lächeln. „Eigentlich würde man in einem Jugendhaus Kinder und Trubel erwarten, aber im Moment ist alles ruhig.“ Wie viele andere Einrichtungen ist auch das Genthiner Morushaus derzeit geschlossen, der Zutritt ist nur Mitarbeitern gestattet, die sich um administrative Dinge oder die Pflege der Einrichtung kümmern. Genau in dieser Situation hat die 26-Jährige, die eigentlich aus Werder stammt, ihre Arbeit als Streetworkerin aufgenommen, ihr Büro eingerichtet und erste Kontakte geknüpft. In den vergangenen Jahren war die staatlich anerkannte Erzieherin in der Kinder- und Jugendhilfe in Brandenburg tätig.

„Das war sozusagen eine berufliche Sicht auf Kinder und Familien und deren Zusammenleben, jetzt erreiche ich Kinder und Jugendliche viel mehr im Freizeitbereich“, erklärt sie. Diese Tätigkeit interessierte sie so sehr, dass sie die Befähigung erworben hat, als Streetworkerin zu arbeiten. So standen Veränderungen an und die Stellenausschreibung in Genthin kam genau zum richtigen Zeitpunkt. „Wir sind glücklich, dass die Stelle jetzt wieder besetzt ist“, bestätigt Jugendhausleiter Ronny Harzendorf.

Weitere Stellen gefördert

Für ihn ist es erfreulich, dass mehrere Stellen im Jugendhaus weiter gefördert und damit erhalten würden. So seien jetzt wieder die offene Jugendarbeit, die Stelle „Jugend international“, die ihren Schwerpunkt in der Integration hat, und die Streetworkstelle unter einem Dach vereint. Fast ein Jahr war der Bereich „Streetwork“ vakant, nachdem die langjährige Streetworkerin Petra Schiele in den Ruhestand gegangen war.

Sie gab zum Einstand ihrer Nachfolgerin ein wenig Schützenhilfe, hatte ein paar Anlaufpunkte für die neue Mitarbeiterin parat, konnte Tipps zum Vernetzten mit anderen Organisationen und Ansprechpartnern geben.

„Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass meine Nachfolgerin schnell ein Begriff in der Region wird, wir sind in einer Kleinstadt, da sind Namen und Gesichter rasch bekannt“, plauderte Petra Schiele aus dem Nähkästchen.

Jugendliche brauchen Vertrauensperson

Dennoch gebe es bestimmte Probleme auch in Genthin und da sei es gut, wenn Kindern und Jugendlichen Vertrauenspersonen zur Seite stehen. Auch werde Doreen Giese bald merken, wo sie in ihrer Arbeit gefordert sei. Denn derzeit spielt sich das Leben vieler Jugendlicher im heimischen Umfeld ab. „Da ist es natürlich schwer, Kontakte aufzunehmen.“

Allerdings gebe es bereits jetzt eine Reihe von Planungen, die nach der Corona-Pause umgesetzt werden sollen. Dazu gehören Präventionsprogramme, Bildungs- und Freizeitaktionen im Jugendhaus, aber auch die Ansprache von Jugendlichen draußen. „In jeder Stadt gibt es bestimmte Treffpunkte von Jugendlichen, natürlich werde ich versuchen, die jungen Leute auch dort anzusprechen.“ Dabei gehe es ihr darum, Angebote zu unterbreiten, die Möglichkeit zu eröffnen, bei Problemen ansprechbar zu sein. Genau das werde in den kommenden Wochen der Schwerpunkt ihrer Arbeit sein.

Denn vielen Kindern und Jugendlichen fällt in der derzeitigen Situation die Decke auf den Kopf oder sie wollen über schulische Problem mit jemandem außerhalb des alltäglichen Umfelds sprechen. Das sei ein wichtiges Feld. Dazu gehöre, dass nun beständig Vertrauen aufgebaut werde.

Streetwortkfest geplant

Jugendhausleiter Harzendorf hofft mit der neuen Mitarbeiterin, deren Stelle vom Landkreis finanziert wird, auf einen neuen Blick auf die Stadt Genthin und die Arbeit mit Jugendlichen. Eine Idee, die er gern nach der Corona-Schließung umsetzen möchte, ist ein „Streetwork-Straßenfest“, eine Möglichkeit, auf eine lockere Art über den Arbeitsbereich zu informieren und dabei viele Menschen anzusprechen.

Für Doreen Giese geht es also bald richtig an die viel- fältige und oft auch fordernde Arbeit. Aber das weiß sie und ist dafür bereits in die Nähe ihrer neuen Wirkungsstätte gezogen und wohnt nunmehr in Rogäsen.