Altenplathow l „Wir sollten in jedem Fall im Auge behalten, dass im kommenden Jahr ein Jubiläum anstehen könnte“, sagt Bürgermeister Matthias Günther (parteilos), selbst Altenplathower. Er stellt in Aussicht, dass eine Feierlichkeit stattfinden soll. „Wir sollten zuvor natürlich wissen, welches Jubiläum ansteht.“ Aus diesem Grund beschäftigen sich Stadtverwaltung und Kreismuseumsleiterin Antonia Beran mit Nachforschungen.

Anfrage eines früheren Genthiners

Zwei Jahreszahlen stehen derzeit im Raum 1144, was für ein 875-Jahr-Jubiläum spräche oder 969, wodurch Altenplathow schon 1050 Jahre alt wäre. Ausgelöst hat die Geschäftigkeit der gebürtige Genthiner Axel Neubauer.

Er lebt heute in Wülfrath in Nordrhein-Westfalen und erklärt: „Von 1938 bis 1954 bin ich in Genthin aufgewachsen und der Stadt immer noch verbunden.“ Daher beschäftige er sich mit dem aktuellen Geschehen aber auch mit der Historie seiner einstigen Heimat.

Wernicke schrieb Chronik

In der 1909 von Friedrich Wernicke veröffentlichten Abhandlung „Aus der Chronik des Dorfes Altenplathow“ fand Neubauer folgendes über das einstige Wendendorf: „Die erste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahre 969. Am 10. Mai dieses genannten Jahres legte Otto I., der den heidnischen Wenden das Christentum bringen wollte, den Gau „zemzici“ zum Havelberger Bistum.“

Neubauer schlug vor wenigen Wochen der Verwaltung vor, ein großes Dorffest unter dem Motto „1050 Jahre Altenplathow“ zu feiern. „Ich würde mich zu diesem Termin in den Zug setzen und nach Altenplathow fahren, denn dort bin ich in die Diesterwegschule gegangen und in der Kirche Altenplathow konfirmiert worden“, schloss Neubauer.

Antonia Beran freut sich zwar über die Idee des einstigen Genthiners, ist mit dem Jahre 969 allerdings zurückhaltend und bringt eine weitere Zahl ein: Nach Durchsicht meiner Unterlagen ist die Ersterwähnung von Altenplathow aus der Urkunde von 948 zur Gründung der Bistümer Havelberg und Brandenburg nicht eindeutig.“

875-Jahr-Jubiläum ist nicht unwahrscheinlich

Die Urkunde enthalte eine Aufzählung von Burgwarden, die vom Bistum Havelberg eingeschlossen waren. „Das dort genannte „Ploth“ müsste nach der damaligen Aufzählungspraxis geografisch viel weiter nördlich, jenseits der Havel liegen. Die Stremme als Fluss wird an anderer Stelle jedenfalls ohne Ploth genannt.“

Somit wäre auch fraglich, ob die Erwähnung 19 Jahre später wirklich auf das heutige Altenplathow zu beziehen wäre. Aber es gibt gute Nachrichten: „Als gesicherte Ersterwähnung für Altenplathow gilt die Urkunde der Klostergründung von Jerichow von 1144, in der Hermann von Plote als Zeuge genannt wird.“

Diese Jahreszahl taucht im Hinblick auf Jerichow und Altenplathow in der Literatur seit vielen Jahren auf. So heißt es im „Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg“ aus dem Jahr 1843 von J. A. F. Hermes und M. J. Weigelt: „Kloster Jerichow war nämlich 1144, Schenkunsgweise ans Erzstift gekommen, Genthin gehörte den Edlen von Plotho.“

Altenplathow findet sich in einer Aufzählung von „Flecken“, die der Nordmark zu gehören. Auch in den Geschichts-Blättern für Stadt und Land Magdeburg von 1873 werden Altenplathow und das Jahr 1144 im Bezug auf die Ersterwähnung genannt.

Antonia Beran hat mittlerweile eine Anfrage an das Landeshauptarchiv in Magdeburg gerichtet, um von dort eine Klärung des Alters von Altenplathow zu erhalten. Diese Antwort steht derzeit noch aus.

Wer sich mit der Chronik von Altenplathow beschäftigen möchte, die Friederich Wernicke geschrieben hat, kann demnächst auf eine Neuauflage zurückgreifen, die der Pressezeichner Eugen Gliege publiziert hat.

Am Mittwoch, 19. Dezember, wird Gliege das Buch in der Buchhandlung Schreiber vorstellen. Beginn ist um 15 Uhr.