Genthin l Akribisch sammelt Günter Heine alle historischen Materialien, die er in die Hände bekommen kann. Darunter befinden sich auch drei Originalbriefe von Otto von Bismarck, die der Sammler nun dem Kreismuseum Jerichower Land gegeben hat. Diese sollen künftig im sogenannten Bismarckraum der Einrichtung ausgestellt werden.

Ganz neu sind die Briefe jedoch nicht. Sie lagen schon einmal 2015, zum 200. Geburtstag von Bismarck, als Leihgabe im Museum aus, wie Antonia Beran, die Leiterin der Einrichtung, sagt. Dass die drei Schriftstücke wirklich von Bismarck verfasst worden sind, sei an der Hand- und Unterschrift erkenntlich, so Günter Heine. Sie wurden im Jahr 1853 geschrieben. Zu dieser Zeit war Bismarck preußischer Bundesgesandter in Frankfurt am Main.

Die Briefe, deren Wert Günter Heine auf etwa 1500 Euro schätzt, sind in der sogenannten Kurrentschrift verfasst, der Inhalt noch nicht völlig entschlüsselt. Günter Heines Frau Ulla beherrscht die Sütterlinschrift, eine 1911 entwickelte, vereinfachte Form dieser altdeutschen Schrift, und konnte somit einiges entziffern. „Aber er hat hier ganz schön geschmiert“, sagt sie lachend.

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Bismarck als "Schulaufsichtsbehörde"

Zumindest einer der Briefe behandele das Thema Schule. Als Gutsherr von Schönhausen fungierte Bismarck nämlich zugleich als „örtliche Schulaufsichtsbehörde“, wie es Antonia Beran nennt. Ein weiterer Brief sei an einen Kriegsrat namens Müller gewandt. Antonia Beran möchte die Dokumente nun eingehend untersuchen und entziffern. Sollte es Passagen geben, wo es ihr nicht gelingt, möchte sie Experten zur Hilfe ziehen.

Woher Günter Heine die Briefe hat, kann er indes nicht genau sagen „Im Laufe der Zeit hat sich so viel Material bei mir angesammelt. Aber leider habe ich nicht immer aufgeschrieben, woher es stammt.“ Er vermutet aber, dass sie aus einer Schulakte aus dem Bestand des Lehrers Linsdorf aus Schönhausen stammen.

Denn die ausrangierten Dokumente aus Schulen, die geschlossen wurden, machen einen Großteil der Sammlung von Günter Heine aus. Der 76-Jährige war selbst 40 Jahre Mathelehrer, 30 davon in Wust, zehn in Schönhausen. „Ich hätte lieber Geschichte unterrichtet, aber dafür war schon der Direktor verantwortlich“, sagt Günter Heine, der sich selbst als „Geschichtsmann des Altkreises Havelberg“ bezeichnet.

Schulbücher aus zwei Jahrhunderten

Seine Affinität für die Historie der Region lebt er mithilfe seiner Sammelleidenschaft aus. „Für manch einen ist es Müll, aber es kann alles wertvoll sein“, sagt er. Damit ist es aber noch nicht getan. Denn die Dokumente müssten schließlich noch ausgewertet werden. „Man stößt dabei unter anderem auf alte Maßeinheiten wie Scheffel und Taler, die zum besseren Verständnis umgerechnet werden müssen. Ein Taler waren beispielsweise ungefähr drei Mark“, so Günter Heine. „Einmal Lehrer, immer Lehrer“, scherzt Antonia Beran. 25 Meter Akten und Dokumente habe er besessen, vieles davon hat er inzwischen dem Kreismuseum überlassen. Allein zwei Regale bestehend aus über 400 Schulbüchern vom Kaiserreich über die NS- und DDR-Zeit bis hin zur BRD sind dort zu einem Großteil dank seiner Hilfe zusammengekommen. Bei Fragen zu Bismarck und zur Schulgeschichte könne man sich immer an ihn wenden. „Und er sichtet und sucht immer weiter“, sagt Antonia Beran.

Vieles aus seinem Bestand übergibt Günter Heine dem Kreismuseum ohne Gegenleistung. Die Bismarck-Briefe werden hingegen von der Fielmann AG finanziert, die eigens einen Kunsthistoriker namens Jürgen Ostwald dafür beschäftigt. „Das Unternehmen setzt sich sehr für den Erhalt und die Förderung von Kunst und Kultur ein“, zeigt sich Antonia Beran dankbar. Auch Günter Heine ist dankbar und möchte das Geld für weitere Vortrags- und Sammlungsreisen reinvestieren.