Genthin l Mit einem großen orchestralen Werk wurde der Einheitstag in Genthin eingeleitet. In der St. Trinitatiskirche präsentierten der Kammerchor Porta Westfalica und das Kammerorchester „La Réjouissance“ Joseph Haydns „Die Jahreszeiten“. Die musikalische, oft lautmalerische Reise durch Frühling, Sommer, Herbst und Winter brachte das Ensemble in einer leicht gekürzten Fassung zu Gehör.

In Noten gefasste Schneeschmelze

Natürlich blieben wichtige Passagen erhalten, etwa die von Haydn in Noten gefasste Schneeschmelze im Frühling, auch die leichten sanften Melodien, die die Ruhe vor dem sommerlichen Unwetter beschrieben, das mit einem Paukenschlag und dem Einsatz des Orchesters wunderbar kontrastiert wurde.

Der Chor zeigte sich dabei von seiner besten Seite und legte alle Kraft in den vollen Gesang. Während dort Sommerstimmung und Dramatik dominierten, ist der Höhepunkt des Herbstes sicherlich der Gesang „Juchhe, der Wein ist da“ mit der Textzeile „Heisa, hopsa, lasst uns springen.“ Kein Wunder, dass Haydn später sagte: „Einen so komischen Kontrapunkt und eine so besoffene Fuge habe ich noch nie geschrieben.“ Hatten die Solosänger das Werk bereits lange getragen, war der Gesang im Winter besonders prägnant.

Vielschichtiges Naturbild

Sopranistin Franziska Stürzel, Tenor Goetz Phillip Körner und Bariton Matthias Nenner präsentierten gemeinsam oder in Rezitativen und Liedern ein wunderbar vielschichtiges Naturbild. Höchst eindrucksvoll geriet das vertonte Spiel der Jahreszeiten. Haydn schildert die Vorgänge der Natur und des Lebens.

Der Landmann auf dem Feld, der den Samen ausbringt, die schwirrende Mittagshitze, die Tropfen des Regens, das Grollen des Donners. Arien, Cavatinen (einfache Arien) und Rezitative wechseln sich mit stimmungsvollem Chorgesang ab. Seit dem Frühjahr hatten sich die Sänger auf die Aufführungen vorbereitet. Denn das 1801 erstmals aufgeführte Werk verlangte ihnen einen enorme stimmliche Leistung ab. Unterstützt von den markanten Einsätzen des Orchesters, das quasi ohne Pause während des ganzen Abends im Einsatz war, ergab sich ein volltönender, wunderbarer Klang.

Genthiner Festakt

Mit großer Übersicht leitete Georg Kindt die Ensembles, mit kleinen Gesten und mit ausladenden Bewegungen. Ein großer Abend. Nicht ohne Grund vermerkte Bürgermeister Thomas Barz in seinen Worten an die zahlreichen Gäste: „Das ist der Genthiner Festakt zum Tag der Deutschen Einheit“. Man könne stolz auf das sein, was erreicht wurde: „Hätten wir 1990 gewusst, wo wir heute stehen, wären wir mit mehr Zuversicht in die Zukunft gegangen.“

Pfarrerin Beate Eisert ging in ihren Worten auf Haydns Werk ein, es sei ein Plädoyer für die Ungleichzeitigkeit. Eisert nannte das Werk über den Jahresverlauf eine Metapher des Lebens: „Der Frühling ist die Jugend, der Sommer die Lebensmitte und Herbst und Winter sind das Alter.“ Man solle jede Jahreszeit willkommen heißen, mit all ihren Vor- und Nachteilen.