Genthin l Während das Unkraut immer mehr vom ehemaligen Krankenhausgelände Besitz ergreift, wird in Genthin nach wie vor versucht, über die Option einer medizinischen Notfallversorgung noch kein Gras wachsen zu lassen.

Bei einem Besuch der Genthiner Stadtrats-Arbeitsgruppe unter Leitung von Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) im sachsen-anhaltischen Arbeits- und Sozialministerium gab es bereits einen ersten Vorstoß in Richtung Portalklinik als eine Form der vorstationäre Versorgung.

Dem verleihen die Grünen jetzt Nachdruck, indem sie eine Portalklinik für Genthin als ein Pilotprojekt für Sachsen-Anhalt umgesetzt sehen wollen.

Versprechen bei Vor-Ort-Termin

„Wir werden nun alle Schritte der Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne in diese Richtung positiv begleiten“, kündigte Susann Siborra-Seidlitz, Vorsitzende der Grünen Landesfachgruppe „Soziales, Gesundheit und Arbeitsmarktpolitik“ am Montag im Gespräch mit der Genthiner Volksstimme. Siborra-Seidlitz löste mit der Erarbeitung des Antrages an den Landesparteitag ein Versprechen ein, das sie bei einem Vor-Ort-Termin im April gegeben hatte.

Der Antrag passierte den Landesparteitag, der nun dazu beitragen soll, Wege in der Notfallversorgung im Flächenland neu zu ebnen. Die Grünen fordern das Land im Detail dazu auf, in Genthin ein Modellprojekt einer Portalklinik zu „ermöglichen, zu unterstützen und zu begleiten“. Ziel solle dabei die Erprobung echter Portalkliniken mit angeschlossener Kurzzeitstation (fünf bis zehn Betten) sein. Aus der Sicht der Grünen würde eine Portalklinik eine zeitnahe Erstversorgung in den allermeisten Fällen sichern.

In dem Antrag kommt die Landesfachgrupppe zu dem Schluss, dass dort, wo die Krankenhausplanung des Landes und die wirtschaftliche Not von Klinikbetreibern zu Bettenabbau und Schließung von Klinikstandorten führe, auch die schnelle Notfallversorgung gefährdet sei.

Über 20 Minuten für Transport

Unter anderem wird in dem Antrag aufgeführt, dass es zunehmend Orte in Sachsen-Anhalt gebe, von denen aus der Abtransport in die nächstgelegene Notaufnahme selbst unter Blaulicht 20 Minuten oder länger dauere. Die Grünen schlagen deshalb dem Land Sachsen-Anhalt vor, Lösungen für die medizinische Notfallversorgung in Räumen ohne schnell erreichbares Klinikum zu erproben. Die bereits angelaufenen Gespräche zwischen der Stadt Genthin und den Johannitern in Stendal würden nach Grünen-Ansicht einen guten Ansatz für einen Modellversuch bieten.

Die Johanniter signalisierten dabei ihre Bereitschaft, ein solches Modellprojekt zu tragen. Sie machten aber auch deutlich, dass sie für ein solches Klinik-Vorhaben die Landesregierung in der Pflicht sehen, die ordnungspolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Genthin zu schaffen.

Gemeinsam Druck aufbauen

„So bitter wie es ist, ersetzt eine Portalklinik unser Genthiner Krankenhaus nicht mehr. Aber sie kann eine zeitnahe Erstversorgung in den meisten Fällen absichern und entlastet die Notaufnahmen in den umliegenden Krankenhäusern“, sagte Lutz Nitz, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat. Er hoffe, dass die anderen Parteien jetzt genauso aktiv werden, um gemeinsam den Druck auf das Ministerium zur Bereitstellung der Mittel und der fachlichen Begleitung auszuüben. Dies ginge nur gemeinsam mit allen politischen Kräften.

Bürgermeister Matthias Günther begrüßte erwartungsgemäß den Antrag der Grünen. „Für Genthin muss eine langfristig-stabile Lösung gefunden werden.“ Daher sei Genthin ideal geeignet für ein Modellprojekt für den ländlichen Raum. „Wir brauchen einerseits hochspezialisierte Kliniken für komplexe Eingriffe, aber wir brauchen auch eine stationäre Anlaufstelle für eine 24-Stunden-Notversorgung in zirka 15 bis 20 minütiger Entfernung für unsere Bürger.“

Von Genthin aus sind nach der Schließung des dortigen Klinikums die drei nächstgelegenen Notaufnahmen in jeweils 30 Minuten zu erreichen.