Termine

Personalnot in Kfz-Zulassungsstelle

Krankheitsbedingte Ausfälle führen zu teils großen Schwierigkeiten bei der Terminvergabe

Von Susanne Christmann
Zum dpa-Magazin-Bericht vom 11. Juni: Vielfalt in Blech: Neben dem normalen EU-Kennzeichen gibt es viele andere Varianten, zum Beispiel für Oldtimer (oben) oder Kurzzeitzulassungen (unten). (Die Veröffentlichung ist für dpa-Magazin-Bezieher honorarfrei.) Foto: Markus Scholz mag

Genthin/Burg

Matthias Schulze aus Genthin, selbst in der Autobranche tätig, wollte vor zwei Wochen privat ein altes Auto ab- und ein neues Auto anmelden. Auf einen sofortigen, schnellen Termin kam es ihm dabei nicht an. Er griff zum Telefonhörer und wählte die für diese Zwecke angegebene Telefonnummer. Es nahm keiner ab. Auch nicht, als er es wissen wollte und sich in Dauerschleife von 8.30 bis 11.50 Uhr den Telefonhörer ans Ohr klemmte. „Dann bin ich hin zur Außenstelle ins Genthiner Kreishaus“, berichtet er der Volksstimme weiter. Dort wurde ihm beschieden, dass eine Terminvergabe nicht analog vor Ort, sondern nur online erfolgen könne.

„Sofort habe ich mich dann daheim an den Computer gesetzt“, erzählt Matthias Schulze weiter. Auf der entsprechenden Seite der Kreisverwaltung stand, dass es erst ab dem 22. April wieder freie Termine gäbe. Okay, dann halt nach dem 22. April, dachte sich Schulze. Nur freigeschaltet für die Zeit nach dem 22. April war die Terminbuchung nicht. Er versuchte es in den folgenden Tagen immer wieder - allein, es blieb ihm verwert, irgendeinen Termin nach dem 22. April anzuklicken, geschweige denn für sich buchen zu können.

„Geheimtipp“ freitags zwischen 8.30 und 9 Uhr

Dies alles schilderte er der Volksstimme-Redaktion in einem Gespräch am Telefon vor einer Woche. Am Montag fragten wir bei ihm noch einmal nach, ob er es inzwischen vielleicht doch geschafft habe, einen Termin für die Ab- und die Anmeldung der beiden Autos zu ergattern. Ja, tatsächlich, war seine Antwort auf unsere Frage. Aber nur, schiebt er hinterher, weil ihm ein Bekannter in der Kreisverwaltung einen wirklich goldwerten Tipp gegeben habe.

Er solle es doch freitags versuchen - zwischen 8.30 und 9 Uhr würden in der Regel neue Terminfenster freigegeben. Matthias Schulze loggte sich also am Freitag punkt 8.30 Uhr ein und siehe da, er konnte tatsächlich einen von 50 angegebenen freien Terminen im April ergattern. Drei Minuten später schaute er aus reiner Neugierde noch einmal nach: da waren es nur noch 30 Termine, die buchbar waren. Für die Vorhersage, dass die in den nächsten Minuten ebenso schnell weggehen werden wie die ersten 20, brauchte Schulze keine hellseherischen Fähigkeiten.

Ja, bestätigt Thomas Barz, Beigeordneter des Landkreises (CDU), in einem Gespräch mit Landrat Steffen Burchhardt (SPD) und ihm mit der Volksstimme in der Kreisverwaltung in Burg, dies sei wirklich so: In der Regel würden neue Termine freitags um diese Zeit freigeschaltet. „Wir nehmen diese Terminprobleme bei der Kfz-Zulassungsstelle sehr ernst“, hakt Landrat Steffen Burchhardt ein und nennt den Grund für diese Schwierigkeiten: akuter Personalmangel.

Mit zehn Stellen sei die Zulassungsstelle insgesamt ausgestattet. Zweimal in der Woche sollen damit auch die Öffnungszeiten in der Außenstelle in Genthin abgedeckt werden. Aber immer wieder sei in der jüngsten Vergangenheit durch Jobwechsel, vor allem aber durch Krankmeldungen, das Personal so arg dezimiert gewesen, dass zwischenzeitlich für die Außenstelle in Genthin überhaupt keine Termine mehr vergeben werden konnten. Was nun aber wieder möglich sei. Auch deshalb, weil das Landratsamt alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, um der Personalnot in der Zulassungsstelle etwas entgegenzusetzen.

Zwei Stellen neu besetzt, Hilfe von den Nachbarn

Zwei neue Stellen seien ausgeschrieben und auch besetzt worden. Nur bräuchten auch diese neuen Leute Zeit, um richtig eingearbeitet zu werden, bremst der Landrat allzu hochgesteckte Erwartungen. Jemand, der schon einmal in einer Zulassungsstelle gearbeitet habe, sei nämlich auf dem Arbeitsmarkt nicht zu bekommen - der sattsam bekannte Fachkräftemangel mache auch hiervor nicht halt.

Dann hat Burckhardt zwei Leute aus anderen Bereichen seiner Verwaltung dafür gewinnen können, in der Zulassungsstelle für eine gewisse Zeit auszuhelfen. Auch die müssten eingearbeitet werden. Was besonders positiv ins Gewicht fallen werde, hofft der Landrat, sei die Hilfe eines Kollegen aus einem benachbarten Landkreis. Der werde ihm zwei erfahrene Leute aus seiner Zulassungsstelle herüberschicken. Die kennen das Zulassungsmetier also aus dem Effeff, müssten sich allerdings in die andere Software, die im Jerichower Land benutzt werde, auch erst einarbeiten.

Wenn also in der Außenstelle in Genthin keiner ans Telefon gehe, wirbt der Landrat um Verständnis, dann seien die Kollegen, die derzeit, was ihre Arbeitszeit betrifft, wirklich nicht auf die Uhr schauen würden, mit dem Abarbeiten von Zulassungs- oder Abmeldevorgängen mehr als beschäftigt. Die Online-Terminbuchung sei momentan der erfolgversprechendste Weg.

Wenn es nicht sofort klappe, bittet er, solle keiner aufgeben und immer wieder nachschauen. Weil dieser Weg eben auch den unschätzbaren Vorteil habe, dass damit Wartezeiten am gebuchten Tag auf ein Minimum reduziert werden könnten. Wenn irgendwann die Pandemie-Beschränkungen wieder aufgehoben werden können, sollen, so Burchhardt abschließend, aber wieder der analoge Weg, einfach zu den angegebenen Zeiten vorbeikommen zu können und der digitale Weg der Terminbuchung gleichberechtigt nebeneinander laufen. In Burg genauso wie in der Außenstelle in Genthin.