Genthin l Gelebte Ökumene in Genthin. Gemeinsam begingen evangelische und katholische Gläubige den Reformationstag. Gemeinsam gestalten Pfarrer, Pfarrerinnen und Ehrenamtliche der Kirchen den Vormittag. „Wir feiern einen Gottesdienst im Zeichen der gemeinsamen christlichen Wurzeln“, betonte Pfarrerin Beate Eisert von der evangelischen St. Trinitatisgemeinde.

Pfarrer Stephan Donath von der katholischen St. Mariengemeinde betonte: „Wir möchten uns als Gemeinschaft finden und vertrauen auf unsere Gemeinsamkeiten.“ Für ihn sei dieser Gottesdienst trotz seiner langen Dienstzeit in Genthin eine Premiere, machte er deutlich.

Ringen um den Glauben

Betont wurde der Anlass des Tages. „Vor 500 Jahren begann eine Zeit des Nachdenkens über die Kirche“, sagte Pfarrerin Eisert und Pfarrer Donath führte aus: „Martin Luther wollte mit seinen Thesen die Kirche reformieren und sie führten zur Spaltung.“ Es sei eine Kirchenspaltung gewesen, die viel Leid und Not über die Menschen gebracht habe. Das Ringen um den Glauben habe sogar zum Dreißigjährigen Krieg geführt. Viele Jahrhunderte habe man sich unversöhnlich gegenüber gestanden. „Erst seit etwa 50 Jahren suchen wir nunmehr Wege zur Einheit.“

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Besonders markant sei aber das vergangene Jahr gewesen. Pfarrer Donath setzte vier Meilensteine als sichtbares Zeichen für das Zusammenrücken der beiden christlichen Glaubensrichtungen. Da sei das Papier „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ gewesen, in dem an die gleichen Werte der Konfessionen erinnert wurde.

Meilensteine der Annährung

„Durch die Taufe sind wir grundvereinigt“, markierte Donath ein wichtiges Merkmal, da in dem Papier aufgeführt ist. Ein weiterer Meilenstein sei für ihn die Pilgerreise von evangelischen und katholischen Bischöfen ins Heilige Land im Herbst 2016 gewesen. Genauso markiere die Teilnahme von Papst Franziskus am 31. Oktober des vergangenen Jahres am Reformationsgottesdienst im schwedischen Lund einen weiteren Pfeiler. Ein besonderer Meilenstein sei zudem im März dieses Jahres gesetzt worden, als die Katholische und die Evangelische Kirche einen gemeinsamen Buß- und Versöhnungsgottesdienst gefeiert haben.

So könne bei aller Verschiedenheit eine Einheit der Glaubensrichtungen geschaffen werden. „Es stimmt uns hoffnungsvoll für die Zukunft.“ Pfarrerin Magdalene Wohlfarth erinnerte in ihren Worten die Gottesdienstbesucher an eine Pilgerreise junger Leute unter dem Motto „Mit Luther zum Papst.“ Franziskus habe dabei die Besucher gefragt: Was ist besser, evangelisch oder katholisch?“ Nach einem betretenen Schweigen, habe der Papst die Antwort selbst gegeben: „Gemeinsam ist besser.“

Bedenken zu Beginn der Dekade

Wohlfarth erinnerte daran, dass es zu Beginn der Luther-Dekade viele Bedenken betreffend des gemeinsamen Feierns gegeben habe, besonders seitens der katholischen Kirche. „Diese Kritik war gut, sie hat uns alle zum Nachdenken gebracht.“ Denn gemeinsam feiern bedeute nicht, Luther auf einen Sockel zu heben.

„Er hat viel Gutes bewirkt, aber auch dunkle Seiten gehabt.“ So feiere man an diesem Tag keinen Gottesdienst zum Reformationsjubiläum, sondern ein Christusfest. „Einen anderen Grund als Christus kann niemand geben“, stellte Eisert fest. Jesus Christus sei auch für Martin Luther immer am wichtigsten gewesen.

„Ein Dogma hat Jesus nicht hinterlassen, wohl aber eine Aufgabe, das Salz der Erde zu sein.“ Diese Aufgabe könne man gemeinsam angehen, vor allem dann, wenn die Bühnen der Jubiläumsfeierlichkeiten abgebaut seien. Gemeinsam ließen die Gottesdienstbesucher die Feier bei einem Imbiss in der Jungen Kirche ausklingen.