Tucheim l An ihm ist im wahrsten Sinne des Wortes kein Vorbeikommen. Im alten Tucheimer Schulhaus, das bereits seit einigen Jahren dem hiesigen Heimatverein eine Heimstätte gibt, ist ihm mit einem Porträt und einer dazugehörenden Legende in einer großflächigen Fotogalerie ein Denkmal gesetzt worden: dem Hobbyfotografen Hans-Joachim Ahlert (1925 bis 2019). Nach seinem Tod im vergangenen Jahr bewahrt der Verein einen Großteil seines fotografischen Nachlasses.

„Das ist für uns ein wahrer Schatz, um den uns andere Dörfer sicherlich beneiden“, sagt Joachim Böhl vom Verein.

Vielfalt an Motiven

Die genaue Zahl der Fotografien aus dem Ahlertschen Nachlass, die sich aktuell in der Obhut des Vereins befinden, vermag Tucheims ehemaliger Bürgermeister allerdings nicht zu benennen. „Mit Bestimmtheit kistenweise“, gibt er mit einem Lachen zur Auskunft.

„Auch wenn man wie ich mit dem Schaffen Hans-Joachim Ahlerts gut vertraut ist, überrascht mich immer wieder die Vielfalt der Motive, die er mit seiner Kamera eingefangen hat, sagt Ortschronistin Monika Böhl. „Ob Landschaften, arbeitende Menschen, Tiere, Feuerwehr, betriebliche Ereignisse, Kultur oder Sport - Hans-Joachim Ahlert hat uns Tucheimern einzigartige zeitgeschichtliche Dokumente aus dem Leben in der einstigen DDR hinterlassen.“

Ahlert fühlt sich Heimatverein sehr verbunden

Der Nachlass des Hobbyfotografen ist längst zum „Kapital“ des Vereins geworden. Ein Teil seiner analogen Fotografien hat bereits Eingang in Ausstellungen gefunden oder ist für die Illustration von Broschüren verwendet worden. Schon zu Lebzeiten fühlte sich Ahlert dem Heimatverein sehr verbunden, so dass nie außer Frage stand, wer nach seinem Ableben seinen fotografischen Nachlass verwalten würde.

Eine Menge Aufarbeitung, die durch den Verein ehrenamtlich geleistet werden muss, wird trotzdem noch notwendig sein. Das räumt auch die Ortschronistin ein. Zumindest teilweise sei der Nachlass bisher archiviert und inzwischen auch digitalisiert, sagt Monika Böhl.

In 60er Jahren nach Tucheim

Wolfgang Schüler, der mit seiner Ehefrau den Hobbyfotografen die letzten Jahre seine Lebens betreute, verwahrt im Gegensatz zum Verein hauptsächlich solche Fotografien, die bei privaten Feiern in Tucheim wie Hochzeiten, Geburtstagen oder Einschulungen entstanden sind. Auch er ist noch - wie der Verein - am Sortieren. Soweit bekannt, habe er etliche Fotos jenen Personen übergeben, die darauf abgebildet waren. Oft zu deren großen Erstaunen, berichtet Wolfgang Schüler.

Hans-Joachim Ahlert kam in den 1960er Jahren nach Tucheim. Der gelernte Ofensetzer, der unter anderem im Magdeburger Messgerätewerk tätig war, holte sich bei der Arbeitsgemeinschaft „Foto“ im Kulturbund das fachliche Rüstzeug für sein Hobby, mit dem er sich für die Tucheimer unsterblich machen konnte.

Dokumentation der Geschichte im Fienerort

Er hat wirklich alles, versichert Joachim Böhl, was ihm in Tucheim vor die Kamera kam, fotografiert, Filme in seinem privaten Fotolabor entwickelt und jedes einzelne Foto abgezogen. Ihm sei es gelungen, nahezu lückenlos die Geschichte im Fienerort zu dokumentieren, schätzt Joachim Böhl das Lebenswerk von Hans-Joachim Ahlert. In irgendeiner Kiste werden seine Fotografien beim Heimatverein deshalb nicht verschwinden. Im Gegenteil. Noch in diesem Jahr beabsichtigt der Heimatverein, einen bisher noch leerstehenden Raum im ehemaligen Schulhaus zu renovieren und dort eine Dauerausstellung zur Landwirtschaft in Tucheim aufzubauen. Die Fotografien von Hans-Joachim Ahlert leisten uns bei der Konzeption dieser Ausstellung natürlich einen sehr großen Dienst, macht Joachim Böhl klar. Der Heimatverein hat sich vorgenommen, dass die Ausstellung zumindest in groben Zügen bis zum Tag des offenen Denkmals im September fertiggestellt ist und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann.