Gladau/Genthin l Nachdem der Stadtrat im Sommer 2018 grünes Licht für ein B-Plan-Verfahren für die Schweinezuchtanlage Gladau gegeben hat, holt ihn die Angelegenheit jetzt wieder ein.

Der Grund: Im August hat der Betreiber der Anlage einen Antrag bei der Stadt auf Änderung des Planungsverfahrens, speziell des städtebaulichen Vertrages, gestellt. Es geht um Kapazitätserweiterungen. Im bisherigen Antrag sind 36.216 Ferkelaufzuchtplätze ausgewiesen, der neue Antrag sieht eine Erhöhung auf 42.784 Plätze vor.

In diesem Zuge will der Betreiber die jährliche Produktion der Futterzentrale von bisher im Vertrag fixierten 255 Tonnen pro Tag auf 357,9 Tonnen pro Tag erhöhen. Auch die Biogasproduktion ist von einer Erhöhung betroffen.

Die LFD (Landwirtschaftliche Ferkelzucht Deutschland) hatte im vergangenen Jahr angekündigt, künftig alle modernen Ställe wieder zu nutzen und sämtliche weiterhin benutzten Ställe umgehend mit Abluftreinigungsanlagen auszustatten. Man wolle rund 4000 der installierten Plätze zurückbauen und die Sauenanzahl am Standort dauerhaft bei maximal 9750 halten.

Jörn F. Göbert von der LFD Holding hält vor dem Hintergrund des aktuellen Änderungsantrages an diesen Aussagen fest. „Wir haben immer gesagt, dass wir 9750 Sauen und deren Nachzucht bis 30 Kilogramm in Gladau unterbringen wollen. Und kein Schwein mehr und dabei bleibt es auch.“

Der aktuelle Antrag, über den der Stadtrat in seiner Sitzung am 21. November zu beraten hat, soll nach Auskunft des Geschäftsführers einen Fehler korrigieren, der bei der Berechnung und der Zusammenfassung der Antragsunterlagen unterlaufen ist.

Geplantes reicht nicht aus

Die im ursprünglichen Entwurf festgeschriebenen etwa 3500 Plätze für die Aufzuchtferkel reichen nach Auffassung von Göbert nicht aus. „Das war schlicht und ergreifend ein Fehler“, sagt der Geschäftsführer. 42.800 sei die für 9750 Sauen nötige Anzahl an Ferkel-Aufzuchtsplätzen.

Diese Zahl würde sich Göbert zufolge so ergeben: 9750 Sauen multipliziert mit 30 Ferkeln pro Jahr ergeben 292.500 Ferkel, also pro Woche 5625 Tiere mit fünf Kilogramm. Für ihre 7,5-wöchigen Aufenthalt in der Ferkelaufzucht würde die LFD 42 187 Plätze benötigen. Die Zahl 42.784 ergebe sich dann technisch durch die Stallgeometrie.

Die Erweiterung der Kapazität in der Schweinezuchtanlage Gladau findet in Dorothea Frederking, argrarpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, eine scharfe Kritikerin. Aus ihrer Sicht hätte Göbert allen Beteiligten bewusst falsche Zahlen geliefert, damit sein Vorhaben der Erweiterung durch den Stadtrat geht.

42.784 Aufzucht-Ferkelplätze seien mehr Tiere als sein fragwürdiger Vorgänger Straathof jemals an diesem Standort halten wollte.

Die Kapazitätserweiterung war bereits Gegenstand einer Vorberatung im Gladauer Ortschaftsrat und wurde dort mit einstimmiger Ablehnung beschieden. „Ich bin gespannt, wie sich der Stadtrat positionieren wird“, sagt Gladaus Ortsbürgermeister Klaus Voth, der zugleich Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat ist. Wachsendes Umweltbewusstsein spiegele sich in der Öffentlichkeit wieder, ob das auch in Genthin angekommen ist, werde man sehen. Voth wird deutlich: „Die Lasten zwischen Genthin und Gladau werden ungleich verteilt.“ Gladau müsse mit der Schweinzuchtanlage leben, werde aber in Sachen Kita hängen gelassen, meinte der Ortsbürgermeister vor dem Hintergrund, dass im Haushalt die vom Ortschaftsrat beantragten Mittel für die Modernisierung der Gladauer Kindereinrichtung gestrichen worden sind.

Stimmungsbarometer im Bauausschuss

Am kommenden Montag hat der Bau- und Vergabeausschuss über den Antrag der LFD zu befinden, bevor der Stadtrat am 21. November darüber abschließend entscheidet.

Einen jahrelangen Konflikt um Kapazitätserweiterungen der Gladauer Schweinezuchtanlage hatte der Genthiner Stadtrat im vergangenen Jahr mit einer mehrheitlichen Zustimmung zu dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan befriedet.