Genthin l Kleine Schätze aus der Schulgeschichte wurden in den vergangenen Monaten im Genthiner Kreismuseum gezeigt. Vieles davon aus privatem Besitz, wie Fotos, Dokumente, Schulbücher, Hausaufgabenhefte oder Landkarten und auch Schulmobiliar wie eine „zweisitzige Mittelholmbank“ oder Utensilien des täglichen schulischen Lebens.

Gut gefüllte Privatarchive

„Die Dinge gingen nun wieder an ihren Besitzer zurück“, so Kreismuseumsleiterin Antonia Beran. „Die Ausstellung baute ja vor allem auf die Leihgaben vieler Privatleute.“ Günter Heine aus Wust nennt ein gut gefülltes Privatarchiv sein Eigen. Er unterstützte schon mehrmals das Museum mit seinen Raritäten.

Vor dem Emaille-Schild „Deutsche Demokratische Schule“ blieben besonders viele Besucher stehen. „Das Schild gehörte einst zur Mangelsdorfer Schule, die Bezeichnung ist etwas ganz Spezielles“, weiß Heine. Diese Aufschrift war an Schulen nicht oft zu sehen. Auch die zweisitzige Mittelholmbank stammt von Heine.

Bilder

Mehr als ein Jahr Vorbereitung

Sie lädt dazu ein, sich in den Spalt zwischen Schreibplatte und Sitzbank zu zwängen: „So mancher Besucher erinnerte sich beim Sitzen auf dem harten Holz an seine Kindertage“, so Heine. Die Mitglieder des Fördervereines Genthiner Stadtgeschichte waren die Initiatoren und Macher der Ausstellung. Bereits Mitte 2016 begannen die Verantwortlichen mit der Vorbereitung der Schau.

Unter anderem wurden historische Unterlagen zusammengetragen, Lehrer und Heimatforscher hinzugezogen und eine Studienfahrt in das Schulmuseum Reckahn unternommen. Entstanden ist aus der Recherche eine umfangreiche Präsentation über die Entwicklung des Schulwesens vom Kaiserreich über die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus bis zum Bildungssystem in der DDR und der Bundesrepublik bis kurz nach der Wiedervereinigung

Auswahl aus 900 Exponaten

Kopfzerbrechen bereitete die schiere Menge der Ausstellungsstücke: „Wir mussten aus über 900 Exponaten auswählen, leider konnten wir nur einen sehr kleinen Teil unterbringen“, seufzt Fördervereinsvorsitzende Lisa Wolf.

Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte die Sonderausstellung eine ganze Etage einnehmen können. Gerade Bildung und Schulwesen unterliegen sehr stark dem Wandel der Zeit und den darin handelnden Personen. „Verschiedene Epochen in eine sozusagen 55 Quadratmeter kleine Zweiraumwohnung zu pressen, war schon sehr sportlich“, betont Wolf.

Erinnerungen an DDR-Schulzeit

Naheliegend war, dass Exponate aus DDR-Zeiten besonders repräsentiert waren. So mancher hatte noch ein Pionierhalstuch oder seine alte Schulmappe auf dem Dachboden.

Dorthin wandern nun die Exponate wieder. Sämtliche Leihgeber haben in dieser Woche ihre historischen Ausstellungsstücke zurückbekommen. Antonia Beran zählte in den Monaten Oktober bis Januar rund 1000 Besucher, darunter auch Schulklassen aus Genthin und Burg, aber auch Vereine aus dem gesamten Landkreis. „Ich freue mich über die große Resonanz, auf die diese Ausstellung bei den Menschen gestoßen ist.“

Neue Ausstellungen geplant

Ihrer Ansicht nach könnten es mehr sein, wenn das Kreismuseum mehr im Bewusstsein der Einwohner des gesamten Jerichower Landes verankert wäre. Denn die Aktivitäten halten unvermindert an. Fast nahtlos geht es mit weiteren Ausstellungen weiter.

Als nächstes wird eine Ausstellung zu Ehren des Genthiner Schriftstellers Edlef Köppen gezeigt. Außerdem gibt es eine Schau unter dem Titel „Ostern - Traditionen und Bräuche im Jerichower Land“. Die Exponate beider sind ab dem 1. März zu sehen.