Burg l Die Elbfähre zwischen Ferchland und Grieben könnte von der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land betrieben werden. Diesen Gedanken hat Landrat Steffen Burchhardt (SPD) ins Spiel gebracht. „Unsere NJL kann Nahverkehr und hat ein motiviertes schlagkräftiges Team, ich traue denen zu sich auch professionell um die Fähre zu kümmern. Erste Gespräche habe ich bereits mit dem Geschäftsführer Thomas Schlüter geführt“, so der Landrat

Seit dem Sommer verbindet keine Elbfähre mehr die beiden Orte. Der Gemeinderat von Elbe-Parey hatte Mitte Mai beschlossen, die Fähre stillzulegen, da sich die Gemeinde nicht mehr in der Lage sah, als Betreiber das Defizit zu tragen. Allein 2019 weist die Gemeinde ein Defizit von rund 94.000 Euro aus, in der ersten Jahreshälfte 2020 hatte die Fähre ein Minus von rund 33.000 Euro eingefahren. Durch das häufige Niedrigwasser der Elbe konnte die Fähre an 150 Tagen gar nicht übersetzen. Seitdem haben sich Hunderte von Einwohnern bei Demonstrationen und zahlreiche Politiker zu Wort gemeldet. Der Tenor: Die Fähre muss erhalten bleiben. Nicht nur für den Tourismus, sondern auch für Pendler sei sie im Jerichower Land und dem Nachbarlandkreis Stendal von großer Bedeutung.

Umbau zur Gierseilfähre

Landrat Steffen Burchhardt (SPD) holte seinen Stendaler Amtskollegen Patrick Puhlmann (SPD) sowie die Bürgermeister Nicole Golz (Elbe-Parey), Harald Bothe (Jerichow), Andreas Brohm (Tangerhütte) und Jürgen Pyrdok (Tangermünde, alle parteilos) an einen Tisch, um eine Lösung zu finden. Nach einer Telefonkonferenz kurz vor Weihnachten ist er optimistisch, die Verbindung wiederbeleben zu können. Zwei Punkte sind dabei entscheidend. Das Schiff soll zu einer Gierseilfähre umgebaut und das berechnete jährliche Defizit von 40.000 Euro zwischen den Landkreisen und den Gemeinden aufgeteilt werden. Die Kreise würden jeweils 10 000 Euro übernehmen, die vier Gemeinden 5000. „Da alle Seiten betont haben, wie wichtig ihnen die Fähre ist, dürfte die Belastung nicht zu hoch sein“, ist Burchhardt überzeugt.

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Mit dem Umbau der Fähre vom Motor- zum Gierseilantrieb ist es allerdings nicht getan. Auch müssen die Fähranleger verlängert werden. Wie alle Maßnahmen, die in eine Wasserstraße eingreifen, muss dies vom Wasser- und Schifffahrtsamt genehmigt werden. Laut Burchhardt sollte dies aber keine Hürde darstellen. Die ist dann schon ein gutes Stück höher, was die Kosten angeht. Für die komplette Umrüstung wird mit 600.000 bis 700.000 Euro gerechnet. Ohne Hilfe vom Land nicht finanzierbar. „Vom Land wurde aber immer wieder betont, zwar nicht den laufenden Betrieb, wohl aber Investitionen unterstützen zu können“, sagte Burchhardt. Er hat gleich an dessen erstem Arbeitstag nach dem Jahreswechsel einen Termin bei Verkehrsminister Thomas Webel (CDU).

Eigentum muss geklärt werden

„Wir halten es für sinnvoller einmal zu investieren und dauerhaft niedrigere Betriebskostenzuschüsse auf alle Schultern zu verteilen“, wird der Stendaler Landrat Patrick Puhlmann in einer Pressemitteilung zitiert. „Wenn die Finanzierung des Umbaus gesichert ist, haben wir eine realistische Chance die Verbindung der beiden Landkreise aufrecht zu erhalten“, heißt es darin von Tangerhüttes Bürgermeister Andreas Brohm, „denn bei vielen Partnern ist die Last für den Einzelnen nicht so groß.“

Geklärt werden muss nun noch, wem die Fähre künftig gehören wird. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Elbe-Parey Nicole Golz hat zugesichert, dass der Gemeinderat sobald wie möglich darüber beraten wird. Die Gemeinde ist Eigentümerin des Schiffes. Nun muss überlegt werden zu klären, ob die Fähre dem künftigen Betreiber für einen angemessenen Preis überlassen wird oder ob auch eine Verpachtung der Fähre in Frage kommt. Bürgermeister Harald Bothe aus Jerichow hofft laut der Pressemitteilung auf ein positives Zeichen des Gemeinderates Elbe-Parey. Ein hoher Kaufpreis für die Fähre wäre ein zusätzliches Hindernis für den Erhalt der Elbquerung.