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Nach Thurn-Pleite: Das ist bei Insolvenzgeld dringend zu beachten

Die in Genthin ansässige Firma Thurn ist insolvent. Dies bestätigte  Peter Schoof, Geschäftsführender Gesellschafter bei Thurn, auf Volksstimme-Anfrage vor ein paar Tagen. Die Mitarbeiter bekommen nun Insolvenzgeld. Was ist das überhaupt?

Von Sebastian Rose 09.07.2021, 15:38 • Aktualisiert: 09.07.2021, 18:31
Die Firma Thurn ist im Genthiner Chemiepark ansässig.
Die Firma Thurn ist im Genthiner Chemiepark ansässig. Foto: Simone Pötschke

Genthin - Die spektakuläre Nachricht sorgte insbesondere in Genthin für mächtig Wirbel: Die Firma Thurn, die nach eigenen Angaben für die Herstellung, Abfüllung und Konfektionierung von Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln in Flüssigform zuständig ist, hat Insolvenz angemeldet.

Coronabedingt sei die Nachfrage von  Waschmitteln und waschnahen Artikeln deutlich zurückgegangen. Wohl auch, weil Sporteinrichtungen und das Beherbergungsgewerbe lange Zeit dicht waren. Die gleichzeitig stark steigenden Einkaufspreise für die Grundlagen der chemischen Mittel habe der Firma dann das wirtschafltiche Genick gebrochen.

Vor Kopfschmerzen stehen nun auch die 56 Mitarbeiter am Standort Genthin. Sie erhielten für die nächsten drei Monate Insolvenzausfallgeld.  Aber was genau ist das?

Insolvenzausfallgeld: Das sind die Regelungen

Kurz gesagt: Immer dann, wenn eine Firma Insolvenz anmeldet, greif für bis zu drei Monate das Insolvenzausfallgeld, auch bekannt als Insolvenzgeld. Die Arbeitsagentur übernimmt dann die Lohnfortzahlung. Die Höhe richtet sich nach am Nettoeinkommen des Arbeitnehmers (alte Bundesländer: maximal 6.700 Euro, neue Bundesländer: maximal 6.150 Euro).

Eine Insolvenz besteht grob gesagt immer dann, wenn offene Schulden nicht mehr beglichen werden können und eine Weiterführung des Unternehmens wirtschaftlich keinen Sinn ergibt.

Die Antragsstellung ist innerhalb von zwei Monaten nach der sogenannten Insolvenzeröffnung möglich. „Arbeitnehmer haben Anspruch auf Insolvenzgeld, wenn sie wegen eines Insolvenzverfahrens für bis zu drei vorangegangene Monate Arbeitsentgelt nicht oder nur zum Teil erhalten haben“, heißt es in einer Mitteilung von Georg Haberland, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Magdeburg, die auch für das Jerichower Land zuständig ist.

Im Jahr 2019 gab es im Landkreis Jerichower Land laut Statistiken der Agentur für Arbeit lediglich sechs Anträge auf Insolvenzgeld. Allerdings werden in der Statistik aus Datenschutzgründen Zahlenwerte von 1 oder 2 anonymisiert. Die Zahl ist vermutlich ein wenig höher, auch weil nicht alle von Lohneinbußen betroffene Arbeitnehmer Insolvenzgeld erhalten.

Wer als Arbeitnehmer dringend auf das Geld angewiesen ist, kann einen Vorschuss erfragen. „Dieser wird später auf das tatsächliche Insolvenzgeld angerechnet wird. Bei Anträgen auf Insolvenzgeld von Arbeitnehmern oder von Dritten handelt es sich um Einzelanträge (ein Antrag = eine Person)“, heißt es in der Mitteilung von Georg Haberland weiter.

Immerhin ist das Insolvenzgeld von der Steuer befreit. Da das Insolvenzgeld oftmals 410 Euro jährlich übersteigt, muss eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden.

Anspruch klar geregelt

Der Anspruch auf das Insolvenzgeld setzt im Übrigen keine Beitragspflicht in der Arbeitslosenversicherung voraus. Heißt, dass Arbeitnehmer grundsätzlich alle in Frage kommen, egal ob sozialversicherungspflichtig oder geringfügig beschäftigt. Dazu zählen auch Auszubildene, Schüler, Studenten und angestellte Geschäftsführer. Auch die Erben eines Arbeitnehmers können im plötzlichen Todesfall laut der Arbeitsagentur Insolvenzgeld beantragen.

Das Insolvenzgeld beinhaltet auch Provisionen, Sonderleistungen und Urlaubs- sowie Weihnachtsgeld. Das Arbeitsverhältnis besteht weiterhin.

Unternehmen sind außerdem dazu verpflichtet, eine Insolvenzumlage zu zahlen. Das heißt, dass das Insolvenzgeld im Vorfeld von allen Unternehmen in einen Topf eingezahlt wird und somit quasi vorfinanziert wird.

Aus den statistischen Erhebungen, die durch den Pressesprecher der Arbeitsagentur in Magdeburg, Georg Haberland, zur Verfügung gestellt wurden, ist erstaunlicherweise keine starke Erhöhung der Anträge auf Insolvenzgeld in den vergangenen zwei Jahren erkennbar; trotz Corona.

Davon können sich jedoch die Mitarbeiter des Genthiner Thurn-Werkes nicht viel kaufen. Es droht zumindest, wie in vielen anderen Insolvenzfällen auch, eine fristlose Kündigung.