Genthin/Burg l Museumsleiterin Antonia Beran dürfte zufrieden sein: Weit mehr als 4500 Besucher schauten sich die Ausstellungen im Kreismuseum an oder wirkten bei Aktionen mit. Selten gab es so viele Kooperationen mit örtlichen Vereinen wie im vergangenen Jahr. „Besondere Außenwirkung erzielte das Museum mit seinem Angebot zum ,Grünen Klassenzimmer‘ auf der Landesgartenschau in Burg“, sagt die Museumschefin.

Elf Veranstaltungen habe es gegeben, die durch den Heimatverein Burg und Umgebung unterstützt wurden. Präsentiert wurden unter anderem das Leben im Mittelalter, alte Kinderspiele und die Fahrradgeschichte. Dazu gab es ständig neue Präsentationen. „Denken Sie etwa an die Ausstellung zur Schulgeschichte im 20. Jahrhundert, die wir gemeinsam mit dem Förderverein Genthiner Stadtgeschichte zu Beginn des Jahres im Haus hatten“, eine Schau, die allein 850 Besucher anziehen konnte. Daneben gab es in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek und dem Edlef-Köppen-Freundeskreis eine Schau zur deutschen Filmgeschichte“.

Gemeinsame Ausstellung mit der FU Berlin

Auf Initiative des Jugendforums „Demokratie leben“ wurde die Ausstellung „Vergiß deinen Namen nicht“ nach Genthin geholt. Eine außergewöhnliche Sonderschau war etwa „Was(ser) bleibt“. Hier hat das Museum gemeinsam mit Studierenden der Freien Universität (FU) Berlin eine Ausstellung über die Ereignisse und Folgen der Flutkatastrophe von 2013 erstellt. „In Genthin konnten wir mit der Schau Besucher erreichen, die etwa in Jerichow oder der Altmark einst unmittelbar von der Flut betroffen waren“, erläuterte Daniel Lorenz von der Katastrophenforschungsstelle der Universität.

Die Ausstellung wird demnächst wandern und in der Kreisvolkshochschule in Burg zu sehen sein. Gabi und Gerhard Hafenrichter aus Berlin zeigten Fotos aus Nordafrika und dem Orient. Mit der DDR-Geschichte setzt sich eine Fotoausstellung von Harald Hauswald und Stefan Wolle auseinander (noch bis 24. Februar). „24 Türchen bis Weihnachten“ – die in dieser Woche zu Ende gegangene Weih- nachtsausstellung bescherte rund 200 Adventskalender aus verschiedenen Zeiten und von privaten Leihgebern.

Schüler recherchieren im Zeitungsarchiv

Die Arbeit im Museum beschränkte sich nicht nur auf nach Außen wirkende Aktionen, sondern umfasste auch den Bereich der Quellenforschung. „Es wurden mehr als 200 Anfragen gestellt“. Gefragt waren, so die Museumsleiterin, besonders Kopien aus alten Zeitungen, das Museum bewahrt die Tageszeitungen seit 1853 auf.

Umfangreich auf das Zeitungsarchiv stützen, konnten sich Schüler des Bismarck-Gymnasiums bei der Recherche zu Dietrich Krüger, dem ehemaligen Chorleiter und Dirigenten des Gymnasiums. „Für uns war es eine große Hilfe bei der Erstellung einer Publikation mit historischen Beiträgen der Volksstimme“, berichtet Musiklehrerin Anke Held. Auch der Vermittlung der Stadtgeschichte an eine junge Generation haben sich die Mitarbeiter des Museums verschrieben. Regelmäßig besuchen Schulklassen, Kita- und Hortgruppen das Museum und erhalten altersgemäße Führungen durch das Haus oder nehmen an Aktionstagen teil.

Ortschronistentreff in 2018

In der fachlichen Arbeit war etwa das Ortschronistentreffen herausragend, zu dem Prof. Michael Scholz, Archivwissenschaftler an der FH Potsdam, über die Verhältnisse im Erzbistum Magdeburg und im Jerichower Land in der nachreformatorischen Zeit berichtete. Auch in diesem Bereich prägen Kooperationen die Arbeit, etwa mit dem Freundeskreis Brandenburgischer Ziegeleigeschichte, dem Prignitz-Museum in Havelberg oder dem Museum Pankow in Berlin.

Lob für das Genthiner Haus gab es unter anderem auch bei einem Besuch von Berliner Gästen. „Die Präsentation der Dauerausstellung kommt ohne viele Worte aus, das macht die Ausstellung zeitlos“, meint Dr. Erika Karasek, frühere Leiterin des Museums Europäischer Kulturen (MEK) in Berlin. „Es ist gut, dass man in Genthin dieses Museum hat und es hoffentlich weiterhin erhält“, sagt Eva Sollich. Die in Genthin geborene Tanzpädagogin leitete einst das einzige Tanzhaus der DDR, wo sie selbst Tänzer ausbildete.

Im Jahr 2019 wird weiter am mobilen Museum als Ergänzung zur Dauerausstellung in Genthin gearbeitet. Ein Schritt in diesem Bereich ist die Erstellung einer Wanderausstellung unter dem Titel „Aus dem Rahmen gefallen“. Sie beschäftigt sich mit außergewöhnlichen Frauen, die vom 17. bis 20. Jahrhundert im Jerichower Land gelebt haben.