Genthin l Dem SV Chemie bleibt das Bootshaus als Vereinsdomizil erhalten. Der Stadtrat stimmte im nichtöffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung zu, dass zwischen dem Verein und der Stadt ein Erbbaupachtvertrag über die Dauer von 30 Jahren aufgesetzt wird. „Die Angelegenheit liegt jetzt erst einmal beim Notar“, sagte Genthins Bürgermeister Matthias Günther (parteilos). Es werden noch einige Monate vergehen, bis der Vertrag unterschriftsreif vorliegen werde.

Damit wird ein Schlussstrich unter ein jahrelanges Gezerre um die Zukunft der Immobilie an der Martha-Brautzsch-Straße gezogen. Ursprünglich beabsichtigte die Stadt den Verkauf der Immobilie, um ihre zu diesem Zeitpunkt völlig desolate Finanzkasse sanieren zu können.

Verkauf

Die Veräußerung des Bootshauses war als Position des Haushaltskonsolidierungskonzeptes eigentlich schon beschlossene Sache.

Eine Kenia-Koalition bestehend aus den Stadträten Gerd Mangelsdorf (CDU), Wilmut Pflaumbaum (FDP) und Lutz Nitz (Grüne) stellten diese Entscheidung gegen den Widerstand des damaligen Bürgermeisters Thomas Barz öffentlich in Frage und brachten so wieder Bewegung in die Angelegenheit. Das Trio favorisierte einen Erbbaupachtvertrag.

Prüfung bestanden

Mit Unterstützung des Landes-Kanu-Verbandes, des Landessportbundes und des Kreissportbundes konnte der Streit zwischen der Stadt und dem SV Chemie nun beigelegt werden. Die Bewirtschaftung des Bootshauses durch den Verein war zuvor einer Prüfung durch die städtische Kämmerei unterzogen worden, bei der es keine Beanstandungen gab.

Sanierungsbedarf

„Wir sind erleichtert und sehr zufrieden, dass der Stadtrat einem Erbbaupachtvertrag zugestimmt hat“, sagt Fritz Mund, Vereinsvorsitzender des SV Chemie. Der Vereinschef hatte in den vergangenen Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass es am Bootshaus mittlerweile einen großen Sanierungsbedarf gebe. Die finanziellen Rücklage in Höhe von 16 000 Euro, die der Verein für die Sanierung gebildet hat, konnte aufgrund der bisher unklaren Situation nicht eingesetzt werden und wurde von Jahr zu Jahr weitergeschoben.

„In der Gewissheit, dass ein Erbbaupachtvertrag abgeschlossen wird, können wir nun wieder Fördermittel über die Sportförderung beantragen“, sagt Fritz Mund. Für das Jahr 2019 seien allerdings schon alle Messen gesungen. Der Blick müsse nun ins Jahr 2020 und darüber hinaus gerichtet werden.

Mit der Sicherheit, die der Erbbaupachtvertrag dem Verein gibt, wird sich der SV Chemie wieder auf die Suche nach einem neuen Pächter für die Gaststätte begeben. Das zum Hause gehörende Lokal war mit Wirkung zum 30. Juni nach 15 Jahren durch den damaligen Pächter gekündigt worden und steht seitdem leer. „Wir arbeiten an der Ausschreibung. In diesem Jahr werden wir sie jedoch wahrscheinlich nicht mehr fertigstellen. Ich nehme an, dass wir zum 1. März verpachten werden“, sagt Fritz Mund und ergänzt: „In Anbetracht der Marktlage in der Genthiner Gastronomie-Branche ist uns schon klar, das Interessenten nicht gerade Schlange stehen werden.“

Strategie

Der SV Chemie zeichnet mittlerweile auf der Grundlage eines Vertrages mit der Stadt seit 22 Jahren für die Bewirtschaftung und Instandhaltung des Bootshauses verantwortlich. Der aktuelle Pachtvertrag beinhaltet die Nutzung als Vereinshaus für den eigenen Verein und den Breitensport sowie das eigenverantwortliche Betreiben einer gastronomischen Einrichtung.

Mit dem Auslaufen des Vertrages, der zwischen der Stadt und dem Sportverein für die Dauer von 25 Jahren geschlossen wurde, musste ohnehin eine Zukunftsstrategie her.

Das Bootshaus wurde Ende der 1930er Jahre im Auftrag eines Genthiner Rudervereins gebaut.