Genthin l In der obersten Liga jener Orte, die im gegenwärtigen Fontane-Jahr für Schlagzeilen sorgen, spielt das Jerichower Land nicht. Touristische Fontane-Leuchttürme hat es nicht zu bieten – deshalb ist hier Entdeckergeist gefragt. Den haben das Kreismuseum Jerichower Land und der Kunstverein Genthin in Zusammenarbeit mit Pfarrer i. R. Karlheinz Stephan bei der Zusammenstellung einer Tour „Auf den Spuren Fontanes“ unter Beweis gestellt. So inflationär solch ein Titel auch im Fontane-Jahr verwendet wird, wurden in Burg, Zerben und Wust Fontanes Spuren aufgesucht, ohne ausgetretene Wege zu beschreiten. Das „Arrangement Fontane“ mit den Stationen Burg, Zerben und Wust fand gut zwei Dutzend Interessenten, unter anderem auch aus dem „Fontane-Stammland“ Brandenburg.

Fontane gab es bei der ganztägigen Tour aus ganz unterschiedliche Perspektiven. In Burg als vorübergehenden Bewohner der Stadt, in Zerben über Elisabeth von Ardenne als authentische Vorlage für seinen Erfolgsroman „Effi Briest“ und in Wust (Landkreis Stendal) als recherchierender Autor auf seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“.

Unterschiedliche Verbindung zu Fontane

Die drei sehr unterschiedlichen Stationen können erwartungsgemäß kein komplexes Bild über den Schriftsteller und Journalisten Fontane vermitteln. Eines ist sowohl Burg, Zerben, aber auch Wust gemein: Eine wie auch immer geartete Verbindung zu Fontane nutzen alle drei Orte für ihre Aufwertung. Freilich mit einer großen Portion ehrenamtlichem Engagement.

Bilder

Zugegeben, mit Burg, wo Fontane 1840 als Apothekengehilfe in der Adler-Apotheke arbeitete, tat sich der spätere Schriftsteller schwer. Doch seine Zeilen klingen im Rückblick versöhnend: „Ich kam in der Stadt gut aus und hatte mich nur über eins zu beschweren, grausame Langeweile. Daß die Stadt ausschließlich daran Schuld gewesen sei, darf ich nicht behaupten, es lag vielmehr an mir selbst, der ich nie die Kunst verstand, mich an einer Skat- oder Kegelpartie zu beteiligen, trotzdem ich immer eine herzliche Vorliebe für natürliche Menschen gehabt, auch jederzeit auf denkbar bestem Fuße mit ihnen gelebt habe, wenn nur das Eis gebrochen war“.

Romanheldin aus Zerben

Im Gegensatz zu Burg hat Fontane Zerben, der Geburtsort Elisabeth von Plothos und die nächsten Station der Exkursion, nie zu Gesicht bekommen. Ihre Geschichte hatte er der Berliner Klatschpresse entnommen und nach Recherche später seinem Roman „Effi Briest“ zugrunde gelegt. Wer weiß, ob Zerben ohne den Fontane Roman jemals Bekanntheit erlangt hätte. Elisabeth von Ardenne soll den Roman übrigens nie selbst gelesen haben. Museumsleiterin Antonia Beran hatte sich für das Besuchsprogramm für die Kirche und nicht das Schloss Zerben entschieden. „Mal etwas Anderes“, sagte sie. Hier gab es Elisabeth von Plotho authentisch und Fontane eher am Rande. Eintragungen im Kirchenbuch, eine Namensgravur im Taufstein, die Stätte ihrer Heirat –Antonia Beran konnte hier gemeinsam mit Pfarrer Andreas Breit ganz auf die Biografie der Elisabeth von Plothe und ihrer Familie abheben.

Recherche in Wust

Familiengeschichte, genauer die Geschichte der preußischen Adelsfamilie von Katte, hatte Fontane vor gut 150 Jahren nach Wust geführt. Die Bekanntheit Fontanes hatte, trotzdem die Katte-Geschichte in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ einen Platz für die Ewigkeit erhalten hatte, den Verfall der Kirche und der dazugehörigen Gruft zum Ende der 1970er/Anfang 1980er Jahre nicht aufhalten können. Das gelang erst einer Gruppe von Jugendlichen um Holger Stephan (†) und der evangelischen Kirchengemeinde. Mit der Restaurierung von Kirche und Gruft setzte in Wust auch eine behutsame und differenzierte Rückbesinnung auf die preußische Geschichte der historischen Stätte ein, an der Pfarrer i. R. Karlheinz Stephan maßgeblich beteiligt war. Unter seiner Ägide wurden jene Kirchenführer ausgebildet, die heute Besucher durch Kirche und Gruft führen. Die Teilnehmer der Fontane-Exkursion hatten allerdings das Glück, von Pfarrer i. R. Stephan geführt zu werden. Er bot kenntnisreich, auf der Grundlage langjähriger Restaurations- und Forschungsarbeiten, mehr als eine bloße „Fortsetzung“ der Fontane-Beschreibung in den „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“. In manchem Detail der Katte-Saga irrte Fontane, wie sich herausstellte, andere Details wiederum formte er in schriftstellerischer Freiheit zu einer lesbaren Geschichte um. So oder so, in Wust wurden die Exkursionsteilnehmer, wie einst Fontane vor 150 Jahren, als aufgeschlossene, willkommene Gäste begrüßt.