Genthin l Die coronabedingte Schließzeit stellte viele Unternehmen vor finanzielle Herausforderungen. Jetzt, nachdem sich nach und nach eine gewisse Normalität wieder einstellt, können einige aufatmen – andere nicht.

Für Nicol Baumann und Mike Brüggemann ist die Zeit der Anspannung noch nicht vorbei. Denn neben den Einschränkungen durch die aktuell geltenden Auflagen, macht der Inhaberin des Bowling Centers Genthin und ihrem Stellvertreter auch das gute Wetter zu schaffen: In der warmen Jahreszeit kommen weniger Freizeitspieler vorbei. Und auch die Ligaspieler gehen in die Sommerpause.

Sportliga startet im September

„Wir hoffen darauf, dass die Sportliga normal im September wieder starten kann“, sagte Mike Brüggemann. Der 35-jährige Genthiner ist selbst aktiver Bowlingspieler für die Halberstädter Adler. Für den Verein ist die Genthiner Sportstätte normalerweise die Heimbahn. Im Moment jedoch trainieren wenige Vereins- und Stammspieler regelmäßig hier.

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Da abgesehen von ein paar Kindergeburtstagen auch wenig sogenannte „open bowler“, also Freizeitspieler, vorbei kommen, hat das Bowling Center im Moment nur an drei Tagen in der Woche geöffnet. An diesen Tagen darf nur auf jeder zweiten Bahn gespielt werden – um den Abstandsregeln gerecht zu werden.

Weihnachtszeit ist am Umsatzstärksten

Im Bereich der Bahnen und an den Tischen der Gastronomieecke dürfen Besucher ihre Masken abnehmen. Auf sämtlichen Wegen dazwischen herrscht Maskenpflicht. Wirklich schlimm könnte es für Baumann und Brüggemann werden, falls es im nächsten Winter wieder zu stärkeren Einschränkungen oder gar einem erneuten Lockdown käme. „Über die Weihnachtszeit wäre das wirklich fatal“, meinte Nicol Baumann. Denn dank zahlreichen Weihnachtsfeiern und natürlich den Ligaspielen ist das die umsatzstärkste Zeit für das Bowling Center.

Trotz der Sorgen versuchen Baumann und Brüggemann positiv zu bleiben. Für die Zeit nach Corona möchten sie die Zusammenarbeit mit Genthiner Schulen verstärken. In der Vergangenheit hatten sie bereits Schulklassen zu Besuch. Und einige alte Pins verschenkten sie an die Kinder der Grundschule Stadtmitte. „Die Grundschüler haben sich sehr gefreut“, erzählte Nicol Baumann.

Nachwuchsprobleme in Bowling-Vereinen

Der Wunsch der Bowling-Center-Betreiber: Bowling als Teil des Schulsportprogramms. „Unsere Zukunft liegt in den Kindern“, findet Brüggemann und bezieht sich damit auch auf die massiven Nachwuchsprobleme, mit denen die Sportart zu kämpfen hat. „Bowling ist nicht so richtig populär“, ergänzte Brüggemann. Lange Zeit sei der Sport auch im TV nicht present gewesen. Das habe sich in den letzten Jahren, dank online Streaming-Angeboten, schon gebessert. Trotzdem sei es für viele Vereine schwer, neue und junge Mitglieder zu gewinnen.

Vom Freizeitspieler zum Profi

Brüggemann entdeckte seine Leidenschaft für das Bowlen im Teenager-Alter. Zunächst spielte er nur in seiner Freizeit, mit einem guten Freund zusammen. „Das hat einfach tierisch Spaß gemacht“, erzählte er. Durch seinen Cousin, der auch in einem Verein aktiv spielte, entstand schnell der Wunsch das Ganze professioneller anzugehen. Da er höherklassig einsteigen sollte, fiel die Wahl auf die Halberstädter Adler und nicht auf den Genthiner Verein „Flying Pins“, der in der untersten Liga spielte.

Auch damals spielte und trainierte er bereits im Bowling Center, welches in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Zu diesem Anlass plant Nicol Baumann im September eine Party, von der sie hofft, dass sie stattfinden kann. Das Sommerfest musste sie erst kürzlich absagen. Dieses soll nun mit der Jubiläumsfeier nachgeholt werden. Auch dabei unterstützt sie DJ Jürgen Werner. „Wir sind ihm sehr dankbar dafür“, sagte Baumann, die sich im Unternehmen vor allem um den Gastronomiebereich kümmert.

Sie und ihr Mitarbeiter verbinden viele schöne Erlebnisse an 20 Jahre im Bowling Center, viele Abende, in denen die Spieler in geselliger Runde zu fortgeschrittener Stunde an den Tischen verbrachten. „Ich freue mich darüber, wenn ich sehe, dass sie Spaß haben“, so Baumann. Ihrem Stellvertreter ist der Roland Pokal 2016 besonders in Erinnerung geblieben: „Da ist mir die 300 geglückt, also das perfekte Spiel.“ Zwölf Strikes in Folge seien extrem selten, es war das erste und bisher einzige Mal, dass Brüggemann das gelang. „Ein wenig Glück gehört auch dazu“, sagte er lächelnd.