Genthin/Burg l Die teils leeren Regale im Supermarkt lassen so manchen beim Einkauf verzweifeln. Nudeln, Konserven oder Toilettenpapier scheinen dauerhaft vergriffen zu sein. Doch was bedeuten derartige Hamsterkäufe für die Schwächsten der Gesellschaft? Christoph Grothe, geschäftsführender Vorstand der Diakonie Jerichower Land, bekommt die Auswirkungen der Corona-Krise seit einigen Wochen auch in seinen Einrichtungen unter dem Dach der Diakonie zu spüren. Besonders betroffen davon ist die Tafel, die auf Lebensmittelspenden der Märkte angewiesen ist.

Akute Personalnot

Nicht nur die Spenden seien zurückgegangen. Die personelle Besetzung stelle den Tafelbetrieb aktuell vor große Herausforderungen. Bei der Tafel haben Arbeitslose über eine Arbeitsgelegenheit (AGH) als Ein-Euro-Jobber die Möglichkeit, wieder in den Arbeitsmarkt eingegliedert zu werden. Diese Maßnahme habe das Jobcenter wegen der Corona-Pandemie zum Schutz der Teilnehmer nun unterbrochen. „Allein in der Ausgabestelle in Genthin fehlen uns dadurch neun AGH-Teilnehmer“, so Grothe. „In Burg betreiben wir normalerweise ein ganzes Haus mit Kleiderkammer, Möbellager, Tagestreff und der Tafel unter einem Dach“, erklärt Grothe. Dort fehlen derzeit 15 AGH-Teilnehmer für den Betrieb. „Wir versuchen den Tafelbetrieb mit Ehrenamtlichen aufrechtzuerhalten. Unterstützung erfahren wir dabei aus dem Kirchenkreis und den Gemeinden.“

Tafelbetrieb ist aufwendig

In Genthin unterstützen zudem regulär bis zu vier ehrenamtliche Helfer Cortina Löper, die die Genthiner Tafel leitet. In Burg seien es bis zu sechs Helfer.

Bilder

Der Tafelbetrieb sei sehr aufwendig. Märkte müssen für Lebensmittelspenden abgefahren werden. Danach müssen diese aussortiert werden. Für die Ausgabe brauche es ebenfalls zwei Mitarbeiter. In Burg organisieren Christiane Vibrans als Leiterin des Hauses der Diakonie und Mitarbeiterin Roswitha Richter den Tafelbetrieb.

Bedarf geht stark zurück

Seit einigen Wochen sei der Bedarf stark zurückgegangen, berichtet Grothe. Haben vor der Corona-Krise im Durchschnitt etwa 150 Bedarfsgemeinschaften die Genthiner Tafel genutzt, so seien es momentan fast um die Hälfte weniger. Genauso verhalte es sich in Burg. In der Rolandstadt nutzten wöchentlich etwa 500 bis 600 Bedarfsgemeinschaften das Angebot. Seit dem 6. April seien die Ausgabezeiten angepasst worden. Anstatt montags bis freitags öffnen die beiden Ausgabestellen in Genthin und Burg vorerst bis zum 19. April nur noch dienstags und donnerstags.

Roswitha Richter, stellvertretende Leiterin im Haus der Diakonie Burg, merkt den Rückgang deutlich. „Anstatt 50 bis 80 Bedürftige pro Tag kommen momentan nur noch 20 bis 30“, so Richter. „Besonders die Zahl der Rentner sei stark zurückgegangen, obwohl wir Sicherheitsmaßnahmen eingeführt haben.“ Unberührt von den neuen Öffnungszeiten sei bisher die mobile Tafel in Gerwisch, die weiterhin jeden zweiten und vierten Mittwoch im Monat Lebensmittel an Bedürftige ausgibt. In Rücksprache mit dem Landkreis seien verschärfte Hygienemaßnahmen und Vorschriften umgesetzt worden, erklärt Grothe. „Menschenansammlungen werden bei der Ausgabe verhindert. Es dürfen nicht mehr als fünf Leute anstehen und wir sorgen für einen Mindestabstand von 1,5 bis zwei Metern“, zählt Grothe nur einige auf. Da zur Zeit etwa um die Hälfte weniger Menschen die Tafel nutzen, habe sich der Rückgang an Lebensmittelspenden wieder ausgeglichen, redet Grothe von einem großen Zufall. Die Versorgung durch die Märkte sei somit weiterhin gegeben. „Natürlich bekommen wir momentan weniger Spenden, weil einige Lebensmittel in den Märkten vergriffen sind.“ Vor allem Grundnahrungsmittel, wie Kartoffeln, Nudeln, Reis oder Konserven fehlen nun mehr, auch wenn diese schon immer einen sehr geringen Teil der Lebensmittelspenden ausgemacht haben.

Freude über Osterspende

Besonders gefreut habe sich das Tafel-Team über eine Spende vom Markt-Kauf in Burg zur Osterzeit. „Es ist etwas Besonderes, wenn wir Sachen zu Ostern bekommen, um den Bedürftigen damit eine kleine Überraschung bereiten zu können“, ist Grothe dankbar.

„Wir müssen jetzt von Tag zu Tag schauen, wie es sich weiter entwickelt und was möglich ist.“ Dabei blickt Grothe sowohl auf den Bedarf als auch auf die Lebensmittelspenden. „Es hängt nun auch viel davon ab, wie sich das Jobcenter weiter verhalten wird.“