Genthin/Burg l „Ohne geht es nicht“, sagt Dr. Judith Peters, Oberärztin der Frauenheilkunde und Geburtshilfe in der Burger Helios-Klinik. Sie meint die Hebammen. Gestern stattete Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) dem Hebammenstützpunkt in Genthin einen Besuch ab. „Das ist eine sehr gute Einrichtung, weil so werdende Mütter aus der Region nicht gleich nach Burg fahren müssen“, sagte Dr. Peters. Und um Genthin herum gibt es auch nur sehr wenige Hebammen“, meinte Kathrin Tolle-Radigk, Leitende Hebamme der Klinik. Am zweiten und vierten Mittwoch hält eine Hebamme von 14.30 bis 16.30 Uhr eine Sprechstunde ab.

Wieviele Hebammen es in Sachsen-Anhalt genau gibt, das kann nicht einmal das Ministerium sagen. Eine statistische Erhebung der Anzahl hat es bislang nicht gegeben. Das Statistische Landesamt erfasst seit einigen Jahren lediglich die in Krankenhäusern angestellten Hebammen. Die Anzahl der freiberuflichen Hebammen sowie der Hebammen, die sowohl in einem Krankenhaus in Anstellung arbeiten und zusätzlich eine freiberufliche Tätigkeit ausüben, wird hingegen nicht erfasst.

Kein Personalmangel, gute Zusammenarbeit

Fakt ist aber, dass es in der Burger Klinik keine Personalprobleme gibt. „Wir sind zehn Hebammen und damit ein tolles Team“, sagte Tolle-Radigk. Ein tolles Team, das sind auch Ärzte und Hebammen im Kreißsaal. „Die Zusammenarbeit ist ganz hervorragend, das ist nicht in allen Krankenhäusern so“, meinte Peters. In Sachsen-Anhalt gehen die Geburten zurück, im Jerichower Land sind sie um gut acht Prozent gestiegen. Und das, obwohl nicht einmal alle werdenden Mütter auch in Burg ihre Kinder zur Welt bringen. „Da gibt es persönliche Entscheidungen, und eine Geburt ist ja auch das Persönlichste, was es gibt“, meinte Tolle-Radigk. Dabei habe Burg, die einzige Geburtsklinik im Landkreis, viel zu bieten. „Was bieten Sie denn“, wollte die Ministerin wissen und bekam eine Aufzählung, zu der unter anderem die modernen Kreißsäle und die Geburtswanne für eine Wassergeburt gehörten.

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Grimm-Benne lobte den Hebammenstützpunkt als ein wichtiges Signal im ländlichen Raum, gerade in Genthin, nachdem dort das Krankenhaus geschlossen worden ist, und an dem Standort in der Geschwister-Scholl-Straße möglicherweise ein größeres MVZ entsteht. Auch ist ihre Wertschätzung für Hebammen groß. Die Arbeitsverhältnisse von Hebammen sollen verbessert und durch bessere Betreuung die Qualität der Geburtshilfe gesichert werden.

Versicherung bei Geburtshilfe

Vor einiger Zeit waren die hohen Haftpflichversicherungskosten für Hebammen in aller Munde, die viele vom Beruf zurückschrecken ließen. Im Gespräch mit der Volksstimme relativierte die Leitende Hebamme. „Es geht dabei um die Versicherung bei der Geburtshilfe“, sagte sie.

Das Land bietet Ausgleichszahlungen für Hebammen, die viermal Geburtshilfe geleistet haben, an. Bei Geburten im Krankenhaus seien die Hebammen über die Klinik versichert. Und Hausgeburten, die gebe es im Jerichower Land so gut wie gar nicht, und wenn, „dann weil die werdende Mutter es nicht rechtzeitig geschafft hat“.

Hausgeburten sind nicht sicher

Die Oberärztin rät auch von Hausgeburten ab. „Sie sind einfach nicht sicher“, ist sie überzeugt. Etwa zwei Drittel der Geburten würden ohne Komplikationen verlaufen.

Dann stünden auch Mutter, Hebamme und Kind im Mittelpunkt, die Ärzte seien nur in der Beobachterposition. In dem verbleibenden Drittel seien sie aber sofort zur Stelle.

Kreißsaal sieht nicht nach Krankenhaus aus

Und das in einer Umgebung, die wirklich nicht typisch Krankenhaus sei. „Bei uns ist es auch gemütlich, oder“, fragte sie Kathrin Tolle-Radigk. Die Hebamme nickte.