Genthin l Akribisch arbeitete Gladaus Ortsbürgermeister Klaus Voth bei der Ortschaftsratssitzung in dieser Woche alle Punkte der Niederschriften der zurückliegenden Sitzungen ab. Meist ist das ein Tagesordnungspunkt, der kaum für Aufregung sorgt, bei dem sich die Räte erfahrungsgemäß erst für die bevorstehenden Beratungen warmlaufen.

Voth brauchte bei dieser bürokratischen Pflicht nicht lange, um den neugewählten Ortschaftsräten und dem anwesenden Genthiner Bürgermeister in Erinnerung zu rufen, dass bei den vorangegangenen Sitzungen zum wiederholten Mal die Dezentralisierung des Bauhofes gefordert wurde.

Parchen und Tucheim fordern Gemeindearbeiter

Gladau hat das Thema bereits seit langem – nicht als einziger Genthiner Ortsteil – auf der Agenda. Ähnliche Forderungen wurden bereits aus Parchen und Tucheim laut. Die Orte, mit Ausnahme von Mützel, fordern den Einsatz eines ortsgebundenen Gemeindearbeiters.

„Was ist denn nun damit, lange und oft genug haben wir darüber gesprochen“, wandte sich Klaus Voth (CDU) etwas ungeduldig an Bürgermeister Matthias Günther (parteilos).

Kritik an Zentralisierung

Dem dürfte das ganze Problem hinlänglich bekannt sein. Denn seit seinem Amtsantritt Mitte 2018 bemühen sich die Ortschefs darum, die vor mehr als zwei Jahren vorgenommene Umstrukturierung des Bauhofs mit einem zentralen Anlaufpunkt in Genthin etwas aufzuweichen.

Bereits im November vergangenen Jahres verliehen sie gegenüber dem Bürgermeister ihrer Forderung massiv Nachdruck, zumindest für den Fienerbereich wieder einen Bauhof-Standort einzurichten. Eine Kehrtwende schien sich vor gut zehn Monaten abzuzeichnen. Erwartungen wurden geweckt, als Bürgermeister Günther sich der Sache annehmen wollte und eine Prüfung in Aussicht stellte.

Gladauer erinnern Bürgermeister

Mehr hatte er allerdings bei der jüngsten Nachfrage von Klaus Voth nicht anzubieten.

Als der Bürgermeister versuchte, die Gladauer auf die bereits in Rede stehende Prüfung zu vertrösten, unterbrach ihn Klaus Voth, indem er ihn daran erinnerte, dass er die Dezentralisierung des Bauhofs zu seinem Thema im Wahlkampf gemacht hatte. „Das haben Sie uns versprochen“, sagte Voth.

Einsparung von 35.000 Euro

Matthias Günther verwies dessen ungeachtet auf den bekannten Bearbeitungsstand vom November. Er habe hausintern eine Nachrechnung veranlasst, doch das Thema sei sowohl in personeller als auch in Hinsicht auf den maschinellen Einsatz sehr komplex. Die Nachrechnung sei deshalb bisher noch nicht abgeschlossen.

Günthers Amtvorgänger und jetzigen Vizelandrat Thomas Barz rechnete bei der Zusammenlegung der Bauhof-Standorte vor mehr als zwei Jahren eine Ersparnis von etwa 35.000 Euro aus, die unter anderem aus dem Wegfall von Betriebskosten für die einzelnen Werkstätten resultierten. Für eine Zusammenlegung sprach aus der Sicht des damaligen Bürgermeisters die Bildung von Arbeitsteams und die Einsparung von überzähliger Technik, die bis dahin an allen Standorten vorgehalten wurde.

Kritik provoziert

Günther positionierte sich in Gladau nicht dazu. Er provozierte damit freilich Kritik. „Heißt das also, eine Dezentralisierung ist inzwischen wieder vom Tisch“, hakte Klaus Voth nach. Der Genthiner Bürgermeister verneinte dies. Er sehe die ganze Angelegenheit nur wirtschaftlich, entgegnete er.

Einen Termin, wann die Verwaltung zu einer Entscheidung kommen oder zumindest Ergebnisse ihrer Bauhof-Analyse vorlegen kann, blieb Günther schuldig. Er nehme die Hinweise aus Gladau mit, so Günter.

Keine offizielle Information

In den zehn Monaten, seitdem die Ortschefs beim Bürgermeister ihre Kritik am zentralisierten Bauhof bei einer Besprechung vorgetragen haben, gab es darüber keine offizielle Information in den Fachausschüssen des Stadtrates.