Jerichow l Marco Reiß ist kein Unbekannter in der Region. Er ist Mitbegründer des Rossini-Quartetts, das zur 25-Jahr-Feier der Straße der Romanik auch in der Region Akzente setzt. Das Quartett wirkt als Ehrenbotschafter Magdeburgs. Sein 25-jähriges Bestehen feierte es in der Staatskanzlei. In dieser Funktion als Botschafter sind sie international unterwegs. Gerne erinnert er sich an Reisen nach Shanghai und Jordanien. Unvergesslich bleibt ihm ein Besuch mit Ministerpräsident Reiner Haseloff in Warschau und mit Rüdiger Koch, dem damaligen Kulturbeigeordneten der Stadt Magdeburg, in Radom, der Magdeburger Partnerstadt in der Wojewodschaft Masovien. Er war Intendant des Telemann-Festjahres 2017 mit dem Namen „Telemania“. Zu Gast war er häufig im historischen Kloster Jerichow.

Akzente

Nun setzt er in ganz anderer Funktion im Kloster Akzente. Er arbeitet von nun als künstlerischer Leiter und will gemeinsam mit Verwaltungschef Bernd Witt neue musikalische Akzente setzen. Hier soll mit dem ersten Jazzfestival vom 16. bis 19. August 2019 eine besondere Note gesetzt werden. Mit an Bord sind unter anderem „Bolero Berlin“ mit einem Klarinettisten der Berliner Philharmoniker und das Jugend-Jazz-Orchester Sachsen-Anhalt. Als Berater dazu kommt Topo Gioia, einer der weltbesten Perkussionisten.

Besonders das Jugend-Jazz-Orchester soll in der Planung des Kulturprogramms im Kloster eine wichtige Rolle spielen. Ein weiterer Punkt ist die Etwicklung der Sommermusiken

Region einbinden

Marco Reiß blickt dabei weit über den Tellerrand des Klosters hinaus. Dabei will er die Region mit einbinden. Seine Blicke wandern dabei auch an historisch wichtige Punkte. Im Fokus hat er als Kulturschaffender das Fontane-Jubiläum im nächsten Jahr. Theodor Fontane wäre 200 Jahre alt geworden. Am Sonnabend um 16 Uhr hat er so ein Konzert im historischen Schloss in Zerben organisiert.

Jugendarbeit wird unterstützt

So konnte er für das Konzert unter der Schirmherrschaft des Landrats Steffen Burchhardt den italienischen Trompeter Luigi Santo gewinnen. Mit dem Erlös unterstützen die Künstler die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Einheitsgemeinde Elbe-Parey.

So wurde bewusst, auch mit Blick auf das Kloster, eine italienische Note gesetzt. Der historische Hintergrund: Ab 1915 verdiente die geschiedene Elisabeth von Ardenne, das Vorbild für Theodor Fontanes Romanfigur Effi Briest, ihren Lebensunterhalt als ständige Begleiterin der schwer nervenkranken Margarethe Weyersberg. Die wohlhabende Familie der Pflegetochter finanziert nicht nur die gemeinsame Wohnung, sondern auch Reisen der beiden Frauen nach Italien.

Italienische Note

Genau diese italienische Note greift der neue Museumsleiter Benjamin Sommer auf. Denn es wird angenommen, dass einige Ziegler, die im Kloster aktiv waren, aus der Lombardei stammen. Davon erzählt Benjamin Sommer. Er ist derzeit Leiter des Museums im Jerichower Kloster. In Vertretung für Josefine Telemann, die sich in Elternzeit befindet, übernimmt der Kunsthistoriker ihre Aufgaben. Er hat auch regionale Bezüge. 1978 wurde er in Gardelegen geboren. Das Studium der Kunstgeschichte und der evangelischen Theologie führten ihn nach Jena, München, Paris und Leipzig. „Die Beschäftigung mit mittelalterlicher Kunst war mir besonders wichtig“, berichtet er. Er promovierte zu einem speziellen Thema zu mitteldeutschen Flügelretabeln. Er absolvierte ein wissenschaftliches Volontariat an den Staatlichen Sammlungen und Museen in Bayern. Für das Bayerische Nationalmuseum schrieb er ein Kinderbuch mit dem Titel „Auf Schritt und Tritt“. In seinen Fokus geriet dann ein Prämonstratenserstift vor den Toren Freisings. Der Weg zum Kloster Jerichow war somit kein weiter. Die Region um Freising und München sei eine Keimzelle für die süddeutsche Entwicklung im Backsteinbereich gewesen.

Zu seinen Aufgaben in Jerichow gehören Führungen, die Konzeption von Ausstellungen, die Weiterentwicklung der bestehenden Standardausstellung, das Pflegen und die Betreuung von Archiv und Bibliothek. Das alles geschieht in enger Abstimmung mit Marco Reiß und dem Klosterverwaltungschef Bernd Witt.