Genthin l „Sind Sie lachbereit?", fragte Moderator Eckhard Neumann in Richtung der bestens gefüllten Zuschauerreihen im Genthiner Lindenhof und erntete breite Zustimmung. Denn schließlich ist die jährliche Valentinade des Genthiner Amateurtheaters (gat) ein Garant für humorvolle Spitzen. „Sachzwänge und Lachzwänge", hieß  sie 2018. Dabei wurde insbesondere die Kommunikation zwischen Mann und Frau aufs Korn genommen.

Viele Arztsketche

Etwa wenn Jürgen Wagner als Kunde die Campingzubehör-Verkäuferin Christiane Schwarz mit begriffsstutzigen Fragen nervte und nicht wusste, dass man die Heringe beim Campen nicht essen, sondern beim Aufbau des Zeltes verwenden sollte. Hübsch auch der Arztsketch, bei dem Rita Wagner als Patientin resigniert feststellen musste: „Bei meinem Gewicht müsste ich 2,50 Meter groß sein, um ideale Maße zu haben."

Arztsketche gab es in diesem Jahr einige. Gespielt wurde der Doktor mehrfach vom echten Mediziner Dr. Axel Lorenz, dem man allerdings im wahren Leben bessere Diagnosen wünschen möchte als auf der gat-Bühne. Einen besonderen Humor bewiesen die Amateurtheatermacher, als in einem Sketch über Übelkeit ausgerechnet Darsteller Manfred Göbel den Patienten spielte. „Jeden Morgen ist mir nach dem Aufstehen 15 Minuten schlecht", klagte der. „Dann stehen sie doch einfach eine Viertelstunde später auf", riet der Arzt.

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"Grüner" Anzeigenkunde

Manfred Göbel hatte noch einen weiteren bemerkenswerten Auftritt, nämlich als schräger Anzeigenkunde in einer Zeitungsabteilung. Komplett mit grünem Hut, grüner Brille, grünem Anzug und grüner Krawatte trieb er die Mitarbeiterin in den Wahnsinn, weil er nicht mehr wusste, welche Anzeige er eigentlich aufgeben wollte. Am Ende kam es ihm doch in den Sinn: „Ich möchte eine Beleidigung anzeigen." Immer wieder wurde an diesem Abend herzlich gelacht. Denn Lachen ist gesund. Es baue Stress ab, sei gut für Herz und Haut, berichtete Eckhard Neumann. Dabei lachen wir viel zu selten.

„Ein Kind lacht 400-mal am Tag, ein Erwachsener nur 15- mal", erzählte der Moderator. „So viel?", fragte ihn jemand aus dem Publikum ungläubig und erntete dafür zahlreiche Lacher. Und an die 15 werden es bei den Allermeisten allein an diesem Abend gewesen sein. Lustig war auch ein Lied über Neu-Singles, die ihre fiesen Ex-Partner jeder für sich auf ganz eigene Art um die Ecke gebracht hatten. Dieser Titel wurde von einem Quartett gesungen, während alle anderen Zwischentitel von Ulrike Paul vom Jugendclub Parey bestritten wurden. Wieder einmal zeigte die bühnenerfahrene Sängerin eine bemerkenswerte stimmliche Leistung. Ein Repertoire von Titeln der Songwriterinnen Pe Werner bis Kerstin Ott hatte Paul im Gepäck und traf vom ersten bis zum letzten Ton ins Schwarze.

Boshaftes Märchen

Da Genthiner Amateurtheater und Märchen eine Einheit bilden, gab es auch diesmal als Rausschmeißer eine Grimmsche Erzählung mit einem boshaften Dreh. Diesmal wurde aus dem braven Aschenputtel ein trinkfreudiges Flaschenputtel, dessen ganzes Umfeld becherte bis zum Geht-nicht- mehr. Aber auch in der gat-Version suchte der Prinz nach seiner Angebeteten, aber anders als im Original fand er sie nicht mit einem Schuh, sondern anhand ihrer Alkohlfahne. Da blieb mancher Lacher fast im Halse stecken. Wie gut, dass das gat-Ensemble das Publikum fröhlich singend verabschiedete und feststellte: „Es kommt nicht darauf an, wie alt man ist, sondern wie man alt ist."